Australien: es geht auch anders ...

Unsere Stammleser erinnern sich bestimmt an den Artikel vom Mai, ( Australien: Gift für Kakadus) in dem wir über die staatlich subventionierte Massenvernichtung von Kakadus berichteten.
Ein Beitrag in der neuesten Ausgabe der PsittaScene (Vol. 11.1999 No. 3) zeigt, dass "Schädlingspopulationen" auch anders kontrolliert werden können.
Die Psittascene wird vom World Parrot Trust herausgegeben, dessen deutsche Homepage durch die APN im WWW angeboten wird.
Der Lakeland-District Australiens ist bekannt für den umfangreichen Anbau von Erdnüssen, die dort aufgrund des besonderen vulkanischen Bodens gut gedeihen. Gleichzeitig ist diese Gegend aber auch die Heimat der Rotschwanz-Kakadus, die hier obwohl insgesamt als Art bedroht, häufig vorkommen. Erdnüsse an sich reifen ja unter der Erde, und es ist eigentlich erstaunlich, dass gerade diese Kakadus entdeckt haben wie gut Erdnüsse schmecken. Sie fallen also in grossen Schwärmen in die Erdunssfelder ein, und graben die nahrhaften "Nüsse" aus dem Boden. Der angerichtete Schaden ist ernorm, da sich die ausgegrabenen Pflanzen nicht erholen können. Das Beipiel zeigt auch, dass bestimmte Papageien durchaus in der Lage sind, ihre Ernährungsweise den Gegebenheiten anzupassen, denn dieses Phänomen gibt es erst seit etwa 8 Jahren.
Natürlich haben die Farmer auf die Plage zunächst gewaltsam reagiert. Mit Gewehren und, so sagt man, auch mit Gift wurden die Felder gegen die Kakadus verteidigt. Dies hatte zur Folge, dass die Kakadus wachsamer wurden, und nur unbewachte Felder verwüsteten, aber der Schaden blieb. (N.B.: Von anderen Kakaduschwärmen ist bekannt, dass sie "Wachen" aufstellen, während der Schwarm frisst. Diese Wachen sind durchaus in der Lage, einen Menschen mit Gewehr als gefährlich und einen Menschen ohne Gewehr als harmlos einzustufen, und die anderen entsprechend zu warnen.)

Der Queensland Parks and Wildlife Service wurde schnell für die angerichteten Schäden verantwortlich gemacht. Denn die gesetzliche Abschussquote betrug höchsten 30 dieser wundervollen und insgesamt seltenen Vögel. Die Empfehlung, einen Teil der Erdnussernte den Kakadus zu überlassen stiess bei den Farmern zunächst auf taube Ohren. In diesem Jahr allerdings änderte sich das Bild: Der Queensland Parks and Wildlife Service baut nun seine eigenen Erdnussfelder an. Allerdings ist das eher ein Verdienst der Farmer.

In einer gemeinsamen Aktion Ende 1998 stellte Martin Garate, einer der betroffenen Farmer eine Fläche von über 160.000 qm zur Verfügung, die Peanut Company of Australia stellte das Saatgut und weitere Farmer und Unternehmen halfen tatkräftig mit Maschinen, Bewässerung und Arbeitskraft, um das Erdnussfeld zu pflegen.

Eine Inspektion der Erdnussfelder Ende März 1999 ergab dann folgendes: Die Erdnussfelder der Farmer waren unberührt, während sich auf dem für die Kakadus frei verfügbaren Testfeld ein Schwarm von fast 500 Rotschwanzkakadus gütlich tat. Wie Stephen Garnett vom Queensland Parks and Wildlife Service berichtet, ist es sogar möglich, dass auf diesem Feld noch genügend Erdnüsse für eine Ernte durch den Menschen übrigbleiben. Gemessen an den eingesparten Verlusten war die Investition relativ gering.

Dieses Beipiel zeigt deutlich, dass es eigentlich mehr auf den guten Willen der Betroffenen ankommt, um ein vernünftiges Zusammlenleben zwischen Mensch und Tier zu erhalten von dem beide profitieren.




Quelle:
Garnett, Stephen: Cockatoos and Peanuts at Lakeland. PsittaScene Vol. 11.1999 No. 3; S. 14-15. Hrsg. vom World Parrot Trust
Photos: Mit frdl. Genehmigung © World Parrot Trust.
Zur Homepage: 
Übers. u. Adaption für WWW: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 1999