Erlebnisse in Costa Rica
Ein Reisebericht von Stefan Mederer und Marion Wiegel
Einleitung:

Costa Rica
 
Costa Rica liegt in Mittelamerika zwischen Nicaragua und Panama und grenzt im Osten an das karibische Meer und im Westen an den Pazifik. Das Land ist von Vulkanen durchzogen und hat durch die verschiedenen Höhenlagen unterschiedlichste Klimazonen. Diese reichen von Trockengebieten im Norden und gemäßigten Zonen im Zentraltal über Nebenwälder in den Bergen bis zum tropischen Regenwald in den Küstengebieten. Costa Rica gilt als die Schweiz Südamerikas und hat eine Vorreiterrolle im Naturschutz.

Unsere Reise führte uns an die pazifische Seite im Süden des Landes nach Puntarenas genauer Pavones. Nach einer 26-stündigen Reise kamen wir in der Hauptstadt San Jose an und quartierten uns in Alajuela, einer Stadt ca. 16 km von San Jose, in einem sehr schönen und gut geführten Guesthouse ein. Die Pension „Margaretas Guesthouse“ ist für alle Costa Rica-Reisenden als Ausgangspunkt sehr zu empfehlen. Nur 15 Gehminuten entfernt liegt die Zuchtstation „Amigos de las Aves“. Dies ist eine gemeinnützige Einrichtig mit dem Ziel die bedrohten Ara-Arten von Costa Rica zu schützen. Sie wird seit 1992 von Richard und Margot Frisius unterhalten, einem amerikanisch / deutschen Ehepaar die ihre Ara-Nachzuchten in ihr natürliches Habitat auswildern. Die Bestände der freilebenden Aras sind drastisch zurückgegangen und erholen sich aufgrund dieser Maßnahmen nur langsam.

Exkurs: In Costa Rica kommen zwei Ara-Arten vor: Der große Soldatenara (Ara ambigua), der nur noch in wenigen Gebieten im Norden und der Karibikküste beheimatet ist und den Hellroten Ara (Ara macao) der auf den Halbinseln und in wenigen kleinen Gebieten auf der Pazifikseite vorkommt.
Reisetagebuch
Am ersten Morgen führte unser Ausflug dann auch zur Zuchtstation. Als wir von Margot Frisius mit schwäbischen Dialekt begrüßt wurden waren wir etwas überrascht. In ihrem Haus sind in einem wunderschön bepflanzten Atrium verschiedene Papageienarten und Tukane untergebracht. Diese sind z.T. aufgenommene oder aus Beschlagnahmungen stammende Vögel. Direkt hinter dem Haus sind mehrere Großvolieren mit Hellroten-, Gelbbrust- und Hyazintharas die sich perfekt in den baumbewachsenen Hang einfügen. Richard zeigte uns stolz Hyazintharababys die nur einige Tage vor unserem Besuch geschlüpft waren.


Zuchtanlage "Amigos de las Aves"
 


Soldatenaras in der Zuchtanlage
 
Anschließend besichtigten wir die Zuchtanlage auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort standen auf dem weitläufigen Gelände große Volierenanlagen mit Hellroten Aras (Ara macao) und Großen Soldatenaras (Ara ambigua). In großzügigen Gemeinschaftsvolieren können die Jungvögel fliegen lernen und sich in der Gruppe sozialisieren. Weiterhin gab es auch noch Volieren mit Gelbnackenamazonen (Amazona o. auorpalliata) und Salvin-Amazonen (Amazona autumnalis salvini) sowie mit Finschsittichen (Aratinga finschi). Insgesamt gehören zum Bestand der „Amigos de las Aves“ ungefähr 200 Vögel. Von den Soldatenaras gibt es erfreulicherweise über 50 Tiere. Dies ist evtl. der größte Bestand in einer Zuchtanlage weltweit wie uns das Ehepaar Frisius mitteilte.

Die jungen Hellroten Aras werden im Alter von 2-3 Jahren ausgewildert. Dazu kommen sie im Süden von Costa Rica bei Punta Banco in Auswilderungsvolieren. Der Menschenkontakt wird minimiert und die Papageien an das dort vorkommende Futter gewöhnt. Die Tiere werden in Gruppen von 10 – 12 Vögeln ausgewildert. Zu Beginn dieses Projekts gab es Probleme seitens der Regierung. Die Genehmigung der Auswilderung dauerte 3 Jahre da Bedenken wegen möglicher Krankheitseinschleppung bestanden.

