Berühmte Ornithologen: Otto Finsch (1839-1917)

Spätestens bei den Namen Finschsittich, Finsch's Amazon (Blaukappenamazone), Finsch's Spechtpapagei, Finsch's Parakeet (Burma-Schwarzkopfedelsittich) und anderen wird klar, dass Otto Finsch in der Ornithologie und speziell bei den Papageien eine wichtige Persönlichkeit war. Otto Finsch soll hier näher vorgestellt werden.

Lebenslauf:
8.Aug.1839geboren in Warmbrunn, von Beruf Kaufmann
Amazona finschi
© Thorsten Bönte



ehem. deutsches Kolonialgebiet auf Papua,
der Punkt bezeichnet die ungefähre Lage von Finschhafen
Karte erstellt mit Earthview
1858-59 Balkanreise haupts. zum Studium der bulgarischen Vogelwelt.
Anschl. teilweise als Hauslehrer beschäftigt.
1861 Assistent am niederl. Reichsmuseum für Naturgeschichte in Leiden
1864-1878 Direktor des naturhistor.-ethnolog. Museums Bremen.
1867 Mitglied der dt. Akademie der Naturforscher Leopoldina.
1872 Nordamerikareise
1873 Lapplandreise
1876 Expedition durch Turkestan, Nordwestchina und Hochaltai
in Begleitung von Alfred Brehm (auf Veranlassung des Vereins für deutsche Nordpolarfahrt.)
1879-82 Südseeexpedition
1884-85 Bismarck-Archipel und Neuguinea
1898-1904 Konservator am niederl. Reichsmuseum für Naturgeschichte in Leiden.
1904 Direktor des städt. Museums in Braunschweig
31. Jan. 1917gestorben in Braunschweig
 
Am bekanntesten wurde Finsch als Forschungsagent des Neuguinea-Konsortiums und hatte so auch maßgeblichen Anteil an der Gründung der deutschen Kolonie Kaiser-Wilhelm-Land in Neuguinea. Er ist Gründer der Stadt "Finschhafen" auf Neuguinea (1885), die bis zum Jahre 1918 Sitz der dortigen deutschen Kolonialverwaltung war. Schaut man in die Liste seiner Veröffentlichungen (s.u.), dann sind ethnologische Forschungen ein Schwerpunktthema. Seine ornithologischen Werke entstanden anscheinend eher "so nebenbei", sind aber durchaus von grosser Wichtigkeit. Natürlich soll hier besonderer Bezug auf das Werk "Die Papageien" genommen werden.

Bei diesem Werk handelt es sich um eine umfassende Beschreibung der damals bekannten Papageien, die auf umfangreichen Studien sowohl der Fachliteratur als auch auf eigenen Erkenntnissen basiert. Der erste Band geht ausführlich auf die Papageienkunde ein. Finsch stellt hier die damaligen Erkenntnisse über Lebensweise, Lebensräume, Anatomie, Geistesanlagen und sogar wirtschaftlichen Nutzen zusammen. Band zwei enthält in der Hauptsache Artenbeschreibungen. Tabellen zur Verbreitung, eine anatomische Tafel, Verbreitungskarten und 5 Farbtafeln runden das Werk ab.
 
                 FAMILIA PSITTACIDAE.

