| Einleitung: |
Jeder, der sich mit grösseren oder selteneren Papageien beschäftigt, kennt den
Begriff "CITES", und jeder, der sich auch nur wenig für Naturschutz
interessiert, weiss, was "rote Listen" sind, nämlich Listen von in ihrer
Existenz gefährdeten Arten/Unterarten aus Fauna und Flora. Rote Listen
bilden die Grundlage für CITES, deshalb hier ein Blick darauf, wie sie
zustande kommen. Betrachtet wird hier die rote Liste der Papageien. Da es
sich dabei naturgemäss um eine internationale Liste handelt, dient als
Grundlage die "Red List" der IUCN.
Begriffserklärungen:
- CITES Convention on International Trade in Endangered
Species of Wild Fauna and Flora (salopp: Washingtoner Artenschutzabkommen)
- IUCN The World Conservation Union (früher: Int. Union for
the Conservation of Nature)
- WCMC World Conservation Monitoring Center
- UNEP United Nations Environment Programme
Dies sind zugleich die wichtigsten an der roten Liste beteiligten Institutionen.
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| Grundsätzliches: |
Wie oben schon angedeutet, sind "Rote Liste" und CITES zwei verschiedene Dinge.
Die CITES sind zwar auf der Basis von Roten Listen erstellt worden, haben aber
andere Kriterien, da es sich hierbei um Handelsabkommen handelt, während die
roten Listen eine Bestandsaufnahme der Spezies in freier Wildbahn sind. Daraus
folgt, dass z.B. Papageien, die die Kriterien des Anhang I der CITES erfüllen,
nicht unbedingt auf der Roten Liste stehen müssen. (Beispiel Ara maracana)
Auf der Roten Liste stehen also Arten, deren Bestandsaufnahme ergeben hat, dass
sie in ihrer Existenz gefährdet sind, eben die Arten, von denen man es weiss, oder
zumindest vermutet. Das bedeutet nicht, dass eine nicht gelistete Art nicht gefährdet
sein kann. Im Falle der Papageien sind von ca. 320-330 Species (je nach Systematik)
94 z.Zt. (10/2001) in der Roten Liste erfasst, die "Dunkelziffer" ist unbekannt.
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| Die Kriterien: |
Systematik:
Die Rote Liste bezieht sich immer auf die Art bzw. Unterarten, höhere systematische
Einheiten wie Gattung oder Familie werden nicht berücksichtigt.
Zeitraum:
Eine Bestandsaufnahme über die Existenz einer Art/Unterart und deren mögliche
Gefährdung kann nur über einen grösseren Zeitraum erfolgen, um etwaige
Tendenzen zum Besseren oder Schlechteren erkennen zu können. Die Rote Liste,
auf die ich mich hier beziehe, ist aus dem Jahr 2000, die vorher gültige
aus 1996/1997. Beobachtungen zu Bestandsveränderungen werden nach Jahren oder
Generationsfolgen der Art gerechnet.
Populationen:
Die Population wird als Anzahl der existierenden Individuen einer Art/Unterart
definiert, dabei werden nur erwachsene Tiere berücksichtigt. Die Anzahl wird
entweder durch direkte Zählung, oder auch Einschätzung, hochgerechnet auf die
Anzahl bekannter Individuen in einem bestimmten Areal, festgesetzt.
Verbreitungsraum:
Logischerweise ist der Verbreitungsraum das Areal, in dem alle Individuen einer
Art/Unterart vorkommen. Dabei kann es sich um einen geschlossenen Raum mit
homogenem Vorkommen oder um die Zusammenfassung kleinerer Bereiche, in denen
isolierte Populationen der Art/Unterart vorkommen, handeln. Je nach dem werden
z. Teil unterschiedliche Gefährdungskriterien angewendet.
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| Die Kategorien: |
Entsprechend der oben angewandten Kriterien (und weiterer Bedingungen) gibt es
Arten, die mehr oder weniger gefährdet sind. Es ergibt sich folgendes Beurteilungsschema:

Quelle: www.redlist.org
Die eigentliche Rote Liste finden wir in dem Bereich, der hier rot gekennzeichnet
ist. Die oben schon erwähnte Dunkelziffer findet sich in den Bereichen "unzureichende Daten" und
"nicht untersucht". Eine Art Zwischenkategorie bildet "geringes Risiko", die eine
direkte Bedrohung aufgrund von Artenschutzmassnahmen, noch genügender Individuenzahl etc. ausschliesst.
Konzentrieren wir uns auf die eigentliche Rote Liste, hierbei betrachten wir nur
die Hauptkategorien. Die Begründungen sind eine grobe Zusammenfassung der Vorgaben und
bedeuten, dass eine oder mehrere für die Einstufung ausreichen.
Bedroht (VU):
45 der 94 Papageienarten der Roten Liste fallen in diese Kategorie, weil
- Ihre Population in den letzten 10 Jahren um mehr als 20% geschrumpft ist, und/oder
ein ebensolcher Populationsrückgang für die nächsten 10 Jahre befürchet werden
muss. (Aus unterschiedlichen Gründen.)