Die Zuchtstation hat 7 Angestellte und freiwillige Helfer. Es werden Stellen für Volunteers angeboten welche dort in vielfältiger Weise helfen können. Die Kosten der Anlage belaufen sich laut Auskunft auf 2.000,- $ monatlich. Von der Regierung bekommen sie keine Unterstützung und sind auf private Sponsoren und o.g. freiwillige Helfer angewiesen. Mehr Informationen zu „Amigos de las Aves“ sind auch hier zu lesen: www.hatchedtoflyfree.org




Gelbnackenamazone im Zoo Ave
 

Ara-Zuchtanlage im Zoo Ave

 

Finschsittiche in San Jose
 
Am nächsten Tag besuchten wir den Zoo Ave in Alajuela (www.zooave.org). Es ist ein hervorragend angelegter Zoo mit sehr schöner Bepflanzung, hohen Bäumen und Palmen. Die gesamte Anlage ist sehr sauber und die Volieren und Tiergehege sind großzügig gestaltet. Schon beim Eingang waren Aufklärungsschilder zu sehen die darauf aufmerksam machten dass man keine wildgefangenen Papageienbabys erwerben soll. In Sachen Aufklärung ist dieser Zoo nicht nur für mittelamerikanische Verhältnisse absolut vorbildlich. Es wird viel Propaganda gegen Wildfänge und Wildentnahmen von Papageien gemacht: Poster, Plakate, Malbücher, Videos und Kinderfilme. Am Rande des Parkplatzes lagen ringsum plattgewalzte Vogelkäfige. Im Zoo sind immer wieder Aufklärungsschilder über verschiedene Tierarten und deren Bedrohung zu sehen.

Der Tiergarten beherbergte u.a. Hellrote-, Soldaten- und Gelbbrustaras, Gelbnacken- und Gelbwangen-, Müller-, Weißstirn- und Venezuelaamazonen, Schwarzohrpapageien verschiedene Aratingaarten, Wellen- und Nymphensittiche. Neben den Papageien konnten wir noch Pfaue, Greifvögel, verschiedene Affenarten, Schildkröten, Krokodile und etliche andere Tierarten sehen.

In einem Bereich des Zoos hörten wir Ara-Rufe hinter einer hohen Wand. Wir trafen einen Angestellten der uns erklärte dass es dort, wie von uns schon vermutet, ein Zuchtzentrum befindet. Nachdem unsere Bekannte Inge den Tierpfleger etwas beredet hatte ging er mit uns hinter die Kulissen und ließ uns einen Blick auf die Anlage werfen.

Dort lebten 24 Soldatenaras und ungefähr ebenso viele hellrote Aras. In den Volieren waren überall Brutpaare, wobei uns die Soldatenaras durch Drohgebärden deutlich zeigten, dass sie nicht gestört werden wollten. Weiterhin gab es zwei sehr große und hohe Volieren für die Jungvögel. Der Tierpfleger teilte uns mit, dass die Hellroten Aras hier auch im Alter von 2 Jahren ausgewildert werden. Wir waren sehr positiv überrascht über das Engagement für die Papageien welches wir in dieser kurzen Zeit erfahren haben.

Am Spätnachmittag machten wir noch einen Ausflug in die Innenstadt von San Jose. Als wir auf einem Parkplatz das Auto abgestellt hatten, sahen wir auf einem Baum neben einer 7-spurigen vielbefahrenen Straße ca. 20 Finschsittiche. Freudig überrascht die ersten freilebenden Papageien zu sehen, filmten und fotografierten wir die Vögel und schenkten den Ausführungen unserer Reisebegleiter über die Sehenswürdigkeiten von San Jose leider wenig Beachtung.




Salvinamazonen in Palmar Norte
 
Am nächsten Tag brachen wir auf um uns auf den Weg nach Pavones zu machen. Unsere Route führte uns auf der Panamericana unter anderem über den Paso de la muerte der auf einer Höhe von 3300 Metern das Gebirge überwindet. Die Fahrt zog sich sehr lange hin. Unsere ersten freilebenden Amazonen sahen wir beim Tanken in Palmar Norte. Neben der Tankstelle stand ein Baum direkt an der vielbefahrenen Panamericana auf dem 6 Salvinamazonen saßen. Wir konnten sie relativ nahe beobachten, sie ließen sich weder von uns noch von vorbeifahrenden LKWs stören. Bei der Weiterfahrt sahen wir eine andere Gruppe aus 6 Tieren in der Abenddämmerung fliegen. Wir übernachteten in Paso Canoas, einer Stadt an der Grenze von Panama.

