Den folgenden Artikel veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung
des World Parrot Trust. Er beschreibt zwar die Zustände in Grossbritannien,
aber da ist wohl kaum ein Unterschied zu anderen Ländern in Europa, besonders
aber zu Deutschland.
Autor ist Greg Glendell,
die Übertragung ins Deutsche stammt von Franziska Vogel und Katja L`utz.
"Im Vereinigten Königreich importieren wir nachwievor Tausende von wild-gefangenen
Papageien jedes Jahr, die meisten sterben lange bevor sie überhaupt in der Vogelhalter-Presse
inseriert werden.. Doch Gefangenschaftszucht und die Praxis der Handaufzucht als
Allheilmittel für die Probleme des Handels mit wildgefangenen Vögeln anzusehen, hat
wahrscheinlich den Leidensgrad bei Papageien erhöht.
Grosse Lieferanten / Züchter halten
Brutpaare oft unter beengten, erniedrigenden Bedingungen; Bedingungen, die von einigen
"Experten" geduldet werden, die sogar die Verwendung von Brutkäfigen befürworten, in denen
die Vögel nicht mal fliegen können. Solche Paare werden als Eier-Produktionsmaschinen
benutzt, ihre Eier werden nach der Ablage zur künstlichen Brut und Handaufzucht entfernt.
Solche Praktiken zwingen das Weibchen natürlich dazu, ihr Gelege zu ersetzen und diese Umstände
können ihm für einen Grossteil seines Lebens aufgezwungen werden.
Die Babys, die vom Ei an
handaufgezogen sind, sind insofern benachteiligt, als ihnen alle Interaktionen mit den
Eltern fehlen, die nötig sind, um ihr mentales Wohlbefinden sicher zu stellen. Viele
handaufgezogene Papageien werden Spritzenfütterung, Zwangsentwöhnung und den traumatischen
Folgen von heller Beleuchtung (Brutmaschinen) unterworfen, bevor sich ihre Augen geöffnet
haben. Solch ignorante Behandlung gipfelt oft in dem Stutzen der Flügel von kurz zuvor
flügge gewordenen Vögeln, bevor sie verkauft werden.
Diese finsteren Bedingungen werden locker von vielen Vogelzüchtern als Standard-Praxis
akzeptiert, anstatt hinterfragt zu werden. Jedes Jahr werden Tausende von Vögeln in dieser
Weise in England produziert. Die Vögel werden dann in Zoogeschäften einer kenntnislosen
Kundschaft verkauft, die darauf reinfällt, streichelzahme Babys zu kaufen, die von diesen
emotionell Unreifen als "Streichelsäcke" missbraucht werden. - Vielen dieser Vögel, besonders
Kakadus und afrikanischen Graupapageien wird es bestimmt sein, das Trauma der
Selbstverstümmelung (und Angrabbelei) zu erleiden, das zunächst als Federrupfen auftritt.
Besitzern solcher Vögel misslingt es ständig, guten, wirksamen Rat von jenen zu erhalten, die
ihnen den Vogel verkauft haben. Tatsächlich haben Belegschaftsmitglieder von Zoogeschäften
und Züchter oft wenig mehr Ahnung von den Bedürfnissen eines Papageis (insbesondere seinen
verhaltensbezogenen Bedürfnissen) als der Käufer! Manches Personal hat weder Kenntnisse noch
die Neigung, sich um solche Leiden zu kümmern. Also schlagen sich die Heimvögel recht und schlecht
irgendwie mit ihren Besitzern durch, wobei manche niemlas die Pflege erhalten, die sie dringend
benötigen, da sogar die Basisaufklärung niemals erfolgt. Verstörte Halter von traumatisierten Vögeln
suchen möglicherweise bei Vogelzüchter-Organisationen um Hilfe, bei der Vogel-Presse oder der
"RSPCA" (Königl. Gesellschaft zur Vermeidung von Tierquälerei) werden aber wahrscheinlich keine
qualifizierten Ratschläge von diesen Quellen erhalten. Viele Vogelzüchter-Gesellschaften
geben sich als für das Wohlergehen der Vögel besorgte Gruppen aus, sind in Wahrheit meistens
nichts anderes als Mitglieder-Interessengruppen. Und es gibt ein Universum an Unterschieden
zwischen der Unterstützung der Vogelzucht und der Hilfe für Vögel!