- Ihr Verbreitungsgebiet um einen bestimmten Faktor geschrumpft ist, oder sehr
fragmentiert ist, oder entsprechend der Fragmentierung oder der Grösse des
Verbreitungsgebietes die Populationsstärke unter 1000 Individuen liegt.
Gefährdet (EN):
Dies trifft für 34 Papageienarten zu weil
- Ihre Population in den letzten 10 Jahren um über 50% zurückgegangen ist, oder
ein solcher Populationsrückgang in den nächsten 10 jahren erwartet werden muss.
- Ihre Population in den nächsten 5 Jahren oder zwei Generationen (was davon länger dauert)
kontinuierlich um 20% schrumpft.
- Isolierte Vorkommen weniger als 250 Individuen umfassen, oder von der ganzen
Art/Unterart weniger als 250 Individuen existieren.
Vom Aussterben bedroht (CR):
Sind z.Zt. 15 Papageienarten
- Die Population ging in den letzten 10 Jahren oder 3 Generationen (was davon länger dauert)
um über 80% zurück, oder ein solcher Rückgang ist für die nächsten 10 Jahre bzw.
3 Generationen zu befürchten.
- Das von der Art/Unterart bewohnte Gebiet ist kleiner als 100 qkm
- Die Population ist kleiner als 250 Individuen und wird in den nächsten 5 Jahren bzw. zwei
Generationen um über 25% schrumpfen.
- Isolierte Vorkommen umfassen weniger als 50 Individuen
- Die Gesamtpopulation ist kleiner als 50 Individuen
- Die rechnerische Chance für das Aussterben der Art liegt höher als 50% für den
Zeitraum der nächsten 10 Jahre bzw. 3 Generationen.
Beispiel:
Neophema chrysogaster (Gold- oder Orangebauchsittich) ist vom Aussterben bedroht, mit der Begründung,
dass es weniger als 250 Individuen überhaupt gibt, und diese in einer einzigen kontinuierlich
schrumpfenden Population leben.
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| Die Papageien: |
Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle 94 bedrohten Arten mit den entsprechenden
Kriterien aufzulisten, dazu verfolgen Sie bitte den u.a. Link. Ich beschränke mich hier
auf die vom Aussterben bedrohten Arten in Kurzform mit ihrer jeweiligen Tendenz
gegenüber der Roten Liste von 1996/1997.
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Wiss. Bez.
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Dt. Name
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Trend
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1
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Amazona vittata
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Puerto Rico Amazone
|
>
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2
|
Anodorhynchus glaucus
|
Meerblauer Ara
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?
|
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3
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Anodorhynchus leari
|
Lear Ara
|
<
|
|
4
|
Ara glaucogularis
|
Blaulatz- oder Blaukehlara
|
<
|
|
5
|
Cacatua haematuropygia
|
Rotsteiss-Kakadu
|
<
|
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6
|
Cacatua sulphurea
|
Gelbwangenkakadu
|
<
|
|
7
|
Charmosyna diadema
|
Diademzierlori, Neukaledonienlori
|
?
|
|
8
|
Charmosyna toxopei
|
Burulori
|
<
|
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9
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Cyanopsitta spixii
|
Spix Ara
|
=
|
|
10
|
Geopsittacus occidentalis
|
Nachtsittich, Höhlensittich
|
?
|
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11
|
Hapalopsittaca fuertesi
|
Chapmans Zwergamazone
|
<
|
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12
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Neophema chrysogaster
|
Gold- oder Orangebauchsittich
|
<
|
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13
|
Ognorhynchus icterotis
|
Gelbohrsittich
|
<
|
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14
|
Psittacula eques
|
Réunion Sittich
|
>
|
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15
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Strigops habroptilus
|
Kakapo
|
>
|
|
|
Legende
|
besser: >
schlechter: <
gleichbleibend: =
fehlende Information: ?
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Anmerkung:
Spix Ara: die gleichbeibende Tendenz erklärt sich daraus, dass zum Zeitpunkt der
Erfassung das letzte lebende Exemplar noch nicht vermisst war. (Sommer 2000)
Gelbwangenkakadu: Hier sind spezielle, isolierte Populationen gemeint.
Beachtet man, bei wie wenigen Arten ein positiver Trend zu finden ist, kann man erahnen,
wie wenig alle Bemühungen zum Artenschutz greifen. Im übrigen wäre es für die meisten Arten
wohl richtiger, nicht von Aussterben, sondern von Ausrottung zu reden.
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| Schlussbemerkung: |
Mit der oben gemachten Übersicht über die Funktionsweise der Roten Liste sollten
Sie in der Lage sein, die Ergebnisse der Datenbank der IUCN bei www.redlist.org
zu interpretieren. Der folgendende Link startet die Abfrage direkt zu den
"Psittaciformes". Berücksichtigt sind die Kategorien Bedroht (VU),
Gefährdet (EN) und vom Aussterben bedroht (CR)
Das Ergebnis ist in englischer Sprache, und wird in einem gesonderten Browserfenster
angezeigt:
Rote Liste Papageien
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| Quellenverzeichnis: |
Alle Links in Extrafenster
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Zur Homepage: |
Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft
Papageien-Netzwerk
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10/2001
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