An einem sonnigen Freitag im Juni 2002 besuchten wir den N.O.P.
(ehemals als "Altenheim für Papageien Stichting" bekannt) in Veldhoven
in Holland, am Waldrand beim Dorf Oerle.
Die Anreise per Auto oder Bahn aus dem Süden Deutschlands (Nürnberg) hätte
viel Zeit in Anspruch genommen, also hätten wir das alles an einem Tag nicht
schaffen können.
Darum beschlossen wir, nach Eindhoven zu fliegen. Vom Flughafen Eindhoven
fuhren wir mit dem Taxi zum 7km entfernten Papageienpark in Veldhoven.
Was uns gleich nach der Ankunft in Holland erstaunte, war, dass weder das
Personal am Info-Schalter am Flughafen noch die Taxifahrer von dem nahegelegenen
Papageienpark gehört hatten.
Der Eintritt zum Park kostet EUR 6,--/Person, Besuchszeiten sind täglich von
10:00 bis 18:00 Uhr.
Die Stiftung N.O.P., die vor 12 Jahren gegründet wurde, beherbergt z. Zt. ca.
2000 Tiere (Papageien und Sittiche, außerdem noch einige endemische Tier- und
Vogelarten).
Ein großer Teil der Papageien und Sittiche ist in riesigen Flugvolieren
(4 große Freiflugvolieren von je 700 qm) untergebracht. Hier haben einige von
ihnen einen Partner (gefunden) und brüten auch - Nistkästen, ausgehöhlte Baumstämme,
Baumstümpfe mit morschem Holz, entwurzelte Bäume, die querbeet liegen etc.
bieten gute Nistmöglichkeiten und sind in (fast) allen großen Flugvolieren vorhanden.
Die Vögel, die entweder flugunfähig oder irgendwie behindert sind, sind in kleineren
Volieren untergebracht, wo sie die Möglichkeit haben, zu klettern und am Boden zu
laufen.
Unsozialiserte Vögel, d. h. Papageien, die vorher nur zu Menschen Kontakt hatten,
auf Menschen geprägt sind und auf Artgenossen ängstlich oder aggressiv reagieren,
erhalten zunächst die Chance, sich einer Gruppe anzuschließen, sich in eine Gruppe
zu integrieren oder einen Partner zu finden. Wenn der Versuch, diese Vögel zu
vergesellschaften, scheitert, werden sie wegen ihres gestörten Verhaltens zu ihrer
und der Sicherheit der anderen Vögel allein in kleineren Außenvolieren untergebracht.
Alle Außenvolieren und Flugvolieren verfügen über einen angeschlossenen Innenraum.
Ob die Innenräume im Winter beheizt werden, entzieht sich unserer Kenntnis.
Jedenfalls gibt es auf dem riesigen N.O.P.-Gelände Baracken (beheizte?), in denen
Papageien, die nicht "winterhart" sind, in Käfigen eingesperrt überwintern -
diese Info konnten wir an der Tür einer dieser "Winterbehausungen" lesen.
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Übrigens, alle Schilder, Informationen und Hinweise im Park sind leider nur in
Holländisch verfasst, so dass man sich als Deutscher ohne Holländisch-Kenntnissen
nach mehrfachem Durchlesen dieser Infos mit etwas Glück höchstens etwas zusammenreimen
kann....
Schade eigentlich, dass sich der Papageienpark nicht auch auf internationalen Besuch
einrichtet!
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Die im N.O.P. untergebrachten Vögel stammen zum größten Teil aus privater Hand -
entweder aus schlechter Haltung oder wenn Menschen ihrer Papageien einfach
überdrüssig geworden sind. Es werden aber auch Vögel im Papageienpark abgegeben,
wenn sich bei den Besitzern Nachwuchs einstellt.
Viele Vögel stammen aber auch von Haltern, die aus Altersgründen ins Alters- oder
Pflegeheim müssen und sich notgedrungen von ihrem Haustier trennen müssen.
Auch konfiszierte Vögel (vom Zoll usw.) sind in der Auffangstation untergebracht.
Was auf jeden Fall erwähnt werden muss, ist , dass die Auffangstation nur von Spenden
finanziert wird. Es ist unglaublich, was allein mit Spendengeldern alles geschaffen
werden kann!!!
Das bedeutet natürlich auch, dass die im Park beschäftigten Personen ehrenamtlich
tätig sind. Der Park sucht daher händeringend nach weiteren freiwilligen Helfern,
da die Arbeiten auf dem riesigen Gelände nie zu Ende gehen.
Die Auffangstation nimmt jederzeit Tiere (Papageien, Sittiche, etc.) auf, gibt
aber keine Tiere ab. Der N.O.P. garantiert dieses schriftlich.
