Kleine Einführung in die Papageienkunde, Teil I


Frauenlori
(Lorius lory lory)

Inhalt:


Timneh Graupapagei
(Psittacus erithacus timneh)



Allgemeines:

Die Papageienvögel, Psittaciformes (Papageien, Lories, Kakadus, Sittiche u.a.) stellen eine eigene Ordnung im Vogelreich dar. Innerhalb der meisten Systematiken werden sie zwischen die Tauben Columbiformes und die Kuckucksvögel Cuculiformes gestellt. Papageien gibt es in allen Formen und Grössen, vom nur 8.5cm grossen Zwergpapagei bis hin zu den grossen Aras, die eine Länge von einem Meter erreichen können. In ihrem Gefieder zeigen sie farbenprächtige Mischungen von rot, grün, blau und gelb wie z.B. beim Sonnensittich, oder auch ein unauffälliges, eintöniges Schwarzbraun, mit dem sich der Vasapapagei präsentiert. In einigen Arten sind keine äusserlichen Geschlechtsunterschiede zu erkennen, bei anderen dagegen, z.B. den Edelpapageien, sind sie sehr auffällig.

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Typisches:

Schnabel
Beispiel Surinamamazone
Auffällig bei allen Papageien ist der grosse Kopf mit dem kräftigen, gebogenen Schnabel, dessen oberer Teil abwärts gebogen in einer scharfen Spitze endet, während der Unterschnabel nach oben mit einer breiten, abgeflachten Vorderseite endet, die in den Oberschnabel eingepasst ist. Der Oberschnabel ist im Gegensatz zu den meisten anderen Vögeln über ein sehr beweglichen Gelenk mit dem Vorderkopf verbunden. Die spezielle Anordnung der Gelenke und Schnabelmuskeln (scherenförmig gekreuzt) sorgt für eine sehr grosse Beisskraft.
Die allgemeine Schnabelform variiert jedoch in Abhängigkeit von der Ernährungsweise. Papageien, die sich von hartschaligen Nüssen und Früchten ernähren zeigen breite, massive Schnäbel, während diejenigen, die mehr nach Wurzeln graben, schmalere verlängerte Schnabelformen haben. Die breite, fleischige Zunge wird durch ein unter der Spitze liegendes Hornplättchen verstärkt. Die Familie der Lories zeigt hier die grösste Spezialisierung: Sie ernähren sich in der Hauptsache von Nektar, Pollen und Blütenteilen. Ihr Schnabel ist nicht so kräftig gebaut wie bei den anderen Papageien, und die Zungenspitze trägt sog. Papillen, die beim Fressen hevorgestreckt werden und wie ein Pinsel die mehr oder weniger zähflüssige Nahrung aufnehmen. Schnabel und Zunge zusammen bilden in jedem Fall aber ein ausgezeichnetes Werkzeug, das nicht nur zum Fressen, sondern auch zum Aushöhlen der Nistlöcher dient. Ebenso kann es als "dritte Hand" beim Klettern und z.B. als "Pinzette" verwendet werden, um irgendwelche Gegenstände auf Geschmack und Essbarkeit zu untersuchen.
Die Nasenlöcher befinden sich an der Basis des Oberschnabels in einer nackten oder auch je nach Art mehr oder weniger befiederten Wachshaut.
Fuesse
Beispiel Timneh-Graupapagei
Ein weiteres, ganz typisches Merkmal der Papageien sind die Füsse, bei denen zwei Zehen nach vorn und zwei Zehen nach hinten gestellt sind. Die äusseren Zehen sind gegenüber den inneren verlängert. Der aus dieser Zehenstellung resultierende gute "Griff", das sehr bewegliche Fussgelenk und der Schnabel machen aus dem Papagei einen exzellenten "dreihändigen" Kletterer, der optimal an das Leben in Bäumen angepasst ist. Die Füsse werden von den Papageien auch zum Halten, oder besser Sichern von Nahrung benutzt. Papageienarten, die sich am Boden ernähren, wie viele Australische Arten, halten z.B. die samentragenden Gräser mit einem Fuss nieder, andere halten Nüsse oder Früchte in einer Kralle damit nichts hinunterfällt während sie in den Bäumen ihre Nahrung aufnehmen.
Schwanzfedern
Beispiel Blaustirnamamzone
Im Vergleich zu anderen Vögeln haben die Papageien weniger, aber kräftigere Federn. Die Bürzeldrüse ist mehr oder weniger zurückgebildet. Anstelle des in dieser Drüse erzeugten Fettes zur Gefiederpflege haben die Papageien spezielle Puderdunen entwickelt, die unter dem Deckgefieder sitzen und an ihren Spitzen zu sehr feinem Staub zerfallen, der das Gefieder pflegt und konserviert. Ganz allgemein finden wir als weiteres typisches Kennzeichen 12 Schwanzfedern, deren Form, Farbe und Länge zwischen den Arten stark variiert. Die Färbung des Gefieders wird in Zusammenhang mit der Lichtbrechung durch ein nur den Papageien eigenes Pigment erzeugt. Obwohl manche Papageien schreiend bunt sind, bildet das Gefieder meist eine ausgezeichnete Tarnung. Die grünen Papageien sind im Blätterwald kaum auszumachen, eine Gruppe bunter Lories tarnt sich als blühender Busch und der kobaltblaue Hyacinthara wird im schattigen Wald nahezu unsichtbar.
Der Aufbau einer Feder ist in unserem Beitrag Grundwissen: Die Feder näher beschrieben.