Diagnosis: Rostrum aduncum maxilla mobili ceram ostendente.
           Nares in rostri basin insertae.
           Pedes scansorii podotheca granulata.
Subfamilia I. Stringopinae: Habitus stringiformis, facies sub-
                 velata.
    "     II. Plictolophinae: Caput crista varie formata mo-
                 bili erigente.
    "    III. Sittacinae: Cauda longa vel elongata, cunesta
                 vel gradata.
    "     IV. Psittacinae: Cauda brevis vel mediocris recta
                 vel subrotunda
    "      V. Trichoglossinae: Apices linguae papillosi. Ros-
                 trum subcompressum apice maxillae interno laevi
                 (haud crenata), gonate ablique adscendente.
"Wie ich glaube wird man die Überzeugung gewinnen, dass ich mich nicht von einzelnen, auffallend scheinend Eigenthümlichkeiten bestechen liess, sondern mich nach besten Kräfte bemüht habe, alle Charactere, innere wie äussere, ebenso die Lebensweise zu berücksichtigen und erst nach reiflichen Erwägen aller dieser Verhältnisse zur Annahme eines Genus schritt. Zu derartigen Ansichten gelangt man indes nur durch Untersuchungen, wie ich sie seit 4 Jahren machen konnte, wo ich beinah alle bekannten Species, oft in zahlreichen Exemplaren, wiederholt unter den Händen hatte. In diesem ansehnlichen Zeitraume habe ich eine Menge Eintheilungen der Papageien entworfen, die ich indess glücklicher Weise still in meiner Mappe behielt, ehe die hier zu gebende daraus hervorging."

Es muss hier angemerkt werden, dass es sich bei den untersuchten Exemplaren zumeist um ausgestopfte Bälger der Papageienarten gehandelt haben muss, und dass Finsch unmöglich die Lebensweise aller beschriebenen Papageienarten persönlich erforscht haben kann, sondern sich von Fall zu Fall auf wissenschaftliche und andere Quellen verlassen musste. Daher stammt wohl auch die Unsicherheit, die ihn beispielsweise bei der Beschreibung des Timneh-Graupapagei befallen hat:
"Mit innerem Widerstreben führe ich den Ps. timneh als besondere Art auf, denn ich bin vollkommen überzeugt, dass es nur der junge Vogel von Ps. erithacus sein wird, den wir noch gar nicht kennen. ..."
Liest man die Beschreibung weiter, so führt er den Timneh wohl nur deshalb als eigene Art (nicht Rasse!) auf, weil es so in seinen hauptsächlich benutzten Quellen (Levaillant und De Souance) steht. Die komplette Beschreibung des Timneh können Sie als *jpg in einem Extrafenster sehen: Teil 1 und Teil 2
Es würde zu weit führen, hier weitere Artenbeschreibungen aufzulisten, ein Beispiel finden Sie unter SITTACE HYACINTHINA, aus den historischen Dokumenten zu www.bluemacaws.org.

Gemessen an seiner Zeit war es ein grosses Unterfangen, 350 Papageienarten zu beschreiben und dafür eine eigene neue und fundierte Systematik zu entwickeln. Nicht umsonst hat die Erstellung des Werkes, wie Finsch selbst sagt, über vier Jahre gedauert. Viele seiner systematischen Ansätze haben heute noch Gültigkeit. Die allgemeineren Kapitel zur Beschreibung der Anatomie und Wesensart der Papageienvögel haben heute zwar eher historischen Wert, zeigen aber schon den Weg zur modernen Papageienkunde.
Mit diesem Werk hat Otto Finsch eine so bedeutende Arbeit auf dem Gebiet der Papageienforschung geleistet, dass sein Name zurecht in einigen wisssenschaftlichen Namen der Papageien geehrt wird.

Veröffentlichungen:
  • Neuguinea und seine Bewohner. Bremen, 1865
  • Beitrag zur Fauna Centralpolynesiens. - Ornithologie der Viti-, Samoa- und Tangainseln. Halle, 1867
  • Die Papageien, 2 Bde. Leiden. 1867-69
  • Die Vögel Ostafrikas. 1870 (als Mitarbeiter)
  • Reise nach West-Sibirien, Berlin, 1879
  • Samoafahrten. Leipzig, 1888
  • Ethnol. Erfahrungen und Belegstücke aus der Südsee, 3 Bde. Wien, 1888-93
  • Der Dujong. 1901
  • Südseearbeiten. 1914
Ausserdem eine Serie von Beiträgen im Familienblatt "Die Gartenlaube" Jg. 1886 unter dem Titel "Entdeckungsfahrten des deutschen Dampfers Samoa"

Tafel 4, Chrysotis (Amazona) Guatemalae
  Zur Homepage:
Zusammenstellung
H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © Oktober 2000