Wir hätten den Papageien und Sittichen stundenlang zuschauen können, wie sie in den
riesigen Flugvolieren (von ca. 700qm) ihre Runden drehten. Es war für uns der
schönste Anblick von Papageien in Gefangenschaft!
Auffallend war dabei, dass viele der Papageien und Sittiche - unabhängig davon,
ob sie in den riesigen Flugvolieren oder in kleineren Außenvolieren lebten -
ans Gitter geflogen kamen, wenn wir davor stehen blieben. Sie neigten dann ihre
Köpfe und stellten ihr Kopfgefieder hoch, damit wir sie durchs Gitter kraulen
konnten. Viele von ihnen plapperten dann drauf los und wenn wir uns vom Gitter
entfernten, schrieen sie verzweifelt hinter uns her.
Uns fiel auch auf, dass eine ganze Reihe von Papageien mehr oder weniger stark
gerupft waren - vermutlich eine alte Gewohnheit....
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Ein Blick hinter die Kulissen...
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Nirgendwo auf dem riesigen Geländer der Auffangstation konnten wir eine
Krankenstation oder so was Ähnliches entdecken, oder zumindest ein Gebäude,
das als solches ausgewiesen wäre. Wir fragten uns natürlich, wo denn die
Quarantäne-Station war und wo denn die kranken Tiere untergebracht waren.
Die Antwort folgte auf den Fuß und war alles andere als erfreulich.
Auf dem Gelände befanden sich einige relativ kleine Baracken, durch deren
Fenster man durchschauen konnte. An den Türen der Baracken stand -
auf Holländisch - "Zutritt nur für Personal..." oder so ähnlich. Wir wollten
natürlich wissen, was sich hinter diesen Mauern verbarg und da sahen wir sie:
die kranken Papageien in kleinen Käfigen untergebracht, 2 Näpfe vor der "Nase"
- einer mit Futter, einer mit Wasser.
Die Räume sahen eher aus wie Abstellräume
oder Rumpelkammern, die Käfige waren in Reih und Glied aneinandergereiht oder
übereinandergestapelt. Dies lässt die Vermutung nahe, dass sich ansteckende
Krankheiten ungehindert auf alle dort untergebrachten Vögel ausbreiten konnten.
Ob die Vögel je nach Krankheitsart getrennt untergebracht waren, wissen wir nicht,
aber wir bezweifeln es - vor allem nach folgendem Vorfall:
Durch das Fenster einer dieser Baracken sahen wir "etwas" Graues aus einem kleinen
Käfig (kleiner Hamsterkäfig oder so ähnlich) heraushängen und gelegentlich leicht
zucken. Wir schauten genauer hin und erkannten einen Graupapagei, der an seiner
Flügelspitze am Käfiggitter stecken geblieben war und an dieser Flügelspitze
hängend nach draußen hing. Das Gitter war aus primitivem scharfen Hasendraht
gefertigt und bedeckte die Front des Käfigs zur Hälfte. Über die andere Hälfte
hing ein Küchentuch, das auf dem Käfig mit einer Dose beschwert war. Der Graue
war offensichtlich an den Rand des kleinen Käfigs (Maße ca.: L=50cm, H=25cm, T=25cm)
getaumelt und unter dem Küchentuch nach draußen gerutscht. Der Käfig war lediglich
mit Zeitungen ausgelegt, auf dem Käfigboden befanden sich noch ein Futter- und
ein Wassernapf.
Wie lange der arme Vogel schon in dieser misslichen Position hing, wissen wir nicht.
Trotz Verbot öffneten wir die Tür - Gott sei Dank war sie nicht abgesperrt! Wir
schauten uns vorher noch um, ob wir jemanden zu Hilfe holen könnten, aber weit
und breit war kein Pflegepersonal in Sicht.
Ich nahm den Grauen vorsichtig in meine Hand und befreite seinen Flügel aus den
scharfkantigen Drahtspitzen. Der Graue fühlte sich schon ziemlich kalt an, er
bewegte sich kaum noch, seine Augen waren halb geschlossen, sein Atem war flach.
Da bemerkte ich auch noch, dass sein Brustbein stark herausragte. Für uns stand
fest: Der Graue war halbtot und kein Mensch da, der ihm helfen konnte oder wollte!
Ich eilte zum Empfang des N.O.P. und flehte die junge Dame an der Kasse an,
Hilfe zu holen, da "ein Unfall passiert" sei, wie ich es ausdrückte, um meiner
Bitte Nachdruck zu verleihen.
