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Ein kleiner Teil der heute bestehenden Schützengilden und -gesellschaften haben ihren Ursprung im hohen Mittelalter als zivile Bürgerwehren. Zum Schutz der aufblühenden Städte mußten sie jederzeit bereit sein, räuberischen Angriffen entgegenzutreten. Die Bedeutung dieser Organisationen ist aber wohl weniger in den 'militärischen' Erfolgen als vielmehr in ihrer gesellschaftlichen Funktion zu suchen. Die von ihnen ausgerichteten Schützenfeste waren fester Bestandteil des städtischen und dörflichen Lebens und zumindest im Mittelalter Feste mit Gauklern, Quacksalbern u.ä. Schaustellern.
In unserm Themengebiet ist nur das "Papageienschießen" interessant. Das Vogelschießen bzw. das Papageienschießen war schon im Hochmittelalter ein relativ verbreiteter Bauch in Europa. Belege liegen aus England, Schottland, Dänemark, Frankreich, den Gebieten des heutigen Deutschland und der Schweiz vor. Die Trennung zwischen Vogelschießen und Papageienschießen ist dabei nur schwer möglich, wie z.B. ein Blick in das Schriftgut der heute noch existenten St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Köln-Flittard zeigt. Hier finden sich der Kollektivbegriff 'Vogel' fast gleichwertig neben der spezielleren Bezeichnung 'Papagei'. Auch bei andern Schützenvereinigungen sieht es ähnlich aus: So wurde das heute noch in Hannover als Volksfest und Schützenfest gefeierte "Papageienschießen" 1581 vom letzten Grafen von Hoya gestiftet, von dem auch der älteste Königsschmuck, ein silberner Papagei an einer Kette stammt. Es wird vermutet, daß gegen Ende der Kreuzzüge mit der Verbreitung von Bogen und Armbrust und dem Aufkommen der ersten Schützengesellschaften, die sich zum Beispiel auch Papageiengilde, Papageiengesellschaft oder Papacompanie nannten auch die aus dem Orient von Kreuzfahrern mitgebrachten Papageien übernommen wurden. Geschossen wurde natürlich nicht auf einen Papageien aus Fleisch und Blut, sondern auf einen Holzpapagei.
Der Schützenkönig wurde dann als Papageienkönig bezeichnet und trug einen entsprechenden Schmuck, der zusammen mit Königstafel ehemaliger Schützenkönige an einer Kette um den Hals getragen wurde und auch heute noch getragen wird. Nebenstehende Abbildung zeigt einen solchen Königsschmuck, der aufgrund der unter dem Schwanz stehenden Jahreszahl auf das Jahr 1594 datiert wird und damit aus der Zeit nach der Entdeckung Amerikas stammt. Überlegt man sich, wie der Silberschmied, der den Schützenschmuck anfertigte zur Vorlage seiner Palstik gekommen ist, so bieten sich zwei Möglichkeiten an: er hatte entweder einen leibhaftigen Papagei der ihm Modell gesessen hat (was durchaus nicht so unwahrscheinlich ist wie es sich anhöhrt) oder er griff auf eine andere Abbildung zurück und ergänzte sie vielleicht mit Beobachtungen, die er an andern Vögeln z.B. Haustieren gemacht hat. Gehen wir dieser Frage mal am Beispiel des Köln-Flittarder Schützenschmuck nach. Die geringe anatomische Exaktheit und der schlecht getroffene Habitus lassen mir die zweite Hypothese als wahrscheinlicher erscheien. Und dies eröffnet die Möglichkeit nach der bildlichen Vorlage zu suchen.
Das Vorbild für diesen Papagei dürfte wohl eine Abbildung aus Conrad Gesners "Geschichte der Tiere, Drittes Buch, Über die Vögel" aus dem Jahr 1554 sein. Gesner verweist im Text darauf, das der Vogel grün sei und aus Indien käme, er könne wie der antike Schriftsteller Plinius (23-79) schrieb mit menschlicher Stimme reden und werde Sitacus genannt. Vergleicht man diese Abbildung zum Beispiel mit einem Ausschnitt aus dem Stich "Adam und Eva" von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1504 oder auch mit Fotos dieses Papageis, so wird die Ähnlichkeit der Fehler noch deutlicher.
Als Gegenprobe kann hier vielleicht ein ebenfalls aus Silber bestehender "Grauer afrikanischer Rotschwanzpapagei" aus dem Jahr 1620 dienen, der in Emden gefertigt wurde. Er wirkt insgesamt realistrischer: die Körperhaltung ist stimmiger, die Kopfzeichnung deutlicher, der Schnabel ist ein echter Papageienschnabel. Graupapagein wurden erstmals von Europäern 1402 auf den Kanarischen Inseln bei Einheimischen beobachtet.
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Literatur und Quellen: | ||||||
Schützenvereine (die Bezeichnung der Links entspricht nicht unbedingt den Seitentiteln) Literatur: Abbildungen: | ||||||
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