| Einleitung: Conrad Gesner |
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Conrad Gesner wurde 1516 als Sohn armer Eltern in Zürich geboren.
Nach dem Tode seines Vaters (1531) studierte er in Strassburg hebräisch.
Danach schickte man ihn auf Kosten des Rates der Stadt Zürich nach
Frankreich,
um dort "humanioribus" zu studieren. Im Alter von 19 Jahren
heiratete er in Zürich und wurde erneut mit einem Stipendium der Stadt
nach Basel gesandt, um dort Medizin zu studieren.
Nach Abschluss des Studiums berief ihn die Universität Lausanne
zum Professer der griechischen Sprache. Anschliessend, ca. 1541,
besetzte er in seiner Heimat die Professur für Medizin,
allg. Naturwissenschaften
und Ethik, die er 24 Jahre lang bis zu seinem Tod behalten sollte.
Am 13. Dezember 1565 starb Gesner wahrscheinlich an der Pest, die
damals in Zürich wütete.
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Gesner war einer der Universalgelehrten seiner Zeit. Ungemein belesen und arbeitsam.
Er musste sich seinen Lebensunterhalt zum Teil durch Veröffentlichungen
verdienen, so dass die Liste der von ihm geschriebenen Bücher sehr lang, und auch
thematisch vielfältig ist. Allerdings fehlte ihm, wie er in seiner
Bibliotheca universalis selbst zugab, oft die Zeit, genauere
Recherchen für seine Publikationen zu betreiben. hervorzuheben ist
aber auch sein
Briefwechsel mit anderen gelehrten Zeitgenossen, z.B. Aldrovandus und Turner,
die ihn auch mit vielen Informationen unterstützt haben.
Eines seiner herausragensten Werke ist die Bibliotheca universalis (1545)
in der er versuchte, alle zu seiner Zeit existierenden Bücher nicht nur
aufzulisten, sondern sie auch nach einem System von ca. 20 Sachgruppen zu ordnen.
Zu diesem Zweck besuchte er viele der grössten Bibliotheken des europäischen
Kontinentes. Die Bibliotheca universalis brachte ihm auch die Bezeichnung
"Vater der Bibliographie" ein, war es doch das erste Mal, dass Bücher Verlags- und
Bibliotheksübergreifend verzeichnet wurden. Interessanterweise enthält dieses
Werk bereits einen Hinweis auf die später erscheinende "Historia animalium"
sozusagen als Vorankündigung.
Die "Historia animalium" ist das zweite und bei weitem berühmtere herausragende Werk
Gesners. In vier Bänden unternimmt Gesner den Versuch, alle seinerzeit
bekannten Lebewesen zu beschreiben. Dieses Werk enthält "Lib.I: De quadrupedis vivparis" (1551)
"Lib.II: De quadrupedis oviparis" (1554) "Lib. III: De Avium natura" (1555) sowie
"Lib. IIII: De piscium et aquitalium animantium natura" (1558).
Alle vier Bände erschienen bei Froschauer in Zürich,
einem damals europaweit berühmten Verlag. In loser Folge erscheinen
auch Bücher über andere Tierarten "De serpens" usw., die aber nicht
zur Historia gehören. Die "Historia animalium" wird ein so
grundlegendes Werk, dass es auch nach dem Tode Gesners über 100 Jahre lang
in vielen Neuauflagen erscheint,
die dann auch durch das sich im Laufe der Zeit entwickelnde Interesse an den
Naturwissenschaften wieder und wieder verändert und erweitert worden sind.
Im Folgenden soll auf die Beschreibungen der Papageien eingegangen werden. Die dabei
zugrunde liegenden Ausgaben von "de avium natura" 1555 und dem "Vollkommenen Vogelbuch" 1669
zeigen deutlich die Entwicklung des Werkes.
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| "De avium natura" von 1555 |
In seinem Vorwort zum "Vogelbuch" schreibt Gesner, dass es neben der möglichst vollständigen
Auflistung und Beschreibung aller bekannten Vögel ein Hauptanliegen war, zu jedem auch
alle bekannten unterschiedlichen Bezeichnungen aufzulisten.
Das Vogelbuch enthält daher neben den üblichen Widmungen
10 alphabetische Register über die Namen der Vögel.
"Psittacus torque miniato", Originalausgabe von 1555
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Doch zu den Papageien: Die Beschreibung der Papageien bei Gesner ist eine
Zusammenstellung
von Zitaten vieler Berichte. Meistens sind sie aber marginal, und
Gesner überprüft nicht, ob
das, was er zitiert, nicht schon selbst ein Zitat ist. Viele seiner Quellen zitieren eigentlich
selbst wieder andere. So kann man hier im lateinischen Text die Redewendungen und Begriffe
aus dem alten Originaltext von G. Plinius dem älteren immer wieder und wieder finden, die Aussagen
werden aber anderen zugeschrieben.
Gesner beginnt seine Beschreibung der Papageien mit der Auflistung der Namen, soll heissen,
wie die Gattung der Papageien in den unterschiedlichen Ländern bezeichnet wird. (Diese
Methodik findet sich noch in ähnlicher Form bis in das 19. Jahrh.
verbreitet, s. z.B.
