400 Jahre Papageienkunde
ein Überblick in ausgewählten Zitaten

Zugegenbenermassen ist die Auswahl der folgenden Zitate eher willkürlicher Natur, aber sie gibt, so glaube ich, doch einen Überlick darüber, wie sich die Kenntnis von den Papageien durch die Jahrhunderte entwickelt hat. Wer sich mit der Kulturgeschichte der Papageien näher befassen möchte, dem empfehle ich das Buch von H. Strunden, "Papageien einst und jetzt" ersch. im Horst-Müller Verlag, Walsrode 1984 (ISBN 3-923269-22-6).
Ich hoffe, dass diese Seite vergnüglich zu lesen sein wird.

H.-J. Pfeffer, Mai 2000

Der Psitacus ist ein Vogel, der mit menschlicher Stimme spricht. Er kommt aus Indien, wo er Sitacus genannt wird. Er ist am ganzen Körper grün. So berichtet Plinius.

Gesner, 1555

- Neben den indischen Sittichen (Psittacula sp.) werden bereits Papageien der Hispaniolischen Inseln beschrieben, und einige der afrikanischen Arten, auch der Graupapagei. Desweiteren merkt er an: "Psittacus inter aves ingenio et sagacitate praestat ..." was in etwa bedeutet: "Der Papagei überragt alle Vögel an Geist und Weisheit."
Beinahe nebebei wird auch die Psittacorum regio - das Papageienland - erwähnt, das die grösste Vielfalt an Papageien hat. Es handelt sich hierbei um Westaustralien!


... Zu hinderst in Syria werden Papageyen gebohren, Sie werden zu uns auss den Ländern so gegen Auffgang und Mittag liegen gebracht wie Nicephorus Callistus sagt. Sie werden auch in Egypten/India und Morenland gefunden/da sie dann die Kundschafter Neronis zum ersten gesehen haben ...
...Die Insel
Gracchana hat viel Papageyen/ daher sie dieselbige Einwohner mesten / und für einen Schleck zur Speiss gebrauchen. Der Sittich hat der Ganss Kraft und Wirkung. In der Speiss genützt heilet er allerley Gelbsucht/und Versehrung bei Lungen/wie Kiranides schreibt ...

Georgius Horstius, 1699



Papagey, Papag`ay, Papagoy, Psittig, Sittich Ein ausländischer Vogel, so mehrentheils aus America zu uns gebracht, aber auch in Africa und Indien gefunden wird. Es ist eine Gattung, wie unsere Spechte, und derselben mancherley Arten sind an Gröss und den Federn unterschieden. ... Dieses ist an ihnen etwas sonderliches, dass sie nicht den untern, sondern den obern Theil des Schnabels bewegen. ... In dem Lande der Schwartzen giebt es blaue Papageyen mit rothen Schwänzen. Sie flügen bei Hauffen, wie unsere Stare und thun an Feld= und Baumfrüchten grossen Schaden. ... Die Petersilie ist ihr Gifft. Die Indianer pflegen die Papageyen zu essen. Gegessen, oder, als wie eine Brühe zugerichtet, dienen sie wider die schwere Noth. Ihr Koth dienet, wenn er getrocknet, zu einem Pulver gemacht, und eines halben Scrupels bis auf ein halbes Quentgen eingenommen worden, zur Stärkung der Nerven, und wider das Zucken und Zühen in den Gliedern. ... Psitacus soll, der Sage nach, von Psittaces, einer berühmten Stadt, bei dem Flusse Tigris gelegen, herkommen. ...

Zedler's Universal=Lexicon 1740


Die Papageien sind befiederte Affen. Dies findet nicht blos der Laie heraus, sondern muss auch der Forscher anerkennen. Wenn es irgendwie zulässig ist, gewisse Thiere einer Klasse mit denen einer anderen zu vergleichen, ist die Berechtigung obiger Worte erwiesen. Ich halte einen derartigen Vergleich für zulässig, will aber keineswegs durch ihn es rechtfertigen, dass ich gerade die Papageien als die höchststehenden Vögel betrachte. Sie rechtfertigen solche Stellung durch sich selbst ...
...Man kann im Zweifel sein, ob man den Papageien überhaupt die erste Stellung unter den Vögeln einräumt, dagegen braucht man sich wohl kaum bedenken, wenn man die Reihe der Affenvögel selbst mit dem Jako, dem grauen, oder rothschwänzigen Papagei (Psittacus erithacus), eröffnet. Ihn darf man gewissermassen als das Urbild seiner ganzen Sippschaft betrachten, und darin sind wohl auch die meisten Naturforscher einig, weil sie ihm den uralten Namen Psittacus belassen haben. ...

Brehm, 1866



Zeitungsanzeige um 1900
Abb. in gross (Extrafenster)
Papagai (Psittacus), eine in viele Gattungen zerfallende artenreiche Gruppe der Klettervögel oder Knacker, die durch manche Eigenthümlichkeit sich von allen Verwandten scharf sondert. ... Sie leben in Monogamie, sind gesellig, eigentliche Waldvögel, nähren sich fast nur von saftigen Früchten oder unreifen zuckerhaltigen Samen und werden deshalb, da sie oft in Schwärmen zusammenhalten, wie die kleinen grünen Sperlingspapageien und die Halsbandpapageien, Maisfeldern und Gärten sehr verderblich. Dabei sind sie listig, gefrässig und zudringlich, und in der Gefangenschaft gewöhnen sie sich leicht auch an die ihnen unangemessensten Dinge, wie Fleisch, Thee Kaffee und Wein. ... In der Jugend gutmüthig und gelehrig, werden sie im Alter störrisch und bösartig. ...

Brockhaus Real-Encyklopädie, 1867


... Wir sollten anmerken, dass viele Leute heutzutage Papageien halten, und dass noch viel mehr sich wünschen, es zu tun. Aber die wenigsten dieser Leute verstehen, wie ihre Lieblinge behandelt werden sollen, und sind überrascht und entäuscht, wenn der arme Vogel schon bald nach dem Erwerb stirbt. Der von diesem unerwarteten Vorgang betroffene Papageienhalter ist versucht, dem Händler, von dem er den Vogel erworben hat, dem Freund, oder einem Buch, die ihm gesagt haben, das Tier so und so zu füttern usw. die Schuld zu geben, nur nicht sich selbst, obwohl er in 99% aller Fälle der allein Schuldige ist.

W.T Greene, 1887


... In Gefangenschaft sind Papageien leicht mit einer einfachen Ernährungsweise zu halten, Die Tatsache, dass die Ernährung einfach ist, bedeutet nicht, dass sie einseitig sein soll. Einen Vogel an eine gute Ernährungsweise zu gewöhnen, ist sehr wichtig, da Vögel auch Gewohnheitstiere sind, und sich nicht leicht umstellen lassen, besonders wenn es sich um schlechte Angewohnheiten handelt. Neue Nahrung wird oft sehr schwer angenommen. ... Ein ziemlich unbekanntes Nahrungsmittel ist Erdnussbutter. Äusserst nahrhaft und reich natürlichen Ölen, enthält Erdnussbutter Nährwerte, die sonst nirgendwo zu finden sind. Sie stärkt das Gefieder, hält den Vogel in exzellenter körperlicher Kondition, und ist überall zu haben. Die Verfasser haben folgende Methode, junge Papageien an Erdnussbutter zu gewöhnen: Zunächst wird nur wenig auf Brot aufgetragen, später mehr, bis dass der Papagei nur noch die Erdnussbutter haben will. Erdnussbutter ist unerlässlich für Papageienbabies und kranke Vögel ...

Bates/Busenbark, 1969


...Viele Arten und Unterarten sind heute hochgradig gefährdet. Zahlreiche negative Faktoren führen zu Bestandsrückgängen, Populationsschwund und aktuter Bedrohung von Papageien bis an den Rand des Aussterbens, ja zum Erlöschen von Arten und Unterarten. Auf dem 2. Internationalen Symposium Meeting der Parrot Specialist Group von ICBP/IUCN in Curitiba, Brasilien, im Oktober 1988 wurde eine erschreckende Bilanz mitgeteilt. Allein von den rund 145 Papageienarten zwischen Mexiko und Argentinien sind bereits 45 Arten vom Aussterben bedroht. ...

Robiller, 1991

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H.-J. Pfeffer
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