Der Loro Parque auf Teneriffa
gesehen von H.-J. Pfeffer

Wer den Loro Parque in der Erwartung eines Papageienparks, wie es der Name ja sagt, besucht, sieht sich schnell getäuscht. Der Name ist nur noch historisch bedingt. Tatsächlich handelt es sich um einen zoologischen Garten mit auserlesenen Attraktionen, bei denen die weltgrösste Papageienausstellung eher eine schmückende Wegbegleitung ist.
Unter den zoologischen Highlights ist aber schon allein die neue Pinguin-Anlage, der "Planet Penguin" das Eintrittsgeld wert. 12 Tonnen feiner Schneeregen täglich bei möglichst natürlicher Umgebung inclusive der Antarktis-typischen Lichtverhältnisse und Temperaturen sorgen dafür, dass sich Königspinguine, Eselspinguine und andere in der Gesellschaft einer Möwe wie zuhause fühlen. - Für das Pflegepersonal ist ganzjährig Schneeschippen angesagt.

Gorillas, Tiger, Schimpansen, Krokodile in beeindruckenden gitterlosen Gehegen, ein imposanter Aquariumkomplex mit begehbarem "Meeresgrund", Seelöwendressur und eine Delphinshow, die man in den USA nicht besser machen könnte, runden das Bild ab.
Die Papageien:
Selbstverständlich sind auch die Papageien mit einer eigenen unterhaltsamen Dressurshow vertreten, aber das ist hier nicht Gegenstand des Berichtes.

Entlang der verschlungenen Wege von einer Sensation zur nächsten findet man nämlich die eigentliche Attraktion des Parks, der er auch seinen Namen verdankt: Papageienvögel ohne Zahl. Der augenblickliche Katalog des Parks (2002) listet 300 Arten/Unterarten! Mittlerweile - seit Gründung der Fundacion Loro Parque 1994 - gehören die Vögel zwar nicht mehr dem Park selbst, sondern der Fundacion, aber das macht für den Betrachter keinen Unterschied.

Historisch bedingt sind die Papageien bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Kea, Wellensittich) paarweise in mehr oder weniger genormten Volieren untergebracht. Historisch heisst in diesem Fall, dass der Park in seinen Anfängen eher eine grosse öffentliche Zuchtanlage war. Die Voliereneinrichtung ist ebenfalls standardisiert, Nistkasten, Seile, Äste, Schaukeln. Als Bodenmaterial wird die auf der Vulkaninsel Teneriffa leicht verfügbare Lava-Asche verwendet, ein Material, dass sich für diesen Zweck hervorragend eignet und bei entsprechender Vermarktung ein Exportschlager für Papageienzüchter in aller Welt werden könnte.

Die einzelnen Volieren sind immer gruppenweise angeordnet, entsprechend der Verwandtschaftsverhältnisse des Vogelbesatzes. Der erste Papagei, den man ausgestellt sieht, ist die Tucuman-Amazone, Es folgt eine sehr schöne Abfolge von den rotstirnigen bis zu den gelbköpfigen (A.oratrix) Amazonenarten. Der Papageienkenner weiss fast sofort, was ihn in der nächsten Voliere des Rundganges erwartet: Kommt man an der Nominatform des Fächerpapageis vorbei, wird man natürlich aus der nächsten Voliere von der Unterart bestaunt. Auch die vielen Psittacula-Arten werden in Abfolge ausgestellt, was sehr gute Studien der äusseren Unterscheidungsmerkmale erlaubt.

Volierengruppe Amazonen





Nur vier von vierzehn ausgestellten Psittacula-Ssp. als Beispiel ...


Gleiches trifft für Kakadus, Lories und den diversen weltweiten Sitticharten zu. Dieses Prinzip wird nur bei sehr artenreichen Gattungen durchbrochen. Deren Bestände sind z. T. aufgesplittet und in verschiedenen Bereichen des Parks untergebracht.
Insgesamt ist dies eine Präsentation von sehr hohem didaktischen Wert, die dem interessierten Besucher zeigt, zu was die Natur in Sachen Papageienvogel fähig war, und wer in der Krummschnabelgesellschaft zu wem gehört.
Ergänzt wird dies durch die ausserordentlich gute und informative Beschilderungsart der Volieren. Mit genial einfachen Mitteln wird hier dem Betrachter ein kompletter Steckbrief des ausgestellten Vogels geboten. (Tafel vergrössert anzeigen)

eine Info-Tafel
Anzumerken sei noch, dass die einzelnen Volieren einer Gruppe meistens durch einen schmalen Streifen der üppigen subtropischen Vegetation voneinander getrennt sind. Diese Vegetation schafft es manchmal sogar, mehrere Volieren zusammen als komplettes Palmendickicht zu tarnen. Nebenstehende Abb. zeigt eine getarnte Gruppe von Volieren mit Keilschwanzsittichen .