Sie eilte zum Verwaltungsgebäude und kam mit einem Tierpfleger zurück, den wir
im Laufe des Tages bei der Fütterung der Störche (mit Eintagesküken) beobachtet
hatten. Ich berichtete ihm auf dem Weg zur betreffenden Baracke, was geschehen
war. Der Tierpfleger hörte mir freundlich lächelnd zu und zeigte mir, bei der
Baracke angekommen, einen Schalter, an dem ein Lichtlein brannte und erklärte,
der "Notrufschalter" sei doch an, mehr könnte das Pflegepersonal nicht tun.
Der Tierarzt müsste, sagte er, auf den Notruf reagieren und sich um den
"Notfall" kümmern. Da es aber inzwischen Freitag Nachmittag war,....
Ich fragt den Pfleger, ob man denn in so einem Fall nicht lieber das Tier
einschläfern könnte, um es nicht länger leiden zu lassen. Als Antwort bekam
ich ein Achselnzucken.
Dann bat ich ihn noch, den Vogel doch wenigstens in einen anderen Käfig
unterzubringen, aus dem er nicht herausfallen könnte - wieder freundliches
Achselzucken. Es lag - da sind wir uns sicher! - nicht am Sprachverständnis,
dass der Mann auf diese Art und Weise reagierte.
Mindestens einen Augenblick lang bereute ich es, den Grauen nicht mitgenommen
zu haben, um ihm in Deutschland von einem auf Vögel spezialisierten Tierarzt
Hilfe zukommen zu lassen. Auch im Nachhinein betrachtet bereue ich es, diesen
Schritt nicht gewagt zu haben, denn ich bin mir sicher, dass A) kein Mensch im
Papageienpark den Vogel vermisst hätte und B) der Vogel an dem Tag (Freitag)
oder gar an dem Wochenende keine Hilfe zuteil worden ist.
Diese Erfahrung hat leider die schönen Eindrücke, die der Park bei uns hinterlassen
hatte, ungemein getrübt. Nüchtern betrachtet könnte man solche "Vorfälle"
folgendermaßen erklären oder rechtfertigen:
In einer Auffangstation mit 2000 Tieren kann nicht das Wohl des einzelnen Tieres im
Vordergrund stehen, es wird vielmehr das Wohl der großen Masse berücksichtigt.
Die "Masse", d. h. die unzähligen glücklich aussehenden Vögel, die es in ihrem
ganzen Leben "hinter Gittern" nie so gut hatten wie in dieser Auffangstation,
könnte vielleicht die "einzelnen" - hoffentlich wenigen! - traurigen Schicksale
rechtfertigen.
Was bei mir auf keinen Fall auf Verständnis stößt, ist die Tatsache, dass für die
kranken Tiere nicht halb soviel Auffand betrieben wird wie für die gesunden.
Kranke Vögel haben bei der Art von Pflege und Unterbringung wenig bis kaum eine
Chance, wieder gesund zu werden, geschweige denn, zu überleben. Bei der großen
Zahl von Tieren im Park spielt dies aber sicherlich keine Rolle, deshalb wird
eben an diesen kranken, armen Geschöpfen gespart. Die Erklärung liegt auf der Hand:
Das Besucherpublikum, das letztendlich den N.O.P finanziert, will keine kranken,
unglücklichen Tiere sehen und mitleiden (müssen)! Der Besucher will sich am Anblick
der Tiere erfreuen, er will im Papageienpark einige schöne Stunden verbringen
und nicht mit Problemen konfrontiert werden. Ergo, wer das Geld bringt,
hat das Sagen!
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Fazit
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Es ist ein wunderschöner Anblick, den Papageien in den riesigen Freiflugvolieren,
wo sie viel Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten haben, zuzusehen. Diese
Auffangstation ist der Beweis, dass Papageien auch in Gefangenschaft ein schönes
"artgerechtes" Leben führen können. Es ist faszinierend, die Sittiche und Papageien
über längere Strecken fliegen zu sehen - fast wie in der Freiheit, in der Natur.
So betrachtet könnte man meinen, es wäre es keine so schlechte Idee, seine
Papageien in dieser Auffangstation unterzubringen, wenn man mal nicht mehr in der
Lage ist, für sie zu sorgen. Aber nach dem Blick hinter die Kulissen der
Auffangstation haben wir persönlich von dieser Idee recht schnell Abstand genommen.
Für diejenigen, die den Park auch besuchen wollen, hier die Anschrift:
Stichting N.O.P.; Wintelresedijk 51; 5507 PP Veldhoven -
http://www.papegaai.org/
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Zur Homepage: |
Bericht und Fotos: Michaela Theiss
Adaption für das WWW: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft
Papageien-Netzwerk
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© 10/2002
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