Von Paso Canoas aus ging die Fahrt weiter nach Pavones. Bei einem Stop unterwegs hörten wir in den Bäumen Tovisittiche (Brotogeris jugularis) schnattern. Entlang unserer Route sahen wir große Plantagen mit Ölpalmen. Irgendwann hörte dann die geteerte Straße auf und der Weg ging auf einer Schotterstraße weiter. Die Straße wurde mit der Zeit immer schlechter. Nach einigen Kilometern ging es dann bergauf in Richtung zur Farm unserer Gastgeberin. Es regnete und die Straße war sehr schlammig. Mit Allradantrieb konnten wir mit dem Auto bis zum Haus eines Nachbarn fahren, ein Einheimischer namens Carlos, welcher bei Inge arbeitet, dann war der Weg mit dem Auto zu Ende. Die restliche Strecke zur Farm konnte bei Regen nur zu Fuß oder mit dem Pferd erreicht werden. Also wurde das Gepäck von Carlos Sohn umgeladen und per Pferd weitertransportiert.

Bei der kurzen Rast im Haus von Carlos und seiner Familie, bemerkten wir einige Tovisittiche die über das Gelände flogen und hörten in der Ferne Amazonen rufen. Wir schulterten unsere Rucksäcke und ging bzw. schlitterten zu Fuß weiter. Unterwegs sahen wir in der Ferne noch Amazonen fliegen und auf einem kahlen Baum zwei Amazonen sitzen. Nach ca. 30 Minuten Marsch kamen wir endlich an unserem Ziel an.

Rund um die Farm ist ein wunderschön angelegter Garten, von wo aus man eine herrliche Aussicht über die mit Urwald bewachsenen Hügel bis zum Meer hat. Vor dem Haus hatte Inge eine Voliere mit Wellensittichen, Tovisittichen und Wachteln angelegt. Allerdings da die Farm abseits aller Zivilisation liegt, gibt es kein warmes Wasser und Strom nur sehr begrenzt durch Solarzellen auf dem Dach.


Am nächsten Tag machten wir eine Tour zusammen mit Carlos. Durch den Garten, dann über ein Feld und dann das erste Mal in den Regenwald hinein. Dabei sahen wir einen Swainsontukan (Ramphastos swainsonii)


Swainsontukan
 
und Totenkopfäffchen. Es war faszinierend die wunderschöne Natur zu sehen. Auf dem Rückweg unserer Tour führte und Carlos allerdings einen anderen Weg durch einen Bach wieder hoch. Die Steine im Bach waren alle sehr glatt und rutschig - wir mussten ständig aufpassen nicht hinzufallen. Es war sehr anstrengend und teilweise auch gefährlich. Wir wateten durchs Wasser und der Schweiß lief in Strömen. Unsere Kleidung war von oben bis unten nass. Als es an einem Wasserfall nicht mehr weiterging kletterten wir die Böschung wieder hoch und kamen wieder in den Regenwald.


Tour durch den Bach
 
Als wir am Spätnachmittag noch mal einen Ausflug machten um nach Papageien zu suchen begegneten wir statt dessen einer ca. 1,50 langen Schlage die unseren Weg kreuzte kaum dass wir die Farm verlassen hatten.



Salvinamazone bei der Farm
 
Am nächsten Morgen konnten wir in den Bäumen hinter dem Haus Amazonen und sogar einen Schwarzohrpapagei (Pionus menstruus) beobachten. Diesmal war ein Ausflug mit Inges anderem Arbeiter Macho angesagt. Unterwegs sahen wir Tovisittiche und Schwarzohrpapageien fliegen. Im Dschungel entdeckten wir eine Horde Kapuzineraffen. Der Rückweg ging einen steilen Hang abwärts durch den Regenwald. Wieder bei der Farm angekommen, entdeckten wir hinter dem Haus ein Pärchen Buntkopfspechte (Melanerpes chrysauchen). In der Ferne konnten wir Brüllaffen hören. An diesem Tag sollte es um 16.10 Uhr eine Sonnenfinsternis geben. Also machten wir es uns auf der Farm gemütlich um dieses Ereignis zu erleben. Langsam wurde es auch dämmrig. Leider verpassten wir den Moment der Sonnenfinsternis trotzdem, da ein paar Hühner in den inneren Garten kamen. Die Schäferhunde dachten dies sei ihr vorzeitiges Abendessen, wir mussten durch den Garten rennen und die Hühner vor den Hunden retten. Bis wir alle voneinander getrennt hatten war die Sonnenfinsternis vorbei. Nur komisch dass es am nächsten Tag dann Suppenhuhn gab...




