EEP, SSP, CBP, Stud-Books usw.
Begriffserklärungen zur Papageienkunde

Einleitung:
Dieser Beitrag soll einen kurzen Überblick über diverse Organisationsformen der Arterhaltungzucht besonders in zoologischen Gärten geben, und dabei die gebräuchlichen Abkürzungen näher erläutern.
Da es sich hier um generelle Arterhaltung handelt, sind die Papageien nur ein Teil solcher Programme.
CBP: Die unterste Ebene der Arterhaltungszucht:
Die Überschrift unterste Ebene soll hier nicht abwertend gemeint sein. Es sind die privaten Vogelzüchter, die sich um die Erhaltungszucht reiner Arten und Rassen bemühen, d.h. keine Kreuzungen oder Mutationszuchten vornehmen. Diese Züchter sind zumeist in Verbänden, und dort oft in Sondergruppen (z.Teil auch mit internationalen Kontakten) organisiert. Eine solche gemeinsame Organisation ist oft zwingend notwendig, um Individuen aus verschieden Zuchtstämmen zusammenbringen zu können, damit der genetische Pool einer Art/Rasse möglichst gross bleibt. International werden solche Bestrebungen als CBP (=Cooperative Breeding Programs) bezeichnet. Zur Zuchtkoordination wird von einem Koordinator ein art/rassenspezifisches Zuchtbuch (Studbook) geführt, in dem Individuen, Haltungs- und Zuchterfolge gelistet sind. Die Durchführung eines CBP können Sie detailliert auf der Seite der International Parrotlet Society nachlesen. Ein anderes Beispiel wäre das PSN (Poicephalus Stamboek Nederland).

In den allermeisten Fällen dient diese Arterhaltungszucht aber nicht zur Schaffung einer grösseren Individuenzahl, die später in ihren angestammten Biotopen wieder angesiedelt werden. Es handelt sich auch selten um Arten/Rassen die in ihren natürlichen Lebensräumen akut von der Ausrottung bedroht sind.

Ausnahmen bilden hier nur wenige grosse kommerzielle Züchter, die in der Lage sind, sehr seltene Tiere zu beschaffen, bzw. nachzuziehen, oder sogar zu handeln. Ob hier die Wiederherstellung natürlicher Populationen eines der Hauptziele ist (auch bei Beteiligung an solchen Projekten), scheint zumindest fraglich.
EEP: Europäische Erhaltungszuchtprogramme
Die EEP stellen eine Kooperation der Europäischen Zoos dar. Ein Zoologischer Garten, oder ein Vogelpark bietet für die Besucher die Möglichkeit, die Artenvielfalt der Erde kennenlernen zu können, ohne gleich auf grosse Expeditionen gehen zu müssen. Das Bild der Zoos hat sich in den letzten Jahren auch drastisch geändert: von einer reinen, meist nicht artgerechten Tierausstellung hin zu didaktisch und artgerechten Präsentationen, bei denen sich der Besucher ein Bild über die Lebensweise der Tiere machen kann. Kein anderes Medium kann zudem die Bedeutung von Natur- und Artenschutz besser vermitteln, als ein Zoo. Auch wird eine Nachzucht besonders der selteneren Arten vorangetrieben, nicht nur weil die Tiere eben das Kapital eines Zoos verkörpern
Hier aber stösst ein auf sich gestellter Zoo schnell an ähnliche Grenzen, wie die privaten Züchter: Der Genpool einer Art/Rasse muss möglichst gross sein, und die typischen Merkmale müssen denen der Wildpopulation dauerhaft und exakt entsprechen. Eine solche Zielsetzung kann also nur erfüllt werden, wenn sich die Zoos in Zuchtprogrammen zusammenschliessen.

Wie funktioniert so ein EEP?
Ein EEP gibt es jeweils für eine bestimmte Art/Rasse, wobei den besonders bedrohten Arten Vorrang gegeben wird. Federführend ist ein Koodinator, der Experte für die entsprechende Tierart ist. Meist handelt es sich um einen Mitarbeiter eines ebenfalls für diese Tierart qualifizierten Zoos. Dieser Koordinator führt Buch (Europäisches Zuchtbuch, ESB) über jedes einzelne Individuum der Art, das in den angeschlossenen Zoos lebt, oder geboren wird. Anhand dieser Daten kann entschieden werden, welche Tiere sich zur Nachzucht eignen. Zusammen mit einer entsprechenden Kommision wird ein jährlicher Zuchtplan aufgestellt, und die Tiere zwischen den angeschlossenen Zoos ausgetauscht. Da alle Daten über diese Tiere allen EEP-Teilnehmern zur Verfügung stehen, können zudem die Haltungsbedingungen dieser speziellen Tierart kontinuierlich optimiert werden. Eine EEP-Koordinationsgruppe regelt die Ernennung von Koordinatoren bzw. auch die Auswahl von Tierarten für weitere EEP. Zur Zeit sind etwa 250 Zoos in ganz Europa an verschiedenen EEP beteiligt. Diese Zoos wiederum sind Mitglieder der EAZA (European Assoc. of Zoos and Aquaria)

EEPs und Europ. Zuchtbücher (ESB) für Papageien im Rahmen der EAZA:
 Taxon Coordinator/ Studbook keeper
Black-winged lory ESB
Eos cyanogenia
Vacancy, Chester
Red and blue lory ESB
Eos histrio
Matthias Rheinschmidt, Puerto-Cruz
Purple-naped lory ESB
Lorius domicellus
Theo Pagel, Köln
Yellow-backed chattering lory  ESB
Lorius garrulus flavopalliatus
Vacancy, Chester
Mount Apo lorikeet ESB
Trichoglossus johnstoniae
Matthias Rheinschmidt, Puerto-Cruz
Kea ESB
Nestor notabilis
Duncan Bolton, Bristol
Red-vented cockatoo EEP
Cacatua haematuropygia
Vacancy, Villars les Dombes
Moluccan cockatoo EEP
Cacatua moluccensis
Ron Willis, Dublin
Blue-eyed cockatoo ESB
Cacatua ophthalmica
Roger Wilkinson, Chester
Citron-crested cockatoo EEP
Cacatua sulphurea citrinocristata
Ron Willis, Dublin
Black cockatoos ESB
Calyptorhynchus spp.
Martina Müller, Walsrode
Palm cockatoo EEP
Probosciger aterrimus
Roger Wilkinson, Chester
Red-tailed amazon EEP
Amazona brasiliensis
Colin Bath, Paignton
Ecuadorian amazon EEP
Amazona [autumnalis] lilacina
Mark Pilgrim, Chester
Red-spectacled amazon ESB
Amazona pretrei
Matthias Rheinschmidt, Puerto-Cruz
Red-browed amazon EEP
Amazona rhodocorytha
Matthias Rheinschmidt, Puerto-Cruz
Green-cheeked amazon EEP
Amazona viridigenalis
Raymond van der Meer, Amersfoort
Yellow-faced amazon ESB
Amazona xanthops
Mike Woolham, Banham
St. Lucia parrot ESB
Amazona versicolor
David Jeggo, Jersey
Hyacinth macaw EEP
Anodorhynchus hyacinthinus
Steffen Patzwahl, Cambron
Buffon's macaw EEP
Ara ambigua
Sandrine Silhol, Sables d'Olonne
Blue-throated macaw EEP
Ara glaucogularis
Matthias Reinschmidt, Puerto-Cruz
Mexican military macaw ESB
Ara militaris mexicana
Steven Vansteenkiste, Antwerpen
Red-fronted macaw EEP
Ara rubrogenys
John Ray, Twycross
Golden conure ESB
Aratinga guarouba
Bengt Holst, Copenhagen Zoo
Thick-billed parrotESB
Rhynchopsitta pachyrhyncha
David Jeggo, Jersey
Auszug aus der EAZA - Homepage (Stand 11.03.2005)
SSP: Species Survival Plans
Ähnlich wie in Europa die EAZA, gibt es in den USA die AZA (American Zoo and Aquarium Association). Auch hier werden Erhaltungszuchtprogramme (SSP) durchgeführt. Die Vorgehensweise ist ähnlich der bei den Europäischen Programmen. Die AZA formuliert ihre Ziele so:
  • - Durchführung von wissenschaftlich geleiteten Zuchtprogrammen ausgewählter Arten als Sicherung gegen das Austerben.
  • - Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Einrichtungen um gemeinsame Artenschutzmassnahmen sicherzustellen.
  • - Förderung des öffentlichen Interesses am Artenschutz, einschl. der Entwicklung und Anwendung von schulischen Massnahmen an den Mitgliedsinstitutionen und in freier Natur.
  • - Durchführung von grundlegender und angewandter Forschung zur Erweiterung der Kenntnisse über verschiedene Arten.
  • - Entwicklung und Test von Methoden zum Artenschutz in freier Natur.
  • - Wiederauswilderung von Gefangenschaftszuchten in wiederhergestellte oder gesichterte Habitats nach Bedarf.
Die für ein SSP ausgewählten Arten sind zum überwiegenden Teil vom Aussterben bedroht und werden von spezialisierten Wissenschaftlern betreut. Oft haben diese Arten eine "Signalwirkung", soll heissen, es handelt sich um populäre Arten, deren Schicksal die Menschen wirksam auf auf die Probleme des Arten- und Naturschutzes aufmerksam macht. Nicht alle SSP sind darauf ausgerichtet, Arten wieder im natürlichen Ökosystem auszuwildern. Wie in den EEP wird auch hier als Basis ein Studbook geführt und eine Zuchtstrategie festgelegt. Darüberhinaus wird in einigen SSP ein "Husbandry Manual" fortgeschrieben, dass die Erfahrungen bei Haltung und Zucht bestimmter Arten beinhaltet, und so Hilfestellung zur optimalen Haltung der Tiere geben kann. Ein solches Husbandry Manual finden Sie online z.B. für den Palmkakadu
Erhaltungszucht global
Wie in Europa und den USA gibt es auch in anderen Nationen (Australien, Japan u.a.) ähnliche Programme zur Erhaltungszucht bedrohter Tierarten. Obwohl EEP, SSP und andere Programme zunächst regional selbständig sind, ist eine globale Zusammenarbeit unerlässlich. Bei der IUCN (International Union for Conservation of Nature) gibt es deshalb wiederum Spezialistengruppen, die sich mit der Gefangenschaftsaufzucht bedrohter Arten befassen. Diese Spezialistengruppen (CBSG = Captive Breeding Specialist Group) sind besonders bei Erhaltungszuchten ausserhalb der EEP oder SSP für die Zoologischen Gärten von Bedeutung. Sie ermöglichen die globale Zusammenarbeit, besonders durch die mögliche geografische Nähe eines beteiligten Zoos zum tatsächlichen Verbreitungsgebietes einer im Erhaltungszuchtprogramm befindlichen Spezies.
Alle Abkürzungen auf einen Blick:
  • CBP - Cooperative Breeding Program bei kleineren Organisationen, Gesellschaften
     
  • IUCN - International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources
  • SSC - Species Survival Commission der IUCN
  • CBSG - Captive Breeding Specialist Group der SSC
     
  • EAZA - European Assoc. of Zoos and Aquaria
  • ESB - European Studbook (Zuchtbuch)
  • EEP - Europäisches Erhaltungszucht Programm
     
  • AZA - American Zoo and Aquarium Association
  • SSP - Species Survival Plan der AZA
Referenzen:
  Zur Homepage:
Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  04/2005