Aufgrund der Vielzahl der gezeigten Arten und Unterarten kann an dieser Stelle unmöglich auf einzelne Papageien eingegangen werden. Einige wenige, nicht repräsentative Beispiele finden Sie auf einer Fotoseite
Übrigens ist Fotografieren im Park ausdrücklich erwünscht, solange man die Tiere und Vögel nicht über Gebühr strapaziert. Auf Blitzlicht sollte daher generell verzichtet werden. Das übliche "Gitterproblem" lässt sich natürlich nicht immer vermeiden.

getarnte Aratingas
Ein paar kleine Kritikpunkte können aber doch angebracht werden:
Die überwiegend paarweise Unterbringung der Vögel verhindert die Beobachtung der Gruppendynamik, die den Papageien als Gesellschaftsvögeln eigen ist. Dies wird sofort klar, wenn man die wenigen Ausnahmen, Kea, Wellensittich oder auch Arasittich (Eltern mit Nachwuchs??) beobachtet. Die Wellensittichvoliere ist übrigens mit hauptsächlich blauen Farbschlägen besetzt, den echten Melospittacus undulatus findet man hier nicht!
Abweichend von der üblichen Anordnung Voliere - Grünstreifen - Voliere, ist eine grosse Gruppe von Lories eher in einer Art "Anbauschrank" untergebracht, der trotz der guten Einrichtung der Einzelvolieren so gar nicht zum allgemeinen Bild des Parks passen will.

"Schrankvoliere" einiger Lories
Resümee:
Die überaus gepflegte Anlage des Loro Parque mit ihrer tropisch-subtropischen Bepflanzung, den anfangs erwähnten zoologischen Attraktionen und der weltgrössten Papageienausstellung ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man sich auf den Kanarischen Inseln befindet. Der Werbespruch "El 'must' de Canarios" hat seine Berechtigung.
Für den Papageienliebhaber kann es sogar der einzige Grund sein, langstündige Flüge nach Teneriffa aus sich zu nehmen, hat er doch hier die Möglichkeit, Papageienvögel zu sehen, die zu beobachten sonst nur wissenschaftlichem Personal auf langwierigen und beschwerlichen Expeditionen vorbehalten ist.
Als persönliche Anmerkung sei noch gestattet: Wer sich ernsthaft für das interessiert, was die Natur uns an Papageienvögeln beschert hat, muss den Loro Parque besuchen.
Tips für den Besuch:
Lage:
Der Loro Parque liegt im Norden der Insel Teneriffa, in einem westlichen Vorort (Punta Brava) von Puerto de la Cruz. Zu Fuss sind es vom Stadtzentrum Puerto aus etwa 20-30 Min. entlang der Küstenstrasse, es gibt aber auch eine (noch) kostenlose Bimmelbahn ab der Stadtmitte.
Vom Süden der Insel her kann man Puerto de la Cruz gut per Mietwagen und Autobahn erreichen.
Touristisches:
Puerto de la Cruz hat etwa 40.000 Einwohner und das ganze Jahr über 30.000 Touristen. Entsprechend gut ist die Infrastruktur. Bei der Vielzahl der Hotels fällt die Auswahl so schwer, dass hier kein Tip gegeben werden kann. Das berühmte Hotel "Botanico" gehört zwar dem Loro Parque, ist auch eines der Besten, liegt aber am ganz anderen Ende der Stadt.
Zeitaufwand:
Ernsthaft Interessierte sollten nach Möglichkeit mehrere Tage (!) für den Park einplanen. Zum einen sind es natürlich die Papageien, die schon allein jede Menge Betrachtungszeit für sich fordern, andrerseits ist der Tag schon fast vorbei, wenn man nur Delphin-, Loro-, Seelöwen- und Naturfilmshow sowie den oben erwähnten Planet Penguin, Gorillas, Tiger etc. besucht.
Spezielles:
Empfehlenswert ist zusätzlich für den, der genügend Zeit hat, auch eine buchbare Sonderführung, die Einblicke in die Infrastruktur des Parks bietet: "Wie funktioniert das Pinguinhaus, wie wird das Aquarium mit frischem Wasser versorgt, wo bleiben die Delphine, wenn sie keine Mätzchen machen müssen?" Solche Fragen werden hier beantwortet.
Wer plant, den Loro Parque zum Schwerpunkt seines Teneriffa-Aufenthaltes zu machen, also den Park mehrfach zu besuchen, sollte sich überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, vorher eine Mitgliedschaft bei der Loro Parque Foundation abzuschliessen. Als Mitglied der LPF hat man freien Eintritt und unterstützt gleichzeitig einige der wichtigsten Arterhaltungsprojekte von Papageien auf der Welt.
Danke:
Abschliessend noch ein grosses Dankeschön an Marcellus Bürkle (TA Loro Parque und Loro Parque Foundation) und Matthias Reinschmidt (Loro Parque Foundation) für den freundlichen Empfang und die gebotene Unterstützung.
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Bericht und Fotos: © H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 01/2003