Die Pazifikküste

 

Brüllaffe mit Jungtier
 
Tags darauf stand ein Ausflug zum Strand und der Auswilderungsstation im Süden an. Das Meer und die tropische Vegetation an der Küste waren ein herrlicher Anblick und am Himmel konnten wir einen Formationsflug der Pelikane beobachten. Die Auswilderungsstation liegt auf einem schwer zu erreichendem Berg und ist für Besucher nicht zugänglich, da die Vögel keinen Menschenkontakt haben sollen.

Die Betreuerin der Papageien nahm uns aber auf den Weg zur Auswilderungsvoliere mit und wollte uns unterwegs eine Stelle zeigen an der wir evtl. freifliegende Aras sehen können. Wieder einmal ging es steil bergauf und nach wenigen Minuten waren wir nass geschwitzt. Nach ca. 20 Minuten Marsch sagte sie uns, dass wir an dieser Stelle des Weges bleiben sollen, hier könnten wir möglicherweise Aras sehen, die noch zu den Futterplätzen zurückkehren.

Zunächst sahen wir allerdings Kapuzineraffen und ganz in der Nähe sogar eine Horde Brüllaffen. Dann hörten wir aus einiger Entfernung Ara-Rufe. Wir gingen den Weg noch etwas höher und als wir durch die Äste spähten entdeckten wir in einem Baum 2 Hellrote Aras. Diese wunderschönen Tiere endlich in Freiheit zu sehen war ein erhebender Moment. Kurz darauf sahen wir 4 Aras über uns hinweg fliegen und danach noch mal eine Vierer-Gruppe.

Weiter oben hörten wir die Aras von der Station und im Wald rief auch noch ein Ara. Als wir nach diesem suchten konnten wir ihn wegfliegen sehen. Als wir uns langsam wieder auf den Rückweg machten sahen wir nochmals eine Dreiergruppe Aras und hörten entfernt Papageienrufe, vermutlich von Schwarzohrpapageien.



Am nächsten Tag machten wir einen Ausritt mit Macho. Morgens um 6.30 Uhr ging es los. Zunächst war der Weg noch sehr gut und wir ritten gemütlich los. Unterwegs sahen wir eine Amazone bei ihrem Morgenkonzert. Dann verließen wir den Weg und ritten auf einem Pfad durch den Regenwald einen Berg hoch. Einige Male mussten wir absteigen und die Pferde führen weil der Pfad zu steil und zu matschig war.


Reitausflug mit Hindernissen
 
Der Weg durch den Dschungel war unglaublich, es ging ständig bergauf und bergab, die Pferde stiegen über hohe Baumwurzeln und fast immer nur Matsch. Der Weg war sehr schmal, jedoch die Pferde waren sehr geschickt und fanden ihren Weg. Streckenweise musste Macho den Weg mit der Machete freischlagen und wir mussten auf herabhängende Äste aufpassen. Einmal ging der Weg an einer Schlucht entlang. Ein falscher Tritt und wir wären 50 Meter in die Tiefe gestürzt. Trotz allem genossen wir den Ausritt und manchmal hatten wir einen herrlichen Ausblick über den Wald und die Hügel, wo die Wolken noch in den Bergen hingen.

Als wir wieder zurück ritten zeigte uns Macho noch zwei Brutbäume von Amazonen, leider kamen wir einige Wochen zu spät – es waren keine Vögel mehr da. Da es inzwischen geregnet hatte war der Weg extrem matschig und die Pferde rutschten sehr. Ein Teil der Strecke war sehr schlimm, es ging fast ständig abwärts und die Pferde rutschten den buckligen, unebenen Weg hinunter. Ein Stück wichen wir durch den Regenwald aus. Macho ritt voraus und schlug den Weg frei und wir mussten zusätzlich auf die Äste und Zweige aufpassen während die Pferde den Berg hinabschlitterten. Als wir wieder festen Boden unter den Hufen hatten und uns wieder auf die Umgebung konzentrieren konnten bemerkten wir noch einen Baum in dem ein großer Schwarm Tovisittiche saß. Trotz aller Strapazen war es ein toller und unvergesslicher Ausflug.