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Evolution:

Archaeopteryx
Archaeopteryx
Gondwana
Gondwana
Fossile Überreste von Vögeln sind selten und so kann die Entwicklung der einzelnen Arten nur unvollständig zurückverfolgt werden. Die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen geographischen Gruppen und das Fehlen von Bindegliedern zwischen den einzelnen Familien lässt den Schluss zu, dass die Entwicklung der Papageien bereits in der Frühgeschichte der Vögel begann. Ein weiteres Argument ist die hohe Spezialisierung dieses Vogeltyps. Die ältesten Überreste eines Papageis wurden in Grossbritannien gefunden, und werden auf das frühe Eozän (vor 40 bis 50 Millionen Jahren) zurückdatiert1). Aufgrund der speziellen Form des gefundenen Fussgelenkes konnte dieser Papagei als eine Art Keilschwanzsittich identifiziert werden. Die Entwicklung der Papageien muss also noch viel früher eingesetzt haben, möglicherweise in den zentralen Wäldern des Urkontinentes Gondwana2). Nachdem dieser Kontinent auseinanderbrach, begannen die unterschiedlichen Entwicklungen der amerikanischen, afro-asiatischen und austral-pazifischen Arten. Während der Kontinentaldrift entwickelte sich dann die Artenvielfalt, hervorgerufen durch klimatische Veränderungen, Besetzung von freien ökologischen Nischen und Konkurrenzdruck durch andere Lebewesen, wenn die Landmassen wieder kollidierten.
Man nimmt an, dass unter den heute existierenden Papageienarten der Eulenpapagei (Kakapo) und auch die Nestorpapageien (Kea, Kaka) aus Neuseeland die urtümlichste Form dieser Vogelordnung darstellen.

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Biotope:

Verbreitung
heutige Verbreitung
Heutzutage sind Papageienvögel in sehr unterschiedlichen Lebensräumen zuhause, vom heissen, tropischen Regenwald bis hin zur antarktischen Klimazone, von Küstenregionien bis zu höchsten Gebirgen oder abgelegenen kleinen pazifischen Inseln.
Die lange naturgeschichtliche Entwicklung der Papageien und ihre Verbreitung über verschiedene Klimazonen hat auch zu einer mehr oder weniger starken Anpassung bzw. Abhängigkeit der Arten an die jeweilige Umwelt geführt, die ja auch entsprechenden Veränderungen unterworfen war. Einige Arten sind so stark spezialisiert, dass sie schon unter geringfügig veränderten Umweltbedingungen in Freiheit nicht überleben würden. Beispielsweise benötigt der Kakapo eine gewisse Zusammensetzung der ihn umgebenden Vegetation, auch wenn nicht alle Pflanzen von ihm verzehrt werden. Einer der Rabenkakadus ist abhängig von ganz bestimmten Larven, die er aus der Rinde von Eukalyptusbäumen zieht. Über die Spezialisierung der Lories wurde schon an anderer Stelle berichtet. Man kann sich denken, dass Eingriffe und Veränderungen in diese Biotope, sei es durch völlige Zerstörung (z.B. Abholzung, menschliche Ansiedlung) oder den "Import" einer biotopfremden Tierart die Existenz dieser Spezialisten bedrohen.
Es gibt aber auch "kosmopolitische" Typen unter den Papageien, die über ein sehr hohes Anpassungsvermögen verfügen und so von ihrer eigentlichen ökologischen Heimat unabhängig zu sein scheinen. So haben sich zum Beispiel freigelassene oder aus Gefangenschaft entkommene Papageien des Genus Psittacula (Alexandersittiche) oder aber auch div. Amazonenarten erfolgreich in europäischen und nordamerikanischen Grossstädten angesiedelt, obwohl Städte sicher nicht die natürliche Umwelt dieser Vögel darstellen3). Es sind aber nicht diese künstlichen Lebensräume und Populationen für die Erhaltung der Art notwendig, sondern die natürlichen, in denen sich die Art entwickelt hat.

