Ausgestorbene Aras


Täglich sterben auf unserer Welt Tier- und Pflanzenarten aus, oder werden ausgerottet - manche vielleicht sogar schon, ehe wir überhaupt Notiz von ihnen genommen haben. Bei den papageienartigen Vögeln wissen wir zumeist, wie gross die Gefahr ist, sie für immer zu verlieren. Die, die wir heute noch kennen, können morgen für immer verschwunden sein. Die folgende Aufstellung soll speziell zeigen, welche Aras wir schon verloren haben.

Allgemeines
Das Verbreitungsgebiet der Aras erstreckt sich von Mittel- bis Südamerika und beinhaltet vielfältige Landschaftsformen, vom tropischen Regenwald bis hin zu kargen Hochebenen im Gebirge. Als typische Höhlenbrüter nutzen sie Baum- oder Felshöhlen.
Ihr meist freundliches Wesen, das exotische Gefieder machten sie seit ihrer Entdeckung zu begehrten Sammlerobjekten und Jagdtrophäen. (N.B. Je seltener das Tier, desto grösser die Reputation des Jägers, eine Ansicht, die heute hoffentlich keine Gültigkeit mehr hat, im 19. Jahrh. aber durchaus verbreitet war.)
Die Populationen der einzelnen Arten sind meistens klein, und daher ganz besonders durch Fang und/oder Habitatzerstörung in ihrer Existenz bedroht.
Aras der Karibik
Die Inseln der Karibik gehörten zu den ersten Landmassen, auf die die europäischen Entdecker auf ihrem Weg nach Westen trafen. Von hier kamen auch die ersten "Belegstücke" der Neuweltpapageien nach Europa. Darunter natürlich auch Aras. Die Berichte aus der Zeit, als es diese Aras noch gab, sind zum Teil widersprüchlich, und selten verifizierbar. Teilweise scheint es sich in diesen Texten auch um Vögel zu handeln, die vom Festland importiert und verwildert waren. Die Aufstellung hier folgt der aktuellen "Roten Liste".

Kuba
  • Ara tricolor (Kuba-Ara)


    Photo eines montierten Balges,
    Mit frdl. Gen. © wwww.bluemacaws.org
     
    Der dreifarbige Ara Kubas kam wahrscheinlich auch auf der Pine-Insel und Hispaniola vor. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die roten Aras der anderen Karibikinseln nahe Verwandte von ihm waren. (Hoppe, 1983) Ein dem Kuba-Ara ähnlicher Vogel soll auch auf Hispaniola vorgekommen sein, er wird in der "Roten Liste" allerdings nicht aufgeführt. Ara tricolor wurde durch die Jagd und das Fällen seiner Nistbäume durch Nesträuber ausgerottet. Das letzte Exemplar wurde 1865 "gesammelt" und die letzten Beobachtungen stammen aus 1885.

