Ein rätselhafter Papagei
"Der Casmalos, wie die bekannteste Art der
Rüsselpapageien auf Neuguinea genannt wird, ist einer der größten aller
Papageien überhaupt; er übertrifft noch die meisten Araras an Stärke ..."
"Abweichend von allen anderen mir bekannten Papageien,
gebraucht der Casmalos seine eigenthümlich gestaltete Zunge in absonderlicher
Weise. Er nimmt das Futter mit dem Fuße an, bringt es an den Schnabel,
zerstückelt es und drückt nur die Spitze seiner Zunge, welche mit einem runden
hornartigen Blättchen versehen ist, auf den abgetrennten Bissen, welcher auf
dem Blättchen kleben bleibt. Nun wird die Zunge zurückgezogen und der Bissen
verschluckt. Das geht langsam vor sich, und daraus folgt, dass die Mahlzeit
sehr lange währt. ..."
"Steif da sitzend mit dem rothen Gesicht, dem mächtigen
Schnabel und seinem stets aufgerichteten Federbusche sieht er aus wie ein
alter General, und macht namentlich wegen seiner Häßlichkeit einen lebhaften
Eindruck. Auch ist er ruhig und langweilig, läßt aber bei Annäherung eines
Fremden, wie auch sonst zuweilen zum Vergnügen eine ebenso unschöne, als wätschende (schnarchende, knurrende) Stimme hören. Die Eingeborenen und deshalb
natürlich auch die einheimisch gewordenen Europäer behaupten, die Speiseröhre
sitze bei ihm in der Zunge. ..."
Um welchen Papagei handelt es sich?
(Lösung weiter unten)
|
Lösung:
Es ist der Palmkakadu (Probosciger aterrimus).
Vorkommen: in drei Rassen, von Neu Guinea bis
äussertster Norden Australiens und den Aru Inseln.
Habitat: In dichten Waldgebieten, Savannenwäldern
und trop. Regenwald. Auch in Eukalyptuswäldern.
Brut: Saison etwa August bis Januar, ein einziges
Ei. Die Jungen verlassen erst nach über 100 Tagen das Nest.
Spez. Verhalten: Während der Balz benutzen die
Männchen speziell zurechtgeschnitzte Stöcke, um damit auf
hohlen Ästen und Stämmen zu trommeln. Dabei halten sie den
Stock im Fuss, und versuchen so, die Aufmerksamkeit der
Weibchen zu erregen.
|

Foto: © Thosten Bönte |
Zitate aus: Brehm's Thierleben 3. Band, Zweite Abtheilung:
"Die Vögel"; Erste Hälfte: Knacker und Sänger
Hildburghausen, Verlag des Bibliographischen Instituts 1866. |
|