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Verhalten:

Inkakakadu
Paar Inkakakadus
Ausserhalb des Brutgeschäftes sind die Papageien bis auf sehr wenige Ausnahmen (Kakapo) sehr gesellige Vögel, die je nach Art in kleinen Gruppen oder sogar grossen Schwärmen (mehrere tausend Individuen!) umherstreifen. Innerhalb der Schwärme kennt möglicherweise jeder Vogel jeden "persönlich", was dazu führen kann, dass Schwarmfremde, auch wenn sie der gleichen Art angehören, abgewiesen oder sogar getötet werden. Es kommt vor, dass ein Schwarm durchaus aus verschiedenen Arten besteht, die die gleiche ökologische Nische besetzen. Innerhalb der Schwärme ist eine gewisse Rangabstufung wahrscheinlich.
Die Paarbindung ist sehr stark, meistens hält eine Papageienehe das ganze Leben, und die Vögel "verloben" sich oft schon, wenn sie noch nicht geschlechtsreif sind. Bei einigen Arten ist beobachtet worden, dass ein Vogel an Kummer sterben kann, wenn er seinen Partner verliert.
Zumeist haben Papageien feste Plätze, an denen sie die Nacht verbringen und davon getrennte Futterplätze. Einige Arten legen sogar Entfernungen von mehr als 30 km zwischen Rast- und Futterplatz zurück. Entsprechend kann bei in Gefangenschaft gehaltenen Papageien beobachtet werden, dass die Vögel früh morgens und am Abend ihre aktivste Phase haben. Ausgesprochene Zugvögel gibt es unter Papageien nicht, einige Arten bewohnen jedoch unterschiedliche Gebiete ihres Lebensraumes in Ahängigkeit von der Jahreszeit oder dem Nahrungsangebot.

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Brut:

Gelege
Gelege Blaustirnamazone

Kueken
Kueken Gelbhaubenkakadu
Mit nur sehr wenigen Ausnahmen (Mönchssittich, Kakapo) sind die Papageien Höhlenbrüter. Ihre Nisthöhlen finden sich je nach Art in alten Baumhöhlen, Termitenbauten oder auch Löchern in weichen Felswänden und Steilufern der Flüsse. Obwohl Papageien ja über einen starken Schnabel verfügen, bevorzugen sie zumeist doch "vorgefertigte" Höhlungen, die sie dann ihren Bedürfnissen entsprechend umgestalten. Nestmaterial wird nicht immer benötigt. Einigen Arten reichen die "Abfallprodukte des Hausbaues", andere tragen zusätzliches Nestmaterial lustigerweise zwischen ihr Gefieder gesteckt in die Nisthöhle.
Die Brutsaison ist mehr oder weniger fest definiert, und auch abhängig von den jeweiligen Umweltbedingungen. Typischerweise sind Papageieneier weiss, sie brauchen keine Tarnmuster, wie die von Vögeln, die in offenen Nestern brüten. Die Gelege können je nach Art von ein oder zwei (Kakapo) bis zu acht und sogar mehr Eier (Touit u.a.) enthalten. Die Eier sind in Relation zur Körpergrösse kleiner als sonst im Vogelreich. Hier spiegelt sich auch das Entwicklungsstadium der Küken wieder, wenn sie schlüpfen. Wie bei den meisten Höhlenbrütern sind die Küken beim Schlupf noch sehr wenig entwickelt und brauchen relativ lange bis sie Nesthöhle verlassen können. Eltern und Junge bleiben oft noch längere Zeit zusammen, bis die Jungen selbständig sind. Ein besonderes Verhalten zeigt hier der australische Rosakakadu, dessen Junge sich in sog. Schulen sammeln, immer beaufsichtigt von ein paar erwachsenen Tieren, während die Eltern auf Nahrungssuche sind.