Mivart: "Loriidae" oder Finsch: "Die Papageien".) Anschliessend leitet
er über, die Herkunftsländer zu nennen, um dabei auch Kurzbeschreibungen
zu geben, die allerdings
sehr allgemein gehalten sind. Nicht nur verschiedene Orte in Indien,
auch Äthiopien, der Senegal,
Brasilien und die Hispaniolischen Inseln (er zitiert C. Columbus)
werden als Herkunftsländer
genannt. Sinngemäss übersetzt: "In Senega bei den Nigriten gibt es
dreifarbige Papageien,
hellgrau, grün und bläulich ..." - oder:
"Auf den Hispaniolischen Inseln gibt es grüne,
goldgelbe, und solche, die dem torque miniato ähnlich sehen ..."
- Definitiv werden in
Gesners Text von 1555 vier Papageienarten beschrieben, und zwei
mit Abbildung dargestellt:
Der "Psittacus torque miniato" =
Kleiner Alexandersittich (Abbildung),
ein rotblauer Ara als Psittacus erythrocyanus (Abbildung)
sowie ein weiterer brasilianischer Ara, wahrsch. der
A. ararauna und der Graupapagei.
Im Übrigen geht die Bezeichung des "torque miniato" wieder auf
Plinius' Beschreibung zurück.
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"Psittacus erythrocyanus"
= rotblauer Papagei
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Der weitere Text besteht aus scheinbar willkürlich zusammengstellten
Zitaten über die besonderen
Eigenschaften der Papageien, wie Sprachvermögen, Intelligenz usw.
Besonders das Sprachvermögen
wird immer wieder erwähnt, und entsprechende Anekdoten oder
Literaturstellen (z.B. Ovid, "Amores" zweites Buch, "Vom Tode des Papageis")
wiedergegeben.
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| "Das vollkommene Vogelbuch" von 1669 |

Titelblatt
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Die Ausgabe des Vogelbuches von 1669, auf die der längst verstorbene Gesner
naturgemäss keinen Einfluss mehr hatte, wurde durch den Buchhändler
Wilhelm Serlin in Frankfurt/Main veranlasst, der für die Übersetzung
des alten Originals, und die Zusammenstellung neu bekannter Vögel
Georg Horst(ius) gewinnen konnte.
Serlin schreibt selbst in seiner Widmung an "denen Herren Bürgermeistern
und Rath der hochlöblichen Stadt Zürich", dass er "bey verspürtem Abgang
der alten und von Hn, Conrado Forero in die Teutsche Sprach übersetzten
Exemplarien ..." das Gesamtwerk "Historia animalium" wieder veröffentlichen
wolle.
Die Widmung an den Leser sagt deutlicher, wie diese Ausgabe zusammengestellt
wurde. Demnach hat man einerseits die alte lateinische Ausgabe und die
deutsche Übersetzung Heusslins als Grundlage benutzt. Horst muss wohl die
Texte verglichen, und von Übersetzungs- und Kenntnisfehlern bereinigt haben.
"Im übrigen ist auch dieses Werck bey nahe ganz verändert, massen fast keine
Zeil in dem alten Exemplar, da nicht etwas wäre verbessert worden." und:
" ... also, dass es fast leichter gewesen wäre, das ganze Buch von neuem zu
übersetzen ..." Gesners Einteilung der Vogelarten war aber anscheinend
so gut, dass sie nicht geändert werden konnte.
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Dabei ist es aber nicht geblieben. Durch die in den Jahren seit Gesner gemachten
Entdeckungen in der neuen Welt und Austral-Asien gab es nun viel mehr Vögel
zu beschreiben als früher. Das vollkommene Vogelbuch erscheint nun in zwei Teilen.
Insgesamt sollte man also eigentlich Georg Horst als Verfasser dieses Vogelbuches
bezeichnen, auch wenn Conrad Gesners "de avium natura" die Grundlage ist.
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| Die Papageien in der Ausgabe 1669 |

"Psittacus viridis",
Blaustirnamazone
Grosses Bild mit Gegenüberstellung
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In der Bearbeitung der Gesnerschen Vorlage über die Papageien finden wir eine stark
zusammengefasste
und völlig umgestellte Form des Originaltextes von 1555. Hier fliessen auch bereits
neuere Erkenntnisse über das Wesen der Papageien mit ein. Auch ist der "torque miniato"
nicht mehr der "Referenzvogel", sondern nur noch einer unter vielen. Hartnäckig hält sich aber
das Gerücht, dass Papageien der Dichtkunst fähig seien.
Der allgemeinere Teil der Beschreibungen entspricht in etwa Gesner, ist aber klarer untergliedert, etwa schon in der Art, wie man es heute in der
Fachliteratur findet:
- "Von der Gestalt dieses Vogels/und wo er am meisten zu finden."
- "Von der Speiß und Nahrung dieses Vogels."
- "Von der Natur und Eigenschafft dieses Vogels."
- "Was von diesem Vogel dem Menschen nützlich seye".
