Eine traurige Mitteilung erreichte uns im April diesen Jahres (1999)
aus Australien,
dem Land der Kakadus und Sittiche. Australien ist bekannt für seine rigorosen
Exportbestimmungen was Papageien betrifft. Die Argumentation kennen wir.
Es heisst, dass dadurch die einheimische Fauna geschützt werden soll.
So weit, so gut, aber nun zu einer email, die wir im April erhalten haben.
Diese mail enthielt eine Presse-Erklärung von Birds Australia
die zeigt, was wirklich geschieht.
Birds Australia (Royal Australasian Ornithologists Union)
ist Australiens älteste Vogelschutzorganisation und die
national grösste wissenschaftliche Gesellschaft für
Naturforschung. Email: raou@raou.com.au
Ich gebe diese mail hier in einer Zusammenfassung wieder:
Der Minister für Natur- und Landwirtschaft des
Bundesstaates Victoria, Hon Marie Tehan will aufgrund der Beschwerde
einiger Farmer mehrere Gifte mit bis zu besonderer Stärke (Austr.
"Schedule 6"), die ursprünglich für einen ganz anderen Zweck entwickelt wurden,
zulassen, um Populationen von Kakadus, Corellas und Galahs zu "kontrollieren".
Weiterhin gibt es keine besonderen Richtlinien über die
Einsatzmethoden, und das o.g. Ministerium stellt auch keine weiteren Mittel
zur Überwachung des Einsatzes zur Verfügung. Diese Entwicklung steht im
Gegensatz zu einem 1995 veröffentlichten Report des Environment and
Natural Resources Committee of the Parliament of Victoria mit dem
Titel: "Problems in Victoria caused by Long-billed Corellas,
Sulphur-crested Cockatoos and Galahs". Dieser Report, der unter der
Mitwirkung von "Birds Australia", Regierungsstellen, Farmern und
Naturschützern entstand, enthält Richtlinien zur Kontrolle der
Schädlingspapageien OHNE den Einsatz von Giften.
Obwohl "Birds Australia" den meisten Farmern einen
verantwortungsbewussten Einsatz dieser Gifte zugesteht,
kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese
Lockerung der Bestimmungen dazu führt, dass es in vielen Fällen neben der
"Populationskontrolle" der Schädlinge (o.g. Papageienarten) zur Ausrottung auch
geschützter Arten wie Kängurus, Wallabies, Raubvögeln, Wasservögeln und anderen
Papageienarten kommen kann. Mehr noch: Die mangelnde Kontrolle lässt eine
Überwachung welche Mittel zu welchem Zweck in welcher Menge eingesetzt werden
nicht zu, und der Missbrauch ist fast nicht zu verfolgen.
Der Einsatz von Giften solcher Bandbreite
wie die jetzt erlaubten wird seine Auswirkungen nicht nur auf die
Schädlingspapageien haben, sondern sich im ganzen ökologischen System
ausbreiten. Die zunächst Betroffenen werden die Raubvögel sein, die sich
von den vergifteten und geschwächten Papageien ernähren. Auch unter den
Raubvögeln verfügt Australien bisher über seltene und vom
Aussterben bedrohte Arten. Weiterhin sind viele andere Tierarten (Aasfresser,
kleine Nagetiere, Amphibien) usw. in der Nahrungskette bedroht.
Beispiele für diese Folgeerscheinung hat es in Australien schon oft
genug gegeben.
"Birds Australia" ist strikt gegen den Einsatz von Giften
zur Bekämpfung von Schädlings-Papageien, da nicht ausgeschlossen werden kann,
dass diese auch über die Lebensmittelproduktion in die menschliche
Nahrungskette gelangen und sogar eine Hauptexportindustrie (Nahrungsmittel)
gefährden können. Einige der freigegebenen Gifte sind ausserordentlich
schädlich für den Menschen.
Sicherlich verursachen die die drei genannten
Papageienarten bei einigen Farmern in Victoria u.U. grosse Ernteschäden,
aber die zu ihrer Kontrolle eingesetzten Mittel müssen dem Problem
angemessen sein und so kontrolliert eingesetzt werden, dass andere Lebewesen
nicht in ihrer Existenz bedroht werden.
Mittel- bis Langfristig müssen zu diesem Problem Lösungen gefunden werden,
die auf fundierten wissenschaftlichen Untersuchungen des Verhaltens und der
Biologie der drei "schädlichen" Papageienarten beruhen und das ökologische
System, in dem sie vorkommen, berücksichtigen. Nur so kann es zu einer
Koexistenz kommen, von der beide profitieren: Umwelt und Farmer.
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