Heimvögel, die beissen, Federn rupfen oder schreien, werden so von einem unerleuchteten Besitzer
an den nächsten verkauft, ein Prozess, der einen Vogel auf eine lebenslängliche "Tournee" zu
unwissenden Haltern für die meisten seiner 50 oder mehr Lebensjahre bringen kann. Jene, die
nicht so akut leiden, leiden möglicherweise an chronischen Krankheiten infolge unzureichender
Kost, wie dem sogenannten "Papageien-Futter" als Hauptnahrung.
Nutzen des Gesetzes ??
Jetzt hat Grossbritannien (das gleiche gilt für Deutschland!!) sogar eine Gesetzgebung zur Verfügung, die, wenn sie überhaupt einmal
angewendet würde, viel Leid ersparen könnte. Gesetze, wie jene für Tierschutz, Heimtiere, den
Verkauf von Gütern, und für Natur & Landschaft könnten helfen. Aber wieder stellt Ignoranz
kombiniert mit der institutionellen Trägheit, die innerhalb örtlicher Verwaltungen (und sogar
in einigen gemeinützigen Organisationen für Tierschutz) angetroffen wird, sicher, dass nichts Wirksames
jemals unternommen wird, um das Massenleiden zahlloser Vögel zu lindern. So bleiben
Tierschutzbeamte uninformiert über die Missstände, an denen diese Vögel leiden. Ohne
Spezialwissen fehlt den Beamten und Tierschutzleuten das Vertrauen um angesichts grober
Grausamkeit zu handeln. So verkaufen Zoogeschäfte überall im Lande weiterhin neurotische,
traumatische und kranke Vögel an eine unwissende und leichtgläubige Öffentlickeit. Eine
Öffentlichkeit mit hunderten von Pfund (- oder EUR oder DM) in den Taschen, die nach einem
schmusigen Baby zum Nach-Hause-Nehmen Ausschau hält, während sie dessen wirkliche und
dringliche Bedürfnisse völlig ignoriert.
Mit der wachsenden Reihe an hochqualifizierten, auf Vögel spezialisierten Tierärzte im
Vereinigten Königreich (und Deutschland) könne sie nun eine gute Betreuung für ihren Vogel
erhalten. Leider werden aber viele Vögel lediglich zu dem Hunde- und Katzendoktor auf der
Hauptstrasse gebracht. Hier kann die "tierärztliche" Behandlung weitere Leiden verursachen.
Vögeln werden Teile ihrer Flügel, Krallen und Schnäbel entfernt; Nerven werden an unbetäubten
Vögeln verletzt, die vor Angsat schreien, während wichtige Teile ihres Körpers in
"Routine-Behandlungen" (so nennt man das!) entfernt werden, um dem honorarzahlenden Besitzer
einen flugunfähigen Vogel mit stumpfen, nutzlosen Krallen zurückzugeben, die die Hände nicht
verkratzen.
Und die Vogelschauen? Wenn deren Hauptfunktion jene der schnellstmöglichen Krankheitübertragung
von Vogel zu Vogel sein sollte, dann könnte dies nicht effizienter bewerkstelligt werden!
Tausende von Vögeln gleichzeitig während Stunden oder tagelang in dicht bestockten, eng
aufeinander gepferchten Käfigen. Bereits von einer langen Anreise geschwächte und gestresste
Vögel enden in irgendeiner düsteren Halle, wo rauchende Kunden Karzinogene auf sie atmen.
Wieder naive und unwissende Käufer, trennen sich aus Mitleid von hunderten Pfund
(Euro oder DM) um die von den Händlern gequälten Kreaturen zu kaufen. - Und oft werden
besorgte Käufer teure Tierarztrechnungen oder den Tod des Vogels wenige Tage nach der
Neuerwerbung sehen, weil bakteriologische Infektionen die Eingeweide des Vogels zersetzt
haben, ehe er überhaupt eine Chance hatte, sich in seinem neuen Zuhause einzuleben.
Beissende Heimvögel Heimvögel bleiben für Jahre - sogar während Jahrzehnten - in Käfige gesperrt,
wenn alles, was es bräuchte, um sie von solchen Aktivitäten abzubringen ein paar Stunden
grundlegenden Gehorsamtraining für den Vogel wären. Schreiende Vögel werden von einem arglosen
Halter an den nächsten verkauft. Viele werden geschlagen, im Dunkeln gehalten oder während
Jahren vernachlässigt. Einige traumatisierte Vögel landen in sogenannten Rettungszentren.