    Gundlach (1874) schreibt über den Ara:
    Diese Art ist jetzt schon eine Seltenheit auf der Insel Cuba und man findet sie nur noch an wenigen Stellen. Ich selbst habe sie nur in der Sumpfgegend oder Cienaga de Zapata von Habana bis zur Ensenada de Cochinos geschossen. In 1849 fand man noch oft Exemplare, seitdem ist die Zahl derselben sehr veringert worden, weil die Bewohner jener Gegenden die Nester aufsuchen. ... Die Nahrung derselben besteht in Früchten, Samen (besonders von Melia azedarach und Palmen) und aus zarten Baumsprossen und Knospen. ... Sie lebt in Paaren oder in Familien. Ich habe die Fortpflanzung nicht beobachtet, weil ich unpassender Zeit in jener Gegend war. Man zeigte mir aber Löcher in Palmstämmen als Brutstellen.
Jamaika
  • Ara erythrocephala (Rotkopfara)
    Jamaika besass einen Grüngelben Ara, der aus Beschreibungen von Gosse (1847) bekannt ist. Eventuell wurde dieser Vogel sogar schon früher von Gmelin beschrieben, gesicherte Untersuchungen darüber liegen aber nicht vor. Anfang des 19. Jahrhunderts wahrscheinlich wegen "Überjagung" ausgerottet.
  • Ara gossei (Gelbstirnara)
    Der rote Ara Jamaikas. Die Kenntnis von seiner Existenz verdanken wir auch einem Bericht von Gosse (1847), die auf einem etwa 1765 geschossenen Exemplar und dessen Beschreibung beruht. Demnach hatte dieser Vogel eine gelbe Stirn, gelben Oberkopf und Nacken. Von der Wangenregion und über den Rücken hinab hellrot gefärbt, Brust und Bauch dunkelrot, Flügeldeckfedern rot, Schwungfedern blau. Schnabel ähnlich gefärbt wie bei Ara macao. Die Bejagung war wahrscheinlich der Hauptgrund seines Aussterbens gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
Kleine Antillen
  • Ara atwoodi (Atwoods Ara?)
    Der Grün-Gelbe Ara von Dominica ist nur aus Beschreibungen von Atwood (1791) bekannt. Die Beschreibung (wie Greenway sie 1967 zitiert) ist kärglich, lässt aber auf Ähnlichkeiten mit Ara militaris schliessen. Die fleischfarbene Wangenregion wird ausdrücklich erwähnt. Atwood notiert, dass diese Vögel hauptsächlich für die Verwendung als Haustiere, aber auch als Nahrung gejagt wurden. Dieser Ara ist seit Anfang des 19. Jahrhunderts ausgestorben.
  • Ara guadeloupensis (Guadeloupe-Ara)
    Dieser Ara bewohnte Guadaloupe und Martinique, und ist aus Beschreibungen von Du Tertre (1654, 1677) und Labat (1742) bekannt. Seine Erscheinung soll der des Ara macao ähnlich gewesen sein, jedoch war der Vogel deutlich kleiner, mit einem durch und durch roten Schwanz und gelben Flügelzeichnungen. Aber schon 1760 soll dieser Ara sehr selten gewesen sein, und ist wahrscheinlich bald darauf ausgestorben. Auch er war ein begehrtes Jagdwild.
Aras des Südamerikanischen Kontinentes
Die Aras der Karibikinseln sind definitv ausgestorben, bei den Arten des Festlandes zeigt die Bestandsentwicklung abstürzende Zahlen, und in unserer Gegenwart müssen zumindest die folgenden zwei Arten als ausgestorben (im Bezug auf ihr natürliches Vorkommen) angesehen werden. Gerüchte über aktuelle Sichtungen sind wohl eher Wunschdenken.

Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay
  • Anodorhynchus glaucus (Meerblauer Ara)
    Von diesem Ara haben sich lange Zeit Gerüchte gehalten, dass er in freier Wildbahn noch gesehen worden sei. Er sieht dem Hyazinthara, bzw. dem Lears Ara sehr ähnlich, ist aber kleiner. Folgt man den Veröffentlichungen von Pittman (1995, 1998), so wurden die letzten Exemplare tatsächlich etwa um 1932 gesichtet. Das Habitat des Meerblauen Ara, dessen Hauptnahrungsquelle die Yatay-Palmen waren, ist zerstört. Eine vom WPT initiierte Expedition unter der Leitung von Charles Munn III im Jahre 2002 konnte den endgültigen Verlust dieser Ara-Art leider nur bestätigen.
    (Abb.: Tony Pittman mit einem montierten Balg aus dem Museum f. Naturkunde, Buenos Aires - Photo mit frdl. Gen. © www.bluemacaws.org)
Brasilien
  • Cyanopsitta spixi (Spixara)