Die nächsten Tage verbrachten wir auf der Farm und machten nur kleinere Touren um die Vogelwelt zu beobachten. Wir konnten wieder Amazonen beobachten, sahen auch Tukane, Geier, verschiedene Greifvögel, eine Scharlachtangare (Piranga olivacea), sowie einen Rotschnabel-Tropikvogel (Phaethon aethereus) welcher eine drachenähnliche Silhouette hat.


Ara in Puerto Jimenez

 

Ara beim Fressen einer Mandel
 
Unser nächster Ausflug ging auf die Halbinsel Osa. Mit einer „Nussschale“ fuhren wir beide, Inge und eine Freundin 1 ½ Stunden über das Meer nach Puerto Jimenez. Schon bei der Ankunft sahen wir einige Aras fliegen. Umso eiliger hatten wir es dann vom Boot zu kommen. Wir gingen vom Hafen in den Ort zu einer Reihe Mandelbäume an einem Fußballfeld. Dort sahen wir ca. 25 – 30 Hellrote Aras. Wir waren von dem Anblick überwältigt diese herrlichen Vögel so nahe und direkt in der Stadt zu sehen. Ein kurzer Abstecher in ein Internet-Cafe musste natürlich auch sein wenn wir schon mal in der Zivilisation waren. Später beobachteten wir noch lange Zeit die Aras. Nachmittags brachten wir unsere Mitreisenden wieder zurück zum Boot, wir blieben noch zwei Tage in Puerto Jimenez.

Mit einer Gruppe Einheimischer gingen wir in die Mangrovensümpfe und entdeckten dort eine Gruppe Kaimane und eine Kolonie Wasservögel. Unterwegs sahen wir auch einige Rosa Löffler (Ajaia ajaja) die in den Ebbetümpeln nach Beute schnäbelten. Am nächsten Tag konnten wir wieder die Aras bei den Mandelbäumen beobachten, auch ein großer Leguan war zu entdecken. Es war sehr heiß und wir schwitzten ständig. Nachmittags gingen wir daher im Meer baden. Der Pazifik war sehr warm, bei dieser Badenwannentemperatur war keine Erfrischung möglich.

Vom Meer aus hatten wir einen schönen Blick auf die tropische Küste und konnten einen kleinen Schwarm Aras fliegen sehen. Die Aras waren eher morgens und tagsüber zu beobachten, abends waren sie verschwunden. Ab ca. 17 Uhr sammelten sich die Tovisittiche in ihrem Schlafbaum. Amazonen sahen wir tagsüber fast gar nicht. Sie waren erst ziemlich spät zu sehen, ab ca. 17.30 Uhr bis es dunkel wurde. Sie sammelten sich in einem Baum in der Nähe unserer Pension und flogen dann weiter in Richtung der Mangrovensümpfe. Es waren ca. 50 – 60 Tiere zu sehen, wir waren beeindruckt so viele Amazonen auf einmal zu sehen.

Am letzten Morgen auf der Halbinsel beobachteten wir morgens wieder die Aras. Später machten wir noch einen Ausflug in die Mangroven zu den Kaimanen. Dabei sahen wir auch Schneesichler (Eudocimus albus), Schmuckreiher (Egretta thula) und Kuhreiher (Bubulcus ibis). Dort hörten wir dann auch Papageienrufe. Wir gingen in die Richtung aus der die Rufe kamen zur Parrot Bay Lodge und konnten im Baum Finschsittiche sehen. An einem Baum in der Nähe kletterte auch eine dünne, grüne, ca. 1 m lange Schlange hoch. Zurück im Ort beobachteten wir wieder die Aras und neben uns im Baum saß ein kleiner Greifvogel, eine Doppelzahnweih (Harpagus bidentatus). Mittags wurden wir wieder mit dem Boot abgeholt. Ansonsten große Freude auf der Farm: Eine Kuh hatte ein Kälbchen geboren, welches den Namen Stefan bekam.


Der nächste Tag war Tag des Skorpions und Rettung der Wellensittiche: Fast jedes Mal an diesem Tag als wir ein Handtuch oder ein Geschirrtuch in die Hand nahmen war ein Skorpion darin. Daraufhin kontrollierten wir sämtliche Textilien noch gründlicher auf etwaige Fremdbewohner.