Während es in England (und auch Deutschland) einige gute gibt, gibt es sehr viele, die auf
sehr zweifelhafter Basis geführt werden; sie verkaufen gestiftete Vögel innerhalb weniger
Wochen nach der Aquisition. Oder züchten mit solchen Vögeln, um noch mehr Vögel zu produzieren:
mehr Leiden, mehr Profit in einem endlosen Kreis einer Papageienhölle.
Das Wohlergehen der Vögel ist das Ziel!
Wie sind wir dazu gekommen, dies solch schönen, intelligenten und sensiblen Lebewesen anzutun?
Wieso foltern, misshandeln und sperenn wir routinemässig zahllose dieser völlig unschuldigen
Geschöpfe für jedes Jahr ihres Lebens ein? Und niemnd tut etwas, niemand unternimmt überhaupt
etwas dagegen. Wenn wir diesbezüglich etwas bewegen wollen ist eine Kampagne nötig, wobei
ähnlich gesinnte Gruppen zusammenkommen, und an den folgenden Anliegen arbeiten sollten:
- Vogelzüchter-Gesellschaften (und deren Dachverbände) sollten ihre Statuten dahingehend
ändern, dass das Wohlergehen der Vögel zum Hauptziel gemacht wird, anstatt sich auf die
Interessen der Mitglieder zu konzentrieren.
- Ein Ende der kommerziellen Einfuhr aller wildgefangenen Vögel in das Vereinigte Königreich
und der EU (Also auch Deutschland).
- Ein Ende der Handaufzucht, mit Elternaufzucht oder teilweiser Elternaufzucht als einzigen
Alternativen.
- Öffentliche Anerkennung von verantwortungsvollen Züchtern; solche, die nur humane
Methoden für die Papageienzucht anwenden. z.B. aber auch überhaupt keine Kakaduzucht zuzulassen.
- Die Errichtung eines Netzwerkes von Papageien-Zentren im ganzen Land. Deren Funktion:
Information und Aufklärung von Beamten der Tierschutzbehörde und Gesetzeshütern sowie
der breiten papageien-haltenden Öffentlichkeit üder die Bedürfnisse dieser Vögel.
Auch darüber, wie traumatisierte Vögel rehabilitiert werden und sie entweder
in sich nicht-fortpflanzenden Kolonien oder als Heimvögel für den Rest ihres Lebens
gehalten werden können.
- Eine Aufklärungskampagne für jene, die verantwortlich für die Durchführung von
Gesetzen gegen Tierquälerei sind, um sicherzustellen, dass solche Leute über die
besondere Fürsorge, die Papageien nötig haben, voll im Bilde sind.
- Und ein Ende des Mythos, dass kommerzielle Züchter für den Naturschutz züchten. Echte
naturschutz-bezogene Zucht bedeutet die Produktion von Vogeltypen, die den freilebenden
entsprechen, zur Wiederansiedlung in Lebensräume, die auf sie warten.
Ich vermute, dass die Vogelzucht, so wie wir sie kennen, nicht überleben wird, wenn
Vogelzüchter nicht für bedeutende und zügige Verbesserungen in der Vogelpflege sorgen werden.
Und wenn sie sich nicht zum Wohle der Vögel ändert, dann verdient sie geächtet und
verboten zu werden."
Greg Glendell
Anmerk.:
Ich habe mir erlaubt, einige Sätze dieses Artikels typographisch hervorzuheben. Auch habe ich
ein paar kleine Ergänzungen (geklammert) hinzugefügt. Auf die Einbindung von Fotos gequälter
Papageien und Rupfer habe ich verzichtet, die Argumentation von Greg Glendell spricht für sich.
Greg ist leider nicht auf die "Sammler" eingegangen, die einen bstimmten Papagei "haben müssen",
weil er entweder selten oder teuer oder besser noch beides ist, - ein Verhalten, dass nicht nur den
Spix-Ara in den Untergang trieb - oder die Sammler, die einfach nicht genug Papageien
(egal welche "Sorte") haben können. Auch in diesen Fällen geht Besitz vor Pflege.
Mir persönlich liegt es am Herzen, dass jeder, der sich
je mit Papageienhandel, -zucht, -austellungswesen beschäftigt und jeder, der sich mit dem Gedanken befasst, einen Papagei anzuschaffen, diesen Artikel
aufmerksam liest, und seine Konsequenzen daraus zieht.
HJP für APN
|