Festtagsbraten


Die Geschichte der Papageien als Haustiere reicht mindestens bis in die Zeit Alexanders des Grossen. Aber sie haben auch noch andere "Nutzwerte".


"Nur in ihren Heimatländern können selbstredend Papageien auch zum Verspeisen benutzt werden und in dieser Hinsicht werden sie namentlich für die Eingeborenen von Wichtigkeit, die meist, wie es noch in vielen Strecken Amerikas und Australiens der Fall ist, auf den Ertrag ihrer Jagdwerkzeuge angewiesen sind. Schon Columbus fand es auffallend, dass die Bewohner der Antillen statt Hühner Araras und Papageien assen. Auch der Europäer verschmäht in den Tropen Papageien keineswegs, da sie mit Ausnahme der grossen Arten und recht alten Vögeln, sehr gut zu geniessen sind. Das Fleisch der Araras ähnelt dem Rindfleisch, ist aber sehr zähe und kaum geniessbar, wie d'Orbigny1) erfuhr, als er einst gezwungen war, von blauen Araras zu leben. Auch der hochverehrte Prinz zu Neuwied, war, während seines bewegten Forscherlebens in den Urwäldern Brasiliens, zuweilen auf Papageien, als einzige Fleischkost, angewiesen. Nach von Humboldt2) hat S. macao (= Ara macao) ein schwarzes, hartes Fleisch, wird aber häufig gegessen.

So hart und zähe die grossen Araras auch sein mögen, immerhin geben geben sie eine treffliche und nahrhafte Brühe. Papageien mit Reis zubereitet sind daher in Süd-Amerika ein beliebtes Gericht. Junge geben auch einen sehr leckeren Braten. In den Koloniestädten findet man daher Papageien als Wildprett auf dem Markte. Besonders zur Zugzeit werden viele erlegt. Nach Schomburgk3) gelten Pion. menstruus und Maximiliani als Delicatessen. Fermin4) erzählt mit grosser Befriedigung, dass er Papageien in jeder nur erdenklichen Weise zubereitet gekostet habe, sogar wie einst Kaiser Heliogabalus5), Pasteten von ihren Zungen, die übrigens sehr wenig schmackhaft gewesen sein sollen. Wie die Geschichte meldet, setzte der berüchtigte Imperator seinen Gästen neben anderen absonderlichen Speisen auch Pasteten aus Nachtigall-, Papagei- und Flamingozungen vor und soll sogar die zum Kampfspiel bestimmten Löwen mit Papageien und Fasanen gefüttert haben.

In Nord-Amerika wird übrigens Conurus carolinensis (= Conuropsis carolinensis) des Fleisches wegen ebenso verfolgt, wie seine zahlreichen Vettern in Süd-Amerika.

Ebensolchen Geschmack haben die Ansiedler Australiens an Platycercus-Arten gefunden, und Gould6), der öfters an diesen Mahlzeiten theilnahm, rühmt dieselben als sehr delicat. Namentlich soll Pezoporus formosus zarter und saftiger sein als eine Schnepfe. Auch Platycercus flaviventris giebt einen vorzüglichen zarten Braten. Die Trichoglossus-Arten haben dagegen ein zähes Fleisch.

Wie unter den Hühnern das Haselhuhn von Gourmands als das köstlichste gepriesen wird, ebenso scheint unter den Papageien dem seltsamen Stringops (= Strigops) die Palme zu gebühren. Sein weisses, zartes Fleisch soll, wie Haast7) versichert, der vielleicht der einzige Europäer ist, welcher sich überzeugen konnte, eine wirkliche Delicatesse sein. Die Maoris wussten Dies wohl und veranstalteten früher bei Fackellicht nächtliche Jagden auf den Kakapo, wobei gewiss viele dieser interessanten Vögel vertilgt worden sein mögen."

Quelle:
Finsch, Otto: Die Papageien Bd. 1, Seite 76-77, Leiden 1867
(s. auch APN Beitrag 11/2000)
Fussnoten:
1) Alcide Dessalines d'Orbigny, franz. Paläontologe u. Forschungreisender (1802-1857)
2) Alexander von Humboldt, dt. Naturforscher (1769-1859)
3) Sir Robert Hermann Schomburgk, engl. Naturforscher (1804-1865)
4) Philippe Fermin, franz. Geograph (1720-1790)
5) Heliogabalus, röm. Kaiser, regierte 218-222 n.C.
6) John Gould, Ornithologe (1804-1881) s. APN Beitrag 10/2000
7) Sir Julius v. Haast, Botaniker u. Geologe (1822-1887) s. externe Biographie
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Zusammenstellung
H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © Dezember 2000