In der Voliere hatte ein Pärchen Wellensittiche Junge in einem Bambusrohr. Carlos entdeckte Maden in der Nisthöhle, also musste es aufgesägt werden. Wir holten die Kleinen raus, reinigten die Nisthöhle und setzten sie dann wieder in das provisorisch zusammengebaute Bambusrohr hinein. Die kleinen Sittiche waren kurz vor dem Ausfliegen und waren sehr niedlich. Die Vogeleltern waren froh als sie ihre Kinder wieder zurück hatten und flogen kurz darauf wieder in die Höhle zum füttern.

Abends machten wir noch einen Ausflug zum Bach. Bei einem Wasserfall hatten sich zwei kleine Seen gebildet. Es war sehr idyllisch nur den Felsen hochzuklettern war sehr schwierig. Am Bach entdeckten wir dann auch rote Pfeilgiftfrösche (Dendrobates pumilio).


Roter Pfeilgiftfrosch



Die nächsten Tage verbrachten wir auf der Farm, erholten uns etwas und gingen immer wieder auf Vogelpirsch. Fast täglich sahen wir Salvin- und Mülleramazonen, weiterhin konnten wir folgende Vogelarten beobachten: Langschwanzeremit (Phaethornis superciliosus) und verschiedene andere Kolibriarten, Wegebussard (Buteo magnirostris), Kappentityras (Tityra inquisitor) bei der Suche nach einer Nisthöhle, Passerinitangaren (Ramphocelus passerini), Rosttäubchen (Columbina talpacoti), Grünfischer (Chloroceryle americana).

Langsam mussten wir uns aber wieder auf den Weg zurück nach San Jose machen. Inge fuhr uns zurück nach Paso Canoas. Dort konnten wir es uns nicht verkneifen die Grenze illegal zu überqueren um mal kurz in Panama ins Internet-Cafe zu schauen. Nachmittags setzte dann ein heftiger Regen ein, wir hatten unseren ersten Vorgeschmack eines tropischen Regens.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus von Paso Canoas nach San Jose. Die Fahrt dauerte ca. 7 Stunden. Als wir abends ankamen fuhren wir mit dem Taxi noch zu Margaretha´s Pension. Sie freute sich uns wieder zu sehen. In der Pension waren noch zwei Volontäre untergebracht, eine Dänin und eine Deutsche namens Miriam. Sie berichtete uns dass sie hier auf Sprachreise ist, wobei sie u.a. einen Monat bei gemeinnützigen Projekten mitarbeitet.

Wie wir erfuhren arbeitet sie nun bei der Papageienzuchtstation „Amigos de las Aves“. Weiterhin war noch ein junger Biologe in der Pension der sonst bei der Auswilderungsstation arbeitet. Er erzählte uns dass es in Costa Rica 3 Auswilderungsstationen gibt. Eine im Norden und eine im Süden, die dritte Station ist zur Zeit inaktiv. Er arbeitet bei der südlichen Station welche wir auch besucht hatten. Das Abendessen verlief recht amüsant, da wir versuchten uns in 3 verschiedenen Sprachen zu verständigen. Unseren Appetit störte das nicht, Margaretas Essen wir wie immer hervorragend.

Am vorletzten Tag besuchten wir noch eine Schlangenfarm in der wir alle einheimische Schlangenarten sahen aber auch Schlangen aus aller Welt präsentiert wurden. Sie hatten die echte, sehr giftige und die ungiftige falsche Korallenschlange. Letztere durften wir anfassen und auf den Arm nehmen. Wir sahen auch die Terciopelo (dt. Lanzenotter / Bothrops asper) die in Costa Rica sehr gefürchtet ist. Ansonsten gehörten noch Krokodile, Kaimane und Leguane zu den Bewohnern des kleinen Reptilienzoos. Unterhalb der Schlangenfarm entdeckten wir ein Gehege mit einem Ozelot und hörten immer wieder eine Amazone sprechen. Leider war dieses Gelände nicht zugänglich.

Der letzte Tag war angebrochen. Wir packten und verabschiedeten uns wehmütig von Margareta und auch von Costa Rica. Die ganze Reise war ein absoluter Traum für Liebhaber von Papageien.


 
 
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Text und Fotos: © S. Mederer u. M. Wiegel
Adaption WWW: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  08/2005