Neue Papageienart entdeckt!

Der Schneesittich
Wenige Tage vor Weihnachten erreichte uns die sensationelle Meldung von der Entdeckung einer neuen Papageienart. Unser Kontaktmann im sibirischen Apriliansk konnte einige Informationen zusammentragen, die so interessant waren, dass wir uns kurzfristig zu einer Expedition entschlossen. - Hier der Bericht:

Wie es begann:
Am 02. Januar 2000 trafen die Expeditionsmitglieder der APN im sibirischen Apriliansk ein. Unser Kontaktmann Boris Papagannov hatte bereits die Vorarbeiten und einen grossen Teil der Organisation abgewickelt, so dass wir gleich mit unseren Feldstudien beginnen konnten.
Um die kurze helle Tageszeit voll auszunutzen, brachen wir schon früh auf. Der Motor unseres Expeditionsfahrzeuges musste oftmals bei Temperaturen von bis zu -38C° mit der Lötlampe vorgewärmt werden, aber dann ging es los. Die Wegelosigkeit der sibirischen Tundra, der dauernde Schneefall liessen uns nur langsam vorankommen. Drei Stunden später erreichten wir unser Ziel, das Biotop des Schneesittichs, - oder zumindest die Gegend, in der er gesichtet worden war. Zum Glück klarte das Wetter weiteren Verlauf der Expedition einigermassen auf.
Ein Biwakieren in dieser unwirtlichen Gegend kam für uns verweichlichte Mitteleuropäer nicht in Frage, also sind wir mehrere Wochen lang immer wieder diese Strecke gefahren, bis es uns endlich gelang, diesen sagenhaften Papagei zu fangen und zu fotografieren.
Abseits der Piste konnten wir uns mit unserem Fahrzeug nur bewegen, wenn sicher war, dass der Schnee nicht zu tief wurde. Oft genug wurde geschaufelt, geschoben, oder sogar die Seilwinde gebraucht, um wieder heimzukommen.
Am 25. Januar war es soweit. Der erste Schneesittich wurde gesichtet. Wir wussten nun, wo wir zu suchen hatten. Unser GPS-System zeigte folgende Position: 55°43'N 108°51'E; also ein paar hundert Km nördlich vom grossen Baikal. Damit ist das Verbreitungsgebiet des Schneesittichs das nördlichste aller Papageienarten.
Unglücklicherweise hatten die tiefen Temperaturen und der nicht gerade sanfte Transport unserer Kameraausrüstung stark zugesetzt, deshalb können wir hier nur wenige exclusive Fotos zeigen.

... auf der Piste von Apriliansk

... fahrbares Gelände im Biotop


Schneesittich

Artenbeschreibung

Habitus/Zuordnung:
Von seinem äusseren Erscheinungsbild her ist der Schneesittich eindeutig der Gattung Psittacula zuzuordnen. Körpergrösse und Proportionen entsprechen in etwa denen des grossen Alexandersittichs (Psittacula krameri).
Abmessungen unseres Exemplares:
- Gesamtlänge: 42 cm
- Spannweite: 43 cm
- Flügel: 17,5 cm
- Schnabel: 2,3 cm
(das Gewicht konnte wegen gefrorener Ausrüstung nicht festgestellt werden.)
Allg. Beschreibung:
Reinweisses Gefieder, mit hellgrauem Nackenring, Unterflügeldecken mit graugünem Schimmer. Schnabel kirschrot, Iris grau, Füsse hellgrau. Inwieweit der Vogel eine jahreszeitlich bedingte Gefiederfärbung (Sommer- und Winterkleid) zeigt, ist noch nicht nachgewiesen, aber nach Auskunft der einheimischen Bevölkerung soll das der Fall sein.
Vorkommen/Habitat:
Das einzige bisher bekannte Exemplar wurde mit Netzfalle etwa bei 55°43'N 108°51'E gefangen. Das Habitat ist gekennzeichnet von offenen bis dichten Koniferenwäldern. Im jahreszeitlichen Wechsel treten starke klimatische Schwankungen auf: Strenge frost- und schneereiche Winter, trockene, heisse Sommer. Permafrostboden, Höhe über N.N. etwa 800m.
Ernährung:
Hauptsächlich Kompiferenