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Königreich Tonga und der Pompadoursittich
- Bericht von K.-H. Schallenberg
Königreich Tonga


Karte erstellt mit Earth View
Diese Inselgruppe liegt in Polynesien, besser unter dem gebräuchlichen Namen "Südsee" bekannt. Das Königreich Tonga ist 425.000 km groß und besteht aus 170 Inseln, von denen jedoch lediglich 36 bewohnt sind. Die Nord-Südausdehnung erstreckt sich auf ca.1000 km. Tonga ist in drei Inselgruppen aufgeteilt. Es sind Tongatapu/Eua, Ha'apaigruppe und Vava'ugruppe. Tongatapu ist die Hauptinsel mit der Hauptstadt Nuku'alofa. Die Einwohnerzahl des gesamten Königreiches beträgt ca. 100.000, wovon alleine auf der Hauptinsel Tongatapu 65.000 Einwohner leben. Erreichbar ist Tonga von Los Angeles aus über Hawaii und von Australien und Neuseeland direkt mit Air New Zealand oder Air Pacific. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über fast gleichbleibend zwischen 28 und 35 Grad Celsius. Aufgrund zur Nähe der Datumsgrenze ist Tonga uns gegenüber um 12 Stunden voraus, d.h. sie können als erste auf der Welt das Neue Jahr feiern.
Wie schnell ein Traum zerplatzen kann!
Ich möchte ihnen Tonga vorstellen und den dortigen Vogelpark erwähnen, weil in ihm der wunderschöne Pompadoursittich (Prosopeia tabuensis) nachgezüchtet wird. Dazu ist es aber unabdingbar, das ich die Arbeit des Brehm Fonds (Vogelpark Walsrode) hervor hebe.
 
Im Jahre 1989 gründete der Brehm Fond, mit Genehmigung der tonganischen Regierung, den Wildlife-Park. Sinn und Zweck der Gründung war der Erhalt vieler endemischer Tierarten, hauptsächlich des Pritchard-Huhns - Tongan Megapode- und des erwähnten Pompadoursittichs. Die Zuchtpaare des Pompadoursittichs wurden aus den Wildfängen der Insel EUA zusammengestellt. In den Jahren von 1989 bis 1994 wurden sowohl Pritchard-Hühner als auch Pompadoursittiche auf den Inseln Late und Fonualei ausgewildert. Im Jahre 1994 zog sich der Brehm Fond aus dem Projekt zurück und der Park ging an ein fünfköpfiges tonganisches Konsortium über. Der Park wurde nun in Tongan Wildlife Centre umbenannt. Die Leitung des Parks übernahm eine Managerin, die bis zu dieser Zeit weder von Papageien noch vom Management eine Ahnung hatte. Trotzdem schaffte sie es für Nachzuchten des Pompadoursittichs zu sorgen. So wurden unter ihrer Führung insgesamt 12 Pompadoursittiche, fünf Nachzuchten aus dem Park und sieben Wildfänge von EUA auf der Insel Tofua im Jahre 1998 ausgewildert. Es folgte eine weitere Auswilderung von vier Tieren auf der Insel FAFA-Island im Jahre 1998. In selben Jahre entschloss ich mich nach Tonga zu fliegen, um Nachzuchtprogramm und Auswilderung näher kennen zu lernen. Ich sponserte eine Überprüfung der ausgewilderten Sittiche, indem wir zur Insel Tofua flogen. Leider war die Zeit zu kurz, um eine sorgfältige Überprüfung der ausgewilderten Tiere durchzuführen. Es war aber so viel Zeit , dass wir feststellen konnten, dass sich kein Tier blicken und hören ließ.
Foto © Th. Bönte
Ex. Vogelpark Walsrode

Eine weitere Auswilderung von vier Wildtieren wurde vom Tongan Wildlife Centre Anfang 1998 auf der Fafa-Island, die nur eine halbe Bootsstunde von der Hauptstadt entfernt liegt, vorgenommen. Hier zeigte sich im November 1998 der erste Erfolg einer Nachzucht. Nach meiner Auffassung ist diese Zucht und der Erhalt des Bestandes nur auf den Schutz der beiden deutschen Besitzer der Hotelanlage (Fales = Hütten in heimischer Bauart) zurückzuführen. Der derzeitige Bestand von ca. 12 Tieren ist für die Insel zu viel, so das zu befürchten ist, dass die Tiere auch in den Verkauf gehen.
Fafa Island
Tongan Wildlife Centre
Nach meiner Kenntnis besagen die Satzungen, dass insgesamt 6 Jungtiere zum Erhalt und Unterhalt des TWC verkauft werden dürfen. In einer großen Gemeinschaftsvoliere leben ca. 50 Pompadoursittiche.
In einer kleinen Voliere lebt ein Blaukäppchen (Vini australis). Vorher gab es mehrere Exemplare, die jedoch verkauft wurden. Es werden schon seit mehr als vier Jahren Absichtserklärungen, was man noch alles unternehmen will, abgegeben, aber kein Projekt wurde wirklich in Angriff genommen. Blaukäppchen sind in ihrem Bestand bedroht. Leider wird nichts unternommen, um dem Tier einen Partner zu geben, damit ein Zuchtstamm aufgebaut werden kann. Genauso ergeht es dem Tongan Megapode (Pritchard-Huhn). Was früher unter fachkundiger Leitung des Brehm Fonds gelang, ist heute zum Stiefkind geworden, weil die elementarsten Voraussetzungen für eine Nachzucht nicht getroffen werden. Seit langer Zeit stagniert auch hier die Nachzucht, obwohl diese Tiere vom Aussterben bedroht sind. Diese Tiere besitzen die angeborene Fähigkeit die Eier in einer Tiefe einzugraben, die die Bruttemperatur von 33 Grad C gewährleistet. Aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen und biologischen Ausbildung und Beratung ist auch dieses Projekt zum Scheitern verurteilt.
Das gleiche Problem besteht mit der Barn Owl (Schleiereule). Auch dieses Tier sitzt schon seit Jahren alleine und hat keinen Partner.


Vogel und Nistkasten im TWC
Zum vorliegenden Problem eine Anmerkung von mir: Als ich 1997 von dem Projekt der Auswilderung erfuhr, war ich begeistert und engagierte mich sowohl finanziell als auch fachlich. Nach etwas mehr als einem Jahr stellte ich dann fest, dass den Verantwortlichen auf Tonga nur am Verkauf der Nachzuchten, weniger an den Auswilderungen gelegen war. Seit 1998 wurden keine Auswilderungen mehr vorgenommen. Die Satzungen, die Gründungsbestandteil des TWC sind, werden nicht eingehalten. Es werden jährlich mehr Tiere verkauft als ursprünglich vorgesehen, so dass für Auswilderungen keine Individuen mehr übrig bleiben. Jedes Jahr werden mindestens 8 Tiere aus den Nachzuchten verkauft, oft mehr. Von den vorhandenen Zuchtpaaren werden nicht immer 10 Tiere großgezogen. Das Ziel der Auswilderungen zum Erhalt der Art ist schon längst aus den Augen verloren worden. Solange es Menschen gibt, denen am Fortbestand der Arten nicht gelegen ist, und die geforderten Preise von inzwischen 10.000 Euro pro Paar zahlen, solange zählt bei den Verantwortlichen auf Tonga nur noch der Verdienst mit den Pompadoursittichen.
Ich schildere die Verhältnisse so eingehend, weil es höchste Zeit ist, sich für den Erhalt der noch vorhandenen Pompadoursittiche einzusetzen. Nach meiner Überzeugung ist der Bestand des Pompadoursittichs stark bedroht . Auf EUA, der Insel auf der noch freilebende Pompadoursittiche vorkommen, sollen nach Schätzungen nur noch ca. 250 Exemplare vorkommen. Viele Freilandpopulationen anderer Arten sind größer als die auf EUA und werden in Anhang WA 1 geführt.
Auf Tonga hat der Pompadoursittich keine Lobby und ich befürchte, dass die Regierung keine Ahnung hat, wie stark diese Prosopeia-Art in ihrem Bestand bedroht ist. Vollmundige und medienwirksame Ankündigungen von Absichtserklärungen helfen der bedrohten Art nicht. Gesetze zum Schutz bestehen schon lange, es sorgt aber keiner für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen. Der wichtigste Schritt zum Erhalt des Pompadoursittichs wäre ein Verbot des Verkaufs von Nachzuchten, oder zumindest eine erhebliche Reduzierung der zu verkaufenden Tiere. Auch dann wäre ein Überleben des Parks (hauptsächlich sind hier die fünf Trustmitglieder involviert) gesichert.
In meinen Bemühungen, die letzten Bestände des Pompadoursittichs zu retten, hoffe ich auf vielfältige Unterstützung durch die Leserschaft. Mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln werde ich versuchen, Behörden und Organisationen klarzumachen, dass der Pompadoursittich schon lange in Anhang I des Washingtoner-Artenschutz-Übereinkommens stehen müsste. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Leser sich mit mir in der Sache solidarisch erklärten. Vielleicht könnten wir durch Eingaben an das Bundesamt für Naturschutz erreichen, dass keine Einfuhrgenehmigungen mehr ausgestellt würden. Das Paradoxe an der Sache ist, dass die Tonganische Regierung (Landwirtschaftsministerium) auch weiterhin diese Ausfuhrgenehmigungen erteilt, obwohl der Freilandbestand dies überhaupt nicht mehr zulässt. Wahrscheinlich liegt es daran, das zwei Mitglieder des Trustes im Ministerium beschäftigt sind. Im Interesse der Pompadoursittiche können wir nur hoffen, dass es im Bundesamt für Naturschutz für solche Fälle eine Sonderregelung gibt, die die Einfuhr unter diesen Umständen verbietet. Es ist höchste Zeit, denn die nächsten Exemplare sind schon wieder für das Jahr 2003 geordert worden, vielleicht auch schon die Einfuhrgenehmigungen beantragt. Vielleicht würden auch Eingaben an den König von Tonga etwas bewirken, denn er ist sehr deutschfreundlich.
Nachsatz
Schon seit langem habe ich mich um den Erhalt von Vogelarten, speziell des Pompadoursittichs - Prosopeia tabuensis bemüht. In meinen Artikeln kommen unterschwellig immer wieder die Mahnungen zum Erhalt der Arten hervor. Ich weiß, dass ich damit nur die Menschen erreiche, die dafür empfänglich sind. Das sind aber auch diejenigen, die sich für den Erhalt der Tiere einsetzen und ein offenes Ohr für Artenschutzprojekte haben.
Dann gibt es noch eine Gruppe von Menschen, die besondere Tierliebhaber sind. Sie sind wirkliche Liebhaber, aber nur von seltenen Arten. So wie es Menschen gibt, die sich Bilder von Rembrand, Rubens oder anderen Künstlern in verschlossene Räumlichkeiten hängen und nicht mit ihren Schätzen protzen. Sie halten sie versteckt vor den Augen der übrigen Welt, sind sich aber sicher, dass nur sie diese Raritäten besitzen. Und diese Menschen sind wirklich davon überzeugt, dass sie die wahren Tierliebhaber sind.
Diese Art "Menschen" sind es auch, die andere dazu bringen, straffällig zu werden. Ich habe mich oft genug in Ländern aufgehalten, wo Menschen keine Ahnung vom so genanten Bruttosozialprodukt haben. Sie leben im wahrsten Sinne des Wortes von der Hand in den Mund. Ihnen kann man nicht vorwerfen, dass sie seltene und vom Aussterben bedrohte Arten, fangen, essen oder sie zum Kauf anbieten. Wobei diese Menschen das größere Risiko des Erwischtwerdens und der Bestrafung tragen. Finanziell werden sie dafür von den Anstiftern mit einem "Hungerlohn" bedacht.
Redaktionelle Anmerkung von H.-J. Pfeffer
Das obige Beispiel zeigt wieder deutlich, wie sorglos der Mensch mit Natur und Umwelt umgeht. Der Pompadoursittich hat seinen Platz auf der roten Liste der aussterbenden Arten eingenommen, und man kann davon ausgehen, dass sein Ende in den nächsten Jahren besiegelt ist, wenn nicht schnellstens die oben beschriebenen Umstände beseitigt werden, und darüber hinaus ein entsprechendes "Rettungsprogramm" gestartet wird.
CITES listet diesen Vogel zwar auf Appendix II - doch im Gegensatz zu anderen Papageien dieser Liste gibt es für den Pompadoursittich keine festgesetzten Exportquotas der Herkunftsländer! Es liegt an Tonga, sich dieses natürlichen Schatzes bewusst zu werden, und ihn zu hüten.
Wer sich für den Pompadoursittich) einsetzen möchte, kann sich an den Autor direkt wenden:
K.-H. Schallenberg
Weitere Anlaufstellen wären z.B. das Bundesamt für Naturschutz, oder direkt die Regierung von Tonga
Vielleicht finden sich ja Mittel und Wege zur Rettung dieser schönen Spezies.
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Text und Fotos soweit nicht anders angegeben: © K.-H. Schallenberg
Adaption für WWW: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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