Anschliessend, listet Horstius nun diverse neue Papageienarten auf, deren
Beschreibungen er zumeist aus Aldrovandus "Ornithologiae" (1599) zitiert.
Es folgen dann zum überwiegenden Teil ganzseitige Holzschnitte der
beschriebenen Vögel.
Diese Abbildungen und Beschreibungen werden heute häufig Gesner
zugeschrieben, stammen aber aus anderen Vorlagen (eben Aldrovandus)
und sind ebenso wie die beiden Gesnerschen Originale seitenverkehrt
und mit weniger Detailreichtum wiedergegeben.
Deutlich auch hier: In Ermangelung eigener Erfahrungen werden die
Beschreibungen anderer kritiklos wiedergegeben.
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Einige der Beschreibungen lassen sich heute nicht mehr eindeutig zuordnen,
entweder, weil die sprachlichen Formulierungen nicht eindeutig genug sind,
oder weil die Beschreibung sozusagen aus "dritter Hand" vom "Hörensagen"
entstanden sind. Andere dagegen sind recht genau und die Abbildungen
dazu so typisch, dass man den Papagei - z.B. Blaustirnamazone (s. Abb.),
Blaugelber Ara, Gelbflügelara, Graupapagei und andere - sofort
identifizieren kann.
Dazu ein paar Textbeispiele in einem Extrafenster

Holzschnitt von 1669
"Vollkommenes Vogelbuch" |
Eine Besonderheit verdient noch Beachtung: Über den Nestbau zitiert Horstius sowohl Aldrovandus
als auch Aloysius Cadamastus, die berichten, dass bestimmte Papageien ihre
Nester in die Bäume
hängen ... "auf höchste Zweig in den Bäumen ... ganz rund zu, als wie ein Pallen, und lassen
nur ein klein Löchlein darinn, wodurch das Alte auß und ein fliege ..."
- Wenn auch der Nestbau einmal fälschlicherweise
der Blaustirnamazone zugeschrieben wird, so ist doch der Hinweis auf einen
weiteren, nicht näher beschriebenen Papagei deutlich: Es handelt sich um
den Mönchsittich.
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Foto 1998 aus
"Birds of North America" |
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| Schlussbemerkung: |
Leider war es mir nicht möglich,
Aldrovandus "Ornithologiae", die zweite grosse Quelle des "Vollkommenen
Vogelbuches", einzusehen. Nur so wäre es möglich gewesen, festzustellen,
welche Papageienbeschreibungen und Bilder wirklich von dort übernommen
wurden.
Bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag bin ich häufig darauf gestossen,
dass heute in Quellenangaben und historischen Rückblicken in der
Papageienkunde die Ausgabe von Georg Horst als "der Gesner" zitiert
oder beschrieben wird. Oftmals gerade bei Beschreibungen und Abbildungen,
die erst lange nach dem Tode Gesners entstanden und in das "vollkommene
Vogelbuch" übernommen worden sind.
Einer der Gründe mag in der
Verfügbarkeit beider Quellen liegen:
Der Original-Gesner "De avium natura" oder die noch wenig verfälschte
Übersetzung Heussleins von 1600 "Vogelbuch oder Außführliche
Beschreibung ..." schlummern nur noch in wenigen Bibliotheken dieser Welt,
oder sind manchmal im Antiquariat für nicht unerhebliche Summen zu
ersteigern. Das "Vollkommene Vogelbuch" von 1669 dagegen ist als sehr
schöner Reprint 1981 bei der Schlüterschen
Druckerei und Verlag GmbH erschienen, und
dort noch direkt erhältlich.
Zum Schluss möchte ich mich noch bei der Schlüterschen Druckerei
für die Erlaubnis zur Veröffentlichung von Teilen des Werkes bedanken.
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| Referenzen: |
- Gesner, Conrad: Historia animalium Lib. III De avium natura. Zürich, 1555 (Exemplar der Calvörschen Bibliothek Clausthal)
- Gesner, Conrad: Vogelbuch oder Außführliche Beschreibung ... Frankfurt/Main 1600
(Übers. Rudolff Heusslein)
Online-Ausgabe Keio University, Japan - s. Tafeln 481-484
- Horstius, Georg: Gesneri ... Tomus II Oder vollkommenes Vogel=Buch, Frankfurt/Main 1669
(Nachdruck, Schlütersche
Druckerei und Verlag GmbH Hannover, 1981)
- Plinius, Gajus C. Secundus: Historia mundi, Ausgabe Froben, Basel 1530 (Exemplar
der Calvörschen Bibliothek Clausthal)
Online Text:
Historia Naturalis, Lib. X - s. Abschn. LVIII (117)
- Ovid: "Amores" - Liebesgedichte, Lat./Dt. Reclam 1997,
ISBN 3150013615
Online Text: P. OVIDI NASONIS LIBER SECVNDVS AMORES - s. Abschn. VI
- Strunden, Hans: Papageien einst und jetzt. H.Müller Verl. 1984
ISBN 3923269226
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Zur Homepage: |
Zusammenstellung:
H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft
Papageien-Netzwerk
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07/2001
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