    Das Weibchen vor der Auswilderung
    Photo mit frdl. Gen. © www.bluemacaws.org
    Dieser Ara ist in seinem natürlichen Lebensraum ausgestorben. Noch existieren allerdings weniger als 60 Exemplare in Gefangenschaft. Zwei der drei letzten bekannten wilden Exemplare wurden 1986 illegal gefangen, und nach Europa (Schweiz?) verbracht. Im Kampf um die Erhaltung freilebender Spixaras wurde versucht, das letzte frei lebende Männchen mit einem ausgewilderten Weibchen zu verpaaren. Vergebens, denn das Männchen war bereits mit einem Ara maracana Weibchen liiert, und das ausgewilderte Weibchen überlebte nicht sehr lange. Das Männchen verschwand gegen des Jahres 2000 spurlos. Die mit dem Schutz und der Wiederansiedlung befasste Organisation, an der auch Besitzer der noch in Gefangenschaft lebenden Vögel beteiligt waren, scheiterte aufgrund von Kompetenzschwierigkeiten, Nichteinhaltung von Absprachen bezüglich des Handels (!) und mangelnder rechtlicher Handhabe gegenüber den privaten Besitzern. Damit wurde das Bemühen um den Spixara eines der traurigsten Kapitel in Sachen Arterhaltung. Nachzulesen bei Kiessling, 2001.
    Ein neugegründetes Komitee soll nun langfristig neue Versuche unternehmen, den Spixara in seinem angestammten Lebensraum wieder heimisch zu machen. Dazu gehörte auch die Entdeckung und Rückführung eines bis 2002 unbekannten Exemplares aus den USA nach Brasilien. (Psittascene, Feb. 2003).
    Solange aber, wie es keine Spixaras in freier Wildbahn gibt, die dort eine eigenständige, stabile Population bilden, muss dieser Ara leider auch als ausgestorben gelten.
Schlussbemerkung
Neben den 7 hier als ausgestorben gelisteten Ara-Arten finden sich auf der "Roten Liste" weitere 7 als bedroht, aber überwiegend als stark gefährdet eingestuft. Die nächsten Kandidaten, deren Ausrottung wir sicher noch zu unseren Lebzeiten erwarten können, sind Lear's Ara (Anodorhynchus leari) - es gibt vielleicht noch 150 Vögel - und Blaulatzara (Ara glaucogularis) mit Bestandsschätzungen von 50 bis maximal 249 Exemplaren. Bezeichnenderweise liegt der Lebensraum eines der beiden auch in Brasilien, einem Land, dem man zur Zeit eines der strengsten Naturschutzgesetze bescheinigt.
Andere, noch existierende Aras, die nicht einmal in der Roten Liste aufgeführt sind, sind bereits aus vielen ihrer ehemaligen Verbreitungsgebiete endgültig verschwunden.
Dieser kurze Beitrag hier hat sich nur auf die Aras, also einen sehr kleinen Teil der grossen Ordnung der Papageienvögel konzentriert. Die vollständige Liste der Papageienarten, deren Aussterben wir zur Zeit erleben (besser noch verursachen), würde ein Buch füllen.
Wie eng der Mensch mit dem Aussterben der Arten verbunden ist, zeigt folgende Grafik von Heywood (2001)
Quellenangaben:
  • 2003 IUCN Red List of Threatened Species
  • Greenway, J.C. (1967); Extinct and vanishing birds of the world,
    2nd rev. ed., New York, Dover Publications
  • Gundlach, J. (1874); Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas.
    Journal für Ornithologie, 22.1874, No. 126, S. 113-166
  • Heywood, N.C.(2001); Bird Extinctions - Univ. of Wisconsin
  • Hoppe, D. (1983); Aras, die Arten und Rassen ...
    Stuttgart, Ulmer Verl. ISBN 3-8001-7081-7
  • Kiessling, W. (2001); Editorial zu Cyanopsitta und "Das Spixara-Komitee wird erneuert"
    Cyanopsitta, Nr. 60, März 2001 Text online
  • Munn, Charles III, (2002); Macaw Blues,
    World Parrot Trust, CDROM AG01 (DVD)
  • Pittman, T. (1995-1998); Der Meerblaue Ara
    Artikelserie aus "Papageien" - online bei bluemacaws.org
  • Psittascene 2003 - Artikelserie in Volume 15.2003, Heft 1 (no.54)
    Dt. Übersetzung des Heftes als Download im Format MS-WORD von www.germanparrottrust.org : Download
  • Verbreitungskarten erstellt mit Earthview
  Zur Homepage:
Zusammenstellung
H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © Juni 2004