Berühmte Ornithologen: John Gould (1804-1881)

Aus den wissenschaftlichen Bezeichnungen der Papageien wissen wir, dass Arten und Unterarten auch Wissenschaftlern gewidmet sein können. Ebenso wird fast immer dahinter der Name und das Jahr des "Erstbeschreibers" angegeben. Ein Beispiel: Nestor notabilis (Gould, 1856) oder Nestor productus (Gould, 1836).
John Gould soll hier etwas näher vorgestellt werden:
John Gould wurde 1804 in der Grafschaft Dorsetshire als Sohn eines Gärtners in England geboren. Sein Hauptberuf war zunächst Tierpräparator. Als wissenschaftlicher Laie gelang es ihm, durch Beobachtung und Erfahrung einen so reichen Kenntnisstand zu erlangen, das er 1843 nach einer Australien-Expedition (1838-1840) zum "Fellow der Royal Society" gewählt wurde.
Bereits kurz nach seiner Heirat im Jahre 1827 erwarb er eine Sammlung von Vogelbälgen aus dem Himalaya, darunter viele Arten, die in Europa bis dahin unbekannt waren. Schon während der Arbeit an der Präparation dieser Bälger stellte sich heraus, dass er ein grosses Talent besass, die Vögel auch künstlerisch darzustellen. Als Präparator bearbeitete er unter anderem auch die Sammlung von Charles Darwin, die dieser von seiner Beagle-Expedition mitbrachte.

1831 erschien der erste Band einer Reihe von Vogelbeschreibungen, die in über 40 Bänden bis 7 Jahre nach seinem Tod fortgesetzt werden sollte. Allen diesen Bänden war gemeinsam, dass sie hervorragende farbige Abbildungen enthielten, die entweder von Gould selbst oder aber nach seinen Entwürfen gezeichnet und gedruckt waren. Unter denen, die Goulds Entwürfe umsetzten finden wir z.B. auch Edward Lear, dessen Namen wir zumindest vom Lear's Ara (Anodorhynchus leari) kennen.

Die nebenstehende Abb. ist aus dem Werk "The birds of Australia" . Printed by R. and J.E. Taylor: Published by the author , London , 1848.
Sie trägt die Bezeichung "Calyptorhynchus Leachii" und wurde von H.C. Richter auf Stein übertragen.
Quelle: Beautiful Birds Hill Ornithology Collection, Cornell University Library


Die exzellenten Darstellungen verlangten allerdings auch nach der damals wohl aufwendigsten Drucktechnik um die Qualität überhaupt umsetzen zu können. Goulds Originalzeichnungen wurden mit speziellen Stiften und Kreide auf Steinplatten übertragen und einzeln von Hand gedruckt. Jeder Druck wurde anschliessend handkoloriert. Derart aufwendige Drucke waren teuer und konnten nur in geringen Stückzahlen hergestellt werden. Nur wenige reiche Leute und Institutionen konnten es sich leisten, die Ausgaben zu abonnieren. Auch heute noch ist diese sog. Lithographie eine Drucktechnik, die aufwendig und teuer ist. Aber in ihrer Qualität für künstlerische Darstellungen ist sie kaum zu übertreffen.

Goulds Einfluss auf die bildmässige Darstellung von wissenschaftlich zu beschreibenden Vögeln hat im 19. Jahrhundert zu einer Kunstform geführt, die bis heute nicht übertroffen worden ist. Eine stilistische Anlehnung an die Zeichnungen Goulds finden wir heute in dem Werk von Joseph M. Forshaw, Parrots of the world.

Von seinen Reisen nach Australien, Asien und dem damaligen Ostindien haben wir heute einige der schönsten Papageiendarstellungen überhaupt. Gould brachte 1840 als erster Wellensittiche nach England, von wo sie dann über Holland auch nach Deutschland kamen. Ein in Nordaustralien beheimateter Prachtfink - Chloebia gouldiae - wurde 1841 von ihm zuerst beschrieben, - die Gouldamadine. Er widmete diesen Vogel in der wissenschaftlichen und allgemeinen Namensgebung seiner Frau ("gouldiae" und "Lady Gould Finch").

Gould starb am 7. Februar 1881 in London.


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Zusammenstellung
H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © Oktober 2000