Fremde Papageien
in Pflege nehmen

Sommerzeit, Reisezeit, das ist auch die Zeit in der viele Papageien ein "Urlaubs-" oder Pflegequartier suchen. Einen Papagei in Pflege nehmen oder geben ist doch kein Problem, mag mancher denken, aber so einfach ist das auch wieder nicht. Ein paar Gedanken dazu ...

H.-J. Pfeffer, Juni 2000

Wenn ich hier mehr aus der Sicht der Urlaubsvertretung schreibe, so liegt das daran, dass ich mich in der glücklichen Lage befinde, meine Papageien nicht Pflege geben zu müssen. Sie können zuhause in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, da es jemanden gibt, der während unserer Abwesenheit bei uns wohnt, sie versorgt, und, und das ist besonders wichtig, der von den Vögeln akzeptiert wird. Trotzdem glaube ich, dass die folgenden Überlegungen für Eigentümer und Pfleger ein paar Hinweise geben.

Es gibt viele Wege, auf denen ein Pflegepapagei ins Haus kommt. Meistens ist es der Vogel eines Freundes, aber fast genauso häufig wird in Anzeigen (Zeitung oder WWW) ein Urlaubsquartier angeboten. Ich gehe hier mal eher von der zweiten Version aus. In diesem Fall sind sich Pfleger, Besitzer und Vögel oft völlig unbekannt, und es gibt eine Menge zu beachten. Bei höheren Bekanntheitsgraden wird der eine oder andere Punkt wohl entfallen.

Meine erste Überlegung ist die Frage nach der Papageienart. Ich nehme keine Papageien in Pflege, mit denen ich nicht umgehen kann. Z.B. besitze ich seit langen Jahren eine Blaustirnamazone, andere Amazonenarten sollten also wenig Probleme bereiten. Einen Kakadu als Pflegepapagei würde ich nur im Notfall nehmen, das Verhalten dieser Vögel kenne ich kaum. Die Bedürfnisse sind völlig verschieden, genau wie die "Körpersprache", die ich bei der Amazone kenne, die aber beim Kakadu völlig anders ist. Missverständnisse sind hier wohl vorprogrammiert ...

Als nächstes würde ich gern die Lebensumstände meines Gastpapageis kennenlernen, ihn also bei sich zuhause besuchen. Will sein "Chef" das nicht, ist mir die Sache schon etwas suspekt. Gibt es vielleicht an den Haltungsbedingungen etwas zu verbergen? Ich glaube, ich würde die Urlaubsbetreuung in diesem Fall ablehnen. Zwischen Urlaubsbetreuung und Eigentümer muss es eine feste Vertrauensbasis geben, sonst funktioniert alles nicht. Also ist der nächste Schritt der, den Eigentümer des Papageis auch zu mir einzuladen. Er soll sehen, wie ich meine Papageien halte, wo sein Papagei untergebracht wird usw. Er kann dann immer noch entscheiden, ob ich das richtige Urlaubsquartier für seinen Vogel biete.

Diese Besuche bieten auch Gelegenheiten für ein persönliches Gespräch, in dem viel geklärt werden kann und muss. Die erste Frage gilt dem Gesundheitszustand. Nur wenn der Gastpapagei wirklich gesund ist, und auch nicht als "Dauerausscheider" von Krankheitskeimen in Frage kommt, bin ich bereit, ihn auch in Pflege zu nehmen. (Trotzdem wird er bei den täglichen Reinigungs- und Fütteraktionen sicherheitshalber immer der Letzte sein!) Wer also ist z.B. auch der Tierarzt, der den Vogel kennt, und an den ich mich im Bedarfsfall wenden kann? Wir alle wissen, dass Papageien u.U. sehr konservative Vögel sind, und sich nur allmählich umgewöhnen. In einer fremden Umgebung, und dann noch fremdes Futter bedeutet zusätzlichen Stress, also muss die Futterfrage geklärt werden. Schädliches Zeugs wie Schokolade usw. kann man ja (heimlich) weglassen, aber einem Körnerfresser im Urlaub nur Pellets anzubieten, ist m.E. nur Quälerei. Es spricht auch nichts dagegen, wenn der Eigentümer das gewohnte Futter gleich mitliefert.

Fast genauso wichtig wie die Ernährungsfrage, ist die Frage nach dem Charakter des Vogels. Welche Marotten (alle Hauspapageien haben welche!) hat der Papagei? Wenn ich das weiss, werde ich durch ungewöhnliches Verhalten nicht so schnell überrascht und spare u.U. sogar einen überstürzten Tierarztbesuch.

Damit ist schon mal das Wichtigste geklärt, eine Frage ist unangenehm, und wird selten angesprochen: Was ist, wenn dem Eigentümer des Gastpapageis im Urlaub etwas zustösst? Saloppe Antworten wie "Dann ist es Ihrer!" kann ich für mein Teil nicht gelten lassen. Erstens habe ich weder Raum noch Zeit meinen Papageienbestand langfristig zu erweitern, (in dem Fall reden wir ja über Jahrzehnte!), noch ist diese Antwort eine rechtskräftige Aussage. Und woher soll ich wissen, wer in der Verwandtschaft tatsächlich das Recht hat, den Vogel zu übernehmen?

Kenne ich den Eigentümer nur seit kurzer Zeit, i.e. eben seit der "Kontaktanzeige", würde ich einige Vereinbarungen durchaus schriftlich treffen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das ist kein Misstrauensbeweis, es dient der Sicherheit beider Seiten! Viele Pfleger halten eine finanzielle Aufwandsentschädigung für angemessen, - ich würde das auch tun, wenn ich mehr als ca. 10 Vögel in Pflege nehmen müsste. Für mich ist es wichtiger, mal eine neue gefiederte Persönlichkeit und deren Besitzer kennengelernt zu haben.

Abschliessend ein paar Punkte, die man schriftlich vereinbaren sollte:
  • Dauer der Pflege
  • Futterbedingungen
  • Wie wird geregelt, falls dem Gast im Pflegehaushalt etwas zustösst
  • Welcher Tierarzt ist zuständig
  • Was geschieht mit dem Papagei, wenn dem Besitzer etwas zustösst
    (Längere Pflegedauer, evtl. sogar Nachlassregelung!)
  • Nottelefonnummern (Besitzer, Verwandte)
Die Liste läßt sich beliebig erweitern oder kürzen. Sie ist abhängig von der Bekanntschaft und dem Vertrauen beider Parteien.
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H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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