Berühmte Illustratoren: Edward Lear (1912-1888)

Die Papageienbücher des 19. Jahrhunderts zeichnen sich durch besonders beeindruckende Farb-Abbildungen aus, die zum Teil mit sehr aufwendigen Drucktechniken realisiert wurden. Einer der berühmtesten Zeichner ist Edward Lear, nach dem der Lears-Ara (Anodorhynchus leari) benannt ist. Leben und Werk von Edward Lear weisen einige Überraschungen auf, deshalb soll er hier näher vorgestellt werden.

Edward Lear wurde am 12 Mai 1812 als zwanzigstes (!) Kind von von Ann und Jeremiah Lear geboren. Vier Jahre nach seiner Geburt wurde die Familie durch Fehlspekulationen des Vaters (er war Aktiennhändler) in grosse Armut gestürzt. Edward wurde daraufhin von seinen beiden grossen, schon selbständig lebenden Schwestern Ann und Sarah erzogen.

Schon im Alter von 5 oder 6 Jahren litt Edward Lear an Epilepsie und später auch an heftigen Stimmungswechseln mit starken depressiven Phasen.

Der von seinen Schwestern eher schöngeistig erzogene Junge begann ca. 1826 sein Leben als Künstler zu verdienen.

1830 beginnt er mit den "Illustrations of the Family of Psittacidae, or Parrots". Die ersten beiden Bände machen ihn schlagartig als ornithologischen Zeichner bekannt und er wird zum Mitglied der "Linnean Society" nominiert. Kurze Zeit später beginnt er eine Zusammenarbeit mit John Gould, Das Werk "The Birds of Europe" entsteht.

1835 markiert eine künstlerische Wende in seinem Leben: Lear wird Landschaftsmaler. Auf ausgedehnten Reisen quer durch Europa, hauptsächlich den Mittelmeerländern hält er fortan seine Eindrücke fest, immer mehr beeinträchtig durch eine nachlassende Sehfähigkeit und den allgemeinen Gesundheitszustand. Rom (1837), Sizilien (1842), Griechenland (1848), Ägypten (1849), Israel (1867) sind nur einige der Stationen, manche besuchte er auch mehrmals. Fast "nebenbei" entstehen die Werke, für die Edward Lear eigentlich berühmt geworden ist: Seine Nonsensgeschichten, vielfach in Versform (Limmerick) und begleitet mit kleinen skurrilen skizzenhaften Zeichnungen und Karrikaturen.

1870 lässt er sich in San Remo nieder, kann aber das Reisen nicht aufgeben: 1873-1875 besucht er Indien und Ceylon. Ab 1880 etwa verbringt er seine letzten Jahre in der Schweiz und Italien.

Edward Lear stirbt am 29. Januar 1888 in San Remo.
 
Der Landschaftsmaler:

Korfu:
Blick von der Strasse nach Benitza in der Nähe von Gastouri. Entstanden ca. 1863 zusammen mit den Lithographien für das Buch "Views in the Seven Ionian Islands"

Indien:
"Kinchinjunga from Darjeeling, India." - entstanden ca. 1873-1875
Der "Nonsens-Poet":

There was a Young Lady whose chin,
Resembled the point of a pin;
So she had it made sharp,
And purchased a harp,
And played several tunes with her chin.
Die nebenstehende Illustration ist dem "Book of Nonsens" entnommen, und entstand ca. 1845/46. Entstanden war dieses Buch aus Geschichten und Zeichnungen, die Lear für Lord Derby's Kinder und Enkel in Knowsley Hall zur Unterhaltung anfertigte. Anfänglich publizierte Lear dieses Buch unter einem Pseudonym, wohl ahnend, dass eine derartige Veröffentlichung seinem Ruf als Maler und naturwissenschaftlichem Zeichner schaden könnte. Erst die dritte Auflage (1861) trägt seinen Namen.

Wie recht er mit dieser Ahnung hatte, zeigt seine Berühmtheit im anglo-amerikanischen Raum grade für diese Arbeiten. Als naturwissenschaftlicher Zeichner oder gar als Landschaftsmaler ist er kaum bekannt.
Lears Papageien:

Tafel "Macrocercus Aracanga"

Dieser Ausschnitt kann die fantastische Genauigkeit des Originals nur erahnen lassen. Dazu kommt, dass die Digitalisierung einer Lithographie qualitativ von vorn herein nicht gerecht werden kann.
Das Gesamtwerk umfasst 42 Tafeln, die hier aus Platzgründen nicht alle wiedergegeben werden können. (s. dazu in den Quellenangaben)
Lears Ara:
Tafel 9 von Edward Lears Illustrations of the Family of Psittacidae zeigt den "Macrocercus hyacinthinus" - auf den ersten Blick also einen Hyazinthara, für den das lebende Modell auch gehalten wurde. Der Vogel auf dieser Tafel wurde jedoch schon 1856 von Prinz Charles-Lucien Bonaparte als andere, sogar neue Species identifiziert. Als Entdecker und damit Namengeber widmete er den wiss. Namen dem Zeichner Edward Lear. Die Species Anodorhynchus leari war damit festgeschrieben. Die erste grosse Papageien-Systematik die diese Species listet, ist der "Conspectus Psittacorum" von Bonaparte.
Abschliessend noch ein Wort zur Drucktechnik:
Das drucktechnische Verfahren, mit dem Lear's Werk veröffentlicht wurde, nennt sich Lithographie (=Steinzeichnung). Dazu hat Lear lebende Vögel genau beobachtet und in vielen Skizzen festgehalten. Anschliessend übertrug er das aus den Skizzen entstandene Bild seitenverkehrt auf Steindruckplatten als Schwarz/Weiss-Zeichnung. Nach eigens angefertigten Farbmustertafeln wurden die Schwarz/Weiss-Drucke anschliessend von professionellen "Kolorateuren" eingefärbt. Berühmtester Rohstoff für die Steindruckplatten ist übrigens der Solnhofener Plattenkalk, dessen besondere homogene Feinkörnigkeit uns nicht nur den Archaeopteryx mit seinen Federn als Abdruck erhalten hat.
Quellenangaben:
Weitere vielfältige Quellen zu Bildern von und Berichten über Edward Lear liefern die grossen Suchmaschinen für das WWW.
  Zur Homepage:
Zusammenstellung
H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © März 2004