Echos auf Mauritius


Die Gattung Psittacula ist rund um den Indischen Ozean mit zahlreichen Arten vertreten. Auch auf den Mascarenen im westl. Teil des Ozeans (östl. von Madagaskar) findet sich noch ein Vertreter dieser Gattung. Seine "Erfolgsstory" sei hier kurz zusammengefasst.



Der Echo-Sittich (Psittacula echo) ist der letzte Überlebende der Papageien des Mascarenen Archipels, dessen Hauptinsel Mauritius ist. Dieser Archipel ist berühmt für seine jetzt ausgestorbene einzigartige Vogelwelt. Neben dem Dodo, der Mauritiustaube und vielen anderen gab es auch Papageien. Z.B. die Schopfpapageien Lophopsittacus bensoni und Lophopsittacus mauritiana, die an die Rabenkakadus Australien erinnern, sowie auch den Mascarenenpapagei Mascarinus mascarinus, von dem es immerhin noch ein paar ausgestopfte Bälger in diversen grossen Museen gibt. Auch die Psittacula-Arten exsul (Rodriguezsittich) und eques (Bourbonsittich) der zugehörigen Inseln Rodrigues und Réunion sind bereits ausgestorben.

Für den Rückgang bzw. das Austerben der Arten sind in allen Fällen der Mensch und seine tierischen Begleiter verantwortlich zu machen. Auch der Echo-Sittich wäre beinahe diesem Schicksal zum Opfer gefallen, und seine heutige Existenz steht immer noch auf wackeligen Füssen.

In den 70er Jahren, als man auf die Gefahr des Verlustes dieser Papageienart aufmerksam wurde, gab es nur noch 40 Vögel dieser Art. Der Schwund war so gross, dass trotz der einsetzenden "Rettungsmassnahmen" die Individuenzahl bis 1986 auf geschätzte 8 - 12, darunter nur 3 Weibchen zurückging. In den Naturschutzprojekten auf Mauritius hatten der Mauritiusfalke, und die Mauritiustaube zunächst Vorrang. Nachdem diese Projekte einigen Erfolg zeigten, widmete man sich dem Echo-Sittich nun mit mehr Aufmerksamkeit.

Der Echo-Sittich ist dem kleinen Alexander- oder Halsbandsittich (Psittacula krameri) sehr ähnlich. Allerdings ist er etwas grösser, mit kompakterem Körper, hat proportional gesehen kürzere Flügel und einen kürzeren Schwanz. Seine Rufe sind lauter und rauher. Er ist ein strikter Baumbewohner, der auf Nisthöhlen und Nahrung in einheimischen Bäumen angewiesen ist.


Der erste Ansatz zum Schutz der Art war also der Schutz des Habitats, das wegen der landwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Zuckerrohr, immer weiter eingeschränkt wurde. Des weiteren kam es darauf an, die Bruterfolge durch zusätzliche Nahrung und Handaufzucht von "überzähligen" Jungen zu vergrössern. Gefangenschaftszuchten in situ wurden auch mit Ammenvögeln der Art Psittacula krameri erfolgreich durchgeführt. Schutz der Nisthöhlen vor importierten Feinden, wie z.B. Ratten, oder aber auch die Beseitigung von Ungeziefer zum Schutz vor Infektionen sind ebenso wichtige Massnahmen. Die tierärztliche Kontrolle der Gefangenschaftsaufzuchten wurde auch soweit möglich auf die wildlebenden Vögel ausgeweitet. Bis 1995 konnte der Bestand der lebenden Sittiche auf etwa 40 - 50 Vögel (wildlebend und in Gefangenschaft) erhöht werden, 1997 waren es dann etwa 73.

Die Entwicklung beschleunigte sich 1997 dramatisch mit der ersten Auswilderung von künstlich aufgezogenen Vögeln (zwei Männchen, ein Weibchen), die sich in ihrer angestammten Heimat des Waldes behaupten konnten, und sogar ihrer wilden Verwandtschaft die Futterstellen in der Nähe der Forschungstation schmackhaft gemacht haben. Das Weibchen von den dreien, genannt Gabriella, bezog Ende Oktober 1998 mit einem wilden Partner zusammen eine Nisthöhle. Unglückerweise war das gelegte Ei unbefruchtet. Entsprechend der angewandten Technik, die Gelege der Sittiche zu reduzieren, - Echos legen bis zu drei Eier, ziehen aber meistens nur ein Junges auf, die "überzähligen" Küken wurden entnommen und künstlich aufgezogen - schob man dem Weibchen ein Küken eines anderes Nestes unter, das erfolgreich aufgezogen wurde. Diese Methode hat sich dann auch bei anderen erfolglosen Brutpaaren bewährt. Insgesamt schlüpften in der Saison 1998/99 21 Küken, davon 8 in der freien Wildbahn. 10 handaufgezogene sollten 1999 in die freie Natur entlassen werden.


Neben der ständigen Überwachung der Gelege war eine der Hauptaufgaben des letzten Jahres die Bereitstellung von Nisthöhlen. Künstliche Nisthöhlen wurden nicht akzeptiert, und ein brutwilliges Paar bevorzugt die Wahlmöglichtkeit zwischen mehreren Nistmöglichkeiten. Konkurrenten beim Besatz der Nisthöhlen sind Stare, Termiten, Bienen und die importierte Verwandtschaft Psittacula krameri. In artistischer Kletterarbeit am Seil 15m über dem Boden werden tiefe Höhlungen mit engen Eingängen in die Bäume geschnitten um weitere Nistmöglichkeiten zu schaffen. Um die Jungen vor Parasiten zu schützen, behandelt man alle bekannten Bruthöhlen auch mit geeigneten Pestiziden.

Obwohl die Entwicklung positiv ist, und nun wieder mehr als 100 Echos in den Wäldern Mauritius leben, ist der Echo-Sittich noch nicht gerettet. Das Zusammenspiel aller Faktoren in einem Biotop ist auf Gegenseitigkeit gebaut, und der mauritianische Wald als Lebensgrundlage für den Echo-Sittich ist noch immer vom Menschen bedroht.
Es gibt allerdings bereits Überlegungen, den Echo-Sittich sozusagen als Ersatz für die ausgestorbenen Papageienarten auf den anderen Mascarenen-Inseln heimisch zu machen, um dort die Biotope wieder "ins Gleichgewicht" zu bringen.
Quellen:
Woolaver, Lance: Wild Echoes, Echo Parakeet Field Season 1998/99
in: Psittascene 11.1999,1 pp. 6-7
Jones, Carl: Listening to Echos and searching for Ghosts
in: Psittascene 11.1999,3 pp. 10-11
Fotos mit frdl. Gen. des World Parrot Trust.


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H.-J. Pfeffer
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