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Systematik:

Katalog
Katalogschrank
Wie schon gesagt, lassen sich Papageien durch ihr äusseres Erscheinungsbild leicht von anderen Vögeln unterscheiden. Das führte dazu, dass Papageien in den frühen Listen, Beschreibungen und Systematiken schon immer als besondere Gruppe geführt wurden4). Innerhalb der Psittaciformes (= Ordnung der Papageienvögel) ist die Systematik aber nicht so einfach. Farbe, Grösse, Anatomie, DNA, Vorkommen und Verhalten variieren sehr stark, und jede Einteilung dieser Vogelordnung ergibt ein anderes Bild, je nachdem, unter welchem Aspekt man sie vornimmt. Ausserdem lassen sich bestimmte Regeln nicht unbedingt von einer zur anderen Papageiengruppe übertragen. Forschungsergebnisse der letzten Zeit haben gezeigt, dass solche Ordnungssysteme immer wieder überarbeitet werden müssen. Manchmal führt dies sogar zur "Entdeckung" völlig neuer Arten.
Kein Wunder, dass weltweit mehrere "gültige" Systematiken der Papageienvögel in Gebrauch sind. Die Funktionsweise solcher Systematiken wird auf der Seite Grundlagen zur Taxonomie näher erläutert. Jedes dieser Ordnungssysteme ist für sich genommen nach den entsprechenden Voraussetzungen gültig, und es bleibt dem Anwender überlassen, für welches er sich entscheidet. Die etwas volkstümliche Einteilung in Papageien, Kakadus, Lories, Sittichen wird der Sache allerdings nicht gerecht. Wichtiger als solch starre Ordnungsysteme ist aber die Kenntnis über das einzelne Lebewesen selbst, die "Verwandtschaft" zählt erst in zweiter Linie.

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Geschichte in Menschenhand:

Holzschnitt 1554
Ara, Holzschnitt v. 1554 4)
Die Kenntnis von Papageien ist seit der Antike schriftlich überliefert. Am Hofe von Artaxerxes II hat der Arzt Ctesias den Pflaumenkopfsittich beschrieben und vermerkt das "Sprachvermögen" dieses Vogels. Papageien des Genus Psittacula (Alexandersittiche) waren im alten Rom bekannt und als Luxusobjekt beliebt. Wir finden sie auf Bodenmosaiken und als Wandschmuck. Mit der Entdeckung der Neuen Welt im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Papageienhandel zum einträglichen Geschäft. Natürlich erkannte man, dass es sich bei diesen Vögeln um die prachtvollen Verwandten des Alexandersittichs handelte. Später, noch vor der tatsächlichen Entdeckung Australiens findet man auf den Weltkarten schon eine Psittacorum regio (Papageienland) in der Region der Terra incognita australis (unbekannter, südlicher Kontinent, gemeint war die Antarktis) eingezeichnet, die heute Australien einnimmt5).
Heutzutage hat der Papageienhandel solche Ausmasse angenommen, dass immer stärkere Kontrollen erforderlich sind. Dieses Geschäft mit den wildgefangenen Papageien hat viele der Arten in die Gefahr der Ausrottung gebracht, und nur mit sehr hohen Kosten und Mühen kann versucht werden, das was übriggeblieben ist zu retten. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das Washingtoner Artenschutzabkommen. Aber solange die unterzeichnenden Länder diese Regeln nicht umsetzen können oder wollen, bleibt es nur ein Konzept.
- Es kommt noch schlimmer: Die Ausrottung von Papageienarten genauso wie die anderer Tierarten wird durch die grossflächige Zerstörung der Lebensräume bewusst vorangetrieben, solange man damit Gewinne erzielen kann. Naturschutz kostet Geld, Naturausbeute bringt Geld!!!

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Haustier:

Kletterbaum
Kletterbaum
Papageien waren schon immer als Haustiere beliebt. Durch ihren natürlichen Gesellschaftstrieb gezwungen, schlossen sie sich dem Menschen an, nahmen ihn als Ersatzpartner und waren so quasi die einzigen Vögel, die sich auch "streicheln" liessen, denn die gegenseitige Gefiederpflege ist Ausdruck der Paarbindung bei den Papageien. Dazu kam die grosse Lernfähigkeit und das Verhalten menschliche Laute nachzuahmen.
Es hat bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gedauert, ehe die sog. "artgerechte Haltung" auf Papageien angewendet wurde. Noch 1890 z.B. hat die Zool. Society in London die Ansicht vertreten, das Papageien kein Wasser zu sich nehmen6).
Neuere Erkenntnisse machen das Leben der Papageien in Gefangenschaft erträglicher, was man daran sehen kann, dass mittlerweile viele Papageienarten in Gefangenschaft nachgezüchtet werden können, um den "Haustierbedarf" des Menschen zu decken. Es ist sogar möglich, Erhaltungszuchtprojekte durchzuführen, damit bedrohte Arten wieder in ihren heimischen Biotopen angesiedelt werden können.
Die philosophisch/ethischen Aspekte der Papageienhaltung würden hier den Rahmen sprengen. Bitte machen Sie sich selbst ein Bild aus den durch die Arbeitsgemeinschaft Papageiennetzwerk angebotenen Informationen.

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Intelligenz:

Spieltrieb
Spieltrieb bei Blaustirnamazone
Der im Vergleich zu anderen Vögeln recht grosse Schädel bietet Raum für ein relativ zur Körpergrösse grosses Gehirn. Anatomisch gesehen unterscheidet sich das Vogelhirn sehr stark von dem der Säugetiere und damit auch von dem des Menschen. Die Gehirnteile, die allg. beim Menschen als "Sitz der Intelligenz" bezeichnet werden, sind beim Vogelhirn nur rudimentär vorhanden. Um so erstaunlicher sind die Intelligenzleistungen zu denen Papageien fähig sind. Vielen Papageienhaltern sind der ausgeprägte Spieltrieb oder die situationsbezogene Anwendung menschlicher Sprachelemente durch ihre Vögel bekannt. Neben dieser bekannten Lernfähigkeit haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass zumindest Graupapageien in der Lage sind, Eigenschaften bestimmter Gegenstände auf andere, sogar unbekannte Gegenstände zu übertragen und dies dann in einer artfremden Sprache (der menschlichen) auch auszudrücken. D.h. sie sind fähig, gedankliche Abstraktionen vorzunehmen. Nachlesen kann man das auf einem US-Server: The Alex Foundation Aber wie in allen "intelligenten" Lebewesen ist der individuelle Character sehr stark ausgeprägt. Während ein Papagei den ganzen Tag "redet", oder irgendwelche Wörter sofort nachspricht, kann ein anderer der gleichen Art dies völlig verweigern.

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Lebenserwartung:

Typ

Jahre

Wellensittich10
Sperlingspapageien15
Unzertrennliche20
Keilschwanzsittiche30
Alexandersittiche30
Grosse Aras35-40
Amazonen40-50
Grosse Kakadus60-75
Graupapageien60
Sichere Daten über die Lebensspanne bei wilden Papageien gibt es kaum. In Australien wurden in den 70er Jahren einzelne Vögel beringt oder mit Flügelmarken im Rahmen einer Felduntersuchung gekennzeichnet. Allerdings waren diese Daten auch nicht sicher, weil die markierten Vögel häufiger natürlichen Feinden zum Opfer fielen als unmarkierte7).
Bekannt dagegen ist, dass Papageien in Gefangenschaft sehr alt werden können. Manche Kakadus und Amazonen sollen schon über 100 Jahre alt geworden sein.
Links eine grobe Übersicht über die durchschnittliche Lebenserwartung einzelner Arten8):
Bei Hybridzüchtungen oder Papageien aus schwachen Zuchtstämmen mit einem "armen" genetischen Pool, sowie bei mangelhafter Haltung ("Raucherpapagei", ungesunde Ernährung, Stress, um nur wenige Beispiele zu nennen) wird das angegebene Alter oft bei weitem nicht erreicht.

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Quellennachweis:

1) Harrison, C.J.O.
+The earliest parrot; a new species from the British Eocene.
London
Ibis
124.1982,x S. 203-210
: Paleopsittacus-georgei

2) Sparks, John & Tony Soper
+Parrots: A Natural History
New York
Facts on File, 1990, ISBN 0-8160-2427-8

3) Ernst, Ulrike
+Afro-asiatische Sittiche in einer mitteleuropäischen Grossstadt. Howardsleben
Jahrbuch für Papageienkunde
1.1995, S. 23-115

4) Gesner, Conrad
Historia animalium liber III. de avibus.
Zürich
Verl. Froschover
1555, S. 689-694

5) Gerard Mercator's World Map from 1519
and Blaeus, J.W.:"Nova totius orbis terrarum ... tabula" - world map 1642

6) Greene, W.T.
+Parrots in captivity, Vol. I-III.
Neptune, N.J.
TFH Publications
1979, reprinted from the original 1887


7) Rowley, Ian and D.A. Saunders
+Rigid wing-tags for Cockatoos. Sydney
Corella, 4.1980,1 P. 1-7

8) Pinter, Helmut
Handbuch der Papageienkunde
Stuttgart
Verl. Kosmos 1979, ISBN 3-440-04752-0

Abbildungen soweit nicht anders gekennzeichnet
© Arbeitsgemeinschaft Papageiennetzwerk

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Hier können Sie weiterlesen:
  • Teil I Einführung in die Papageienkunde
  • Teil II Grundlagen der Taxonomie
  • H.-J. Pfeffer für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk, Jan. 1999