Beschäftigungstherapie für Mensch und Papagei

Wir alle wissen, dass ein Papagei, der die meiste Zeit seines Lebens in einem mehr oder weniger komfortablen Käfig zubringen muss, geistig und körperlich unterfordert ist. Einen gewissen Ausgleich bietet da Spielzeug, mit dem sich der Vogel beschäftigen kann. Hier ein paar Anregungen dazu. - Die Grösse der Teile ist natürlich abhängig von der Grösse des Vogels, dies hier ist für Amazonen, Graupapageien, Kakadus usw.

Frage: Was macht dem Vogel Spass?

Spass macht einem Papagei anscheinend alles, was entweder sehr beweglich ist, oder zerstörbar, oder am liebsten beides. Schliesslich müssen unsere Krummschnäbel ja ihren Schnabel von Zeit zu Zeit auch ein wenig abnutzen, bzw. schärfen. Offensichtlich kommt es auf Schönheit im menschlichen Sinne - niedliche Farben und Formen - nicht an.

Frage: Was macht dem Menschen Spass?

Zunächst alles, was wenig kostet. Dann sollte es einfach herzustellen sein und etwas Bastelspass bieten. Noch mehr Spass macht es, wenn auch der Vogel sich dann damit beschäftigt.

Materialfragen:
Der Mensch ist derjenige, der für seinen Vogel das passende Material aussuchen muss. Natürliche oder naturbelassene Materialien haben hier Vorrang.
Einkaufsliste:
Nicht jeder hat Wald oder Garten in der Nähe, um sich mit dem nötigen Holzvorrat einzudecken. Nebenbei gesagt hätten wir nach all den Jahren "Holzschnitzkunst" auch keine Bäume mehr im Garten. Also bietet der nächstgelegene Baumarkt evtl. eine preiswerte Versorgungsquelle. In Frage kommen prinzipiell die unbehandelten Hölzer, zumeist Fichte, die in vielen verschiedenen Varianten zu bekommen sind. Ich benutze hier sog. Konstruktionshölzer, die sind glatt gehobelt, und haben auch geglättete Kanten. Wer´s noch billiger mag, kann z.B. auch unbehandelte Dachlatten nehmen, aber mir machen Holzsplitter im Finger eben keinen Spass. Fichte allein ist für Papageienschnäbel kein Problem, es sollten also auch noch ein paar Hartholzelemente mit eingebaut werden. Der Baumarkt bietet dazu z.B. Rundstäbe aus Buche in versch. Durchmessern an.
Die Holzliste:
  • 1x Vierkantholz ca. 4x4cm, Lieferlänge 2,40m (passt gerade ins Auto)
  • 1x Latte ca. 2x10cm, auch 2,40m lang.
  • 1x Rundstab Buche, 1m, Durchmesser 3cm
    Sollte das Holz zu lang sein, kann man es in der Zuschnittabteilung auch halbieren lassen.

    Das war die Holzabteilung, nun weiter zu den Eisenwaren. Dort holen wir bestimmte Beschläge, die sich zum Aufhängen oder Kombinieren des fertigen Papageienspielzeugs eignen. Grundregel: Alles was der Papagei aufkriegt, oder woran er sich verletzen, oder klemmen kann, können wir nicht gebrauchen.
    Die Beschläge:
  • Kettennotglieder, - die kann man auf und zu drehen, auch so fest, dass der Vogel sie nicht löst.
  • Kleine Schraubschäkel, - auch die kann man fest zuschrauben und mit Zange und Stift wieder lösen.
  • sog. Seilwirbel, die sich voll gegeneinander drehen lassen.

    Gleich neben den Eisenwaren findet sich meist auch das Regal mit den Seilen. Seile sind immer gut. Am besten ist hier ein kurzfaseriges Sisalseil, das bietet genug Stabilität, und ist auch rauh genug.
    Seil:
    Sisal, eine Verpackungseinheit = 10m, 8 oder 10mm dick - das sollte erstmal reichen.

    Das war der Einkauf, jetzt hat zunächst der Mensch etwas, womit er sich beschäftigen kann.

    Als erstes fallen jede Menge Bohrarbeiten an. Das "Langholz" wird in mehr oder weniger regelmässigen Abständen durchbohrt. Der Bohrer sollte natürlich etwa 2mm dicker sein, als das Seil, damit es nachher auch durch die Löcher passt. Hartholz bohrt man am besten mit einem Stahlbohrer.
    Anschliessend sägt man das Holz immer zwischen den Löchern ab, und erhält so einen Vorrat an "Bauelementen" für das Papageienspielzeug. Wem es Spass macht, der kann auf genaue Einhaltung der Masse achten, und die Bauteile auch perfekt glätten. Da dies meinen Vögeln aber egal ist, spare ich mir das. - Man sollte ruhig "auf Vorrat" produzieren, um abgenutzte Teile ersetzen zu können.
    Jetzt werden die Einzelteile auf das Seil gefädelt. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Beachten, an welcher Stelle ein Beschlag sitzen soll, damit das Teil später auch gut aufgehängt werden kann. - Heute wird es mal etwas in der Art einer Schaukel.
    Ein besondere und bei unseren Papageien beliebte Variante sind sog. "Chips" aus Manzanita-Hartholz. Die gibt es nicht im Baumarkt, sondern nur in gut sortierten Zoogeschäften, oder beim Zoofachversand (s. unsere Linksammlung "Papageien im Internet"). Diese Chips zu bohren ist schwierig, man fängt am besten mit einem kleinen Bohrer an (2-3mm) und bohrt die Löcher dann schrittweise auf, bis die gewünschte Grösse erreicht ist.
    So könnte das fertige Papageienspielzeug aussehen, die Grösse kann man durch den untergelegten DIN A4 Block erkennen.
    Jetzt noch die Späne zusammenfegen, das Werkzeug wegräumen - fertig!
    Das war die Beschäftigungstherapie für den Menschen. Hängt dieses Spielzeug im Käfig, kann sich der Papagei in den nächsten Tagen damit auseinandersetzen. Taktischerweise hängt man es über den "Kreuzungspunkt" von zwei Käfigstangen. - Warum wohl?

    Bei uns hält so ein Teil ca. 2-3 Wochen, wie gut, dass wir auf Vorrat gebohrt und gesägt haben, und noch jede Menge Langholz und Seil über ist ...

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    Bilder u. Text: H.-J. Pfeffer
    Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
      © Juli 1999