Haustier Pennantsittich
- ein Bericht von Aina Fomiczenko -

Vor zwei Jahren haben wir zwei Pennantsittiche mit Hilfe einer Tierärztin aus scheußlichsten Verhältnissen 'befreit'. Wir haben sie auf die Namen Henry und Lotti getauft. Beide haben in kürzester Zeit gelernt auf ihre Namen zu reagieren. Nachden wir sie in unseren Haushalt aufgenommen haben, wurde sofort mit dem Bau einer einigermaßen bequemen und Pennantsittichfreundlichen Zimmervoliere mit den Maßen ca. 1.50 x 1.80 x fast Türbreite, größer ging leider nicht, begonnen. Die Zimmervoliere hat Räder und wird ab ca. April bis Anfang Oktober auf die Terrasse geschoben, da Henry und Lotti Frischluftfanatiker sind, sich sehr gerne sonnen, und jeden Vogel den sie hören oder sehen äußerst freundlich begrüßen. Saubergemacht wird die Zimmervoliere zweimal in der Woche.

Wenn sie nicht "raus" dürfen, müssen sie sich das "Vogelzimmer" mit drei aufgenommenen Nymphensittichen und zwei ebenfalls aufgenommenen älteren kranken Wellensitttichdamen teilen, was bedeutet, dass sie sich ihren Freiflug mit den anderen Vögeln wechselseitig Tag um Tag teilen müssen. Pennants können anderen Vögeln gegenüber gelegentlich ziemlich rabiat werden. So auch bei uns.

Momentan gibt es teilweise heftiges Gerangel mit meinem Mann. Ich denke, da geht es wohl darum wer der "Obervogel" ist. Oder Henry hat Sorge, dass mein Mann Lotti den Hof machen könnte. Henry umwirbt seine Lotti z.Zt. ziemlich heftig (Heiratsanträge, durch den Käfig jagen, dass ich mir das manchmal nicht mehr ansehen mag). Die Liebe geht bei den beiden aber nur bis zum bis zum gegenseitigen Füttern. Obwohl sie uns gegenüber mehr zutraulich als scheu sind gehe ich davon aus, dass sie nicht mehr zahm werden. Das mag aber an ihrer Vergangenheit liegen. (Hinterhof einer Kneipe, Nordseite, kein Futter,kein Wetterschutz)

Sie sind liebenswürdige und einigermaßen pflegeleichte Vögel, lieben es gesellig, sind sehr "musikalisch" und freuen sich über die Ansprache seitens des Menschen. Es geht soweit dass wir lautstark und freudig und vor allem schwanzwedelnd begrüsst werden wenn wir von der Arbeit oder sonstwoher kommen.

Ich möchte nicht behaupten dass sie gefrässig sind, jedoch lieben sie das Essen über alles. Körnermischung für Großsittiche, gemischt mit Wellensittichfutter unter Beigabe von einigen Sonnenblumenkernen. Morgens läuft schon mal gar nichts ohne eine Dusche, Frischfutter in Form von geschnittenen Äpfeln,Kiwi,Mandarinen, Chicoree, halben Kirschen (auch jetzt) Kresse, und nicht allzu häufig sehr gerne etwas Walnuss obendrauf. Das Abendessen besteht grundsätzlich aus je einem Stückchen gekochter Kartoffel und Möhre. Es wird aber auch alles andere ausprobiert (ich vermute, dass sie beim Vorbesitzer mit allem möglichen gefüttert wurden, da sie Salzstangen und auch alle anderen Knabbersachen kennen und gezielt drum betteln. Henry mag z.B. alles was aus einem Behältnis kommt das irgendwie nach Joghurtbecher aussieht und weiss und süß ist. Ach ja, und Mangold, Salat, ERDBEEREN und im Frühling die Felsenbirneni, sind ausgesprochene Leckerbissen. Vogelmiere, Löwenzahn und Zitronenmelisse muss ich, glaub ich, nicht extra erwähnen. Jeder Vogel hat seinen eigenen Freßnapf, es gibt zwei Wasserschalen im Käfig (eine etwas größere, in der gelegentlich etwas geplätschert wird und eine kleinere aus der nur getrunken wird und in die ich ein bis zweimal pro Woche einen Vitaminzusatz ins Wasser gebe. Auf den Boden der Voliere haben wir auch einen etwas größeren Freßnapf gestellt (Hundenapf). Henry und Lotti nehmen gerne Nahrung vom Boden auf, vermeiden es aber möglichst durch den Vogelsand zu laufen.

Gespielt wird sehr gerne (oder besser gesagt am liebsten) mit dem Finger meines Mannes. Da kann man wunderbar reinhacken. Abgeschnittene Apfelbaumzweige (bis zum Herbst mit Laub) sind neben Wäscheklammern aus Holz und Papageienspielzeug mit Glöckchen und kleinem Seil auch sehr begehrt und beugen langer Weile vor. Unsere Pennantsittiche lieben es, wenn wir uns mit ihnen beschäftigen. Am liebsten den ganzen Tag über. Wenn wir in der Nähe der Zimmervoliere stehen, "macht" Henry uns gezielt an. Henry ist sehr eifersüchtig, er duldet es einfach nicht, wenn Lotti in die Sozialpflege mit einbezogen wird. Da kann er dann auch ihr gegenüber zu einem kleinen Giftzwerg werden. Er lässt sie auch grundsätzlich nicht eher in Ruhe essen, bis er den Futternapf auf seine Leibspeisen untersucht hat, die er sich natürlich auch rausholt.

Obwohl die Pflege der beiden Großsittiche nicht unerheblich ist, möchten wir sie nicht mehr missen. Wir persönlich sind der Meinung, dass man diese wirklich interessanten und liebenswerten Vögel normalerweise nicht einfach in einer Wohnung in einem Käfig halten kann. Selbst wir sind uns in klaren darüber, dass wir ihnen keine artgerechte Haltung sondern nur ein etwas komfortableres Zuhause und ein für unsere Begriffe angenehmes Leben bieten können. Als wir uns entschlossen die Pennants aufzunehmen, haben wir nach Literatur über Haltung und Pflege u.s.w. gesucht. Viel Ausbeute gibt es nicht. Die Erfahrung mit ihnen haben wir eigentlich nur durch dauernde Beobachtung und hilfreiche Tipps eines Kollegen, der Papageien züchtet, sammeln können.

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass leider in viel zu vielen Fällen gerade mit Ziervögeln jedweder Art aus Profitgier und Gier nach Preisen und Bewunderung für irgendwelche perversen Züchtungen, Schindluder getrieben wird. Die einzelne Kreatur bleibt meistens auf der Strecke. Aber das Thema kennen Sie ja selbst. Vielleicht ist ja in meinem Bericht für jemanden der Scheu hat Pennants aufzunehmen, der eine oder andere hilfreiche Tipp oder Hinweis auf das Verhalten dieser manchmal auch schlecht gelaunten kleinen Gesellen dabei.

Aina Fomiczenko,
Feb. 2001

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Fotos und Text: © Aina Fomiczenko
Adaption für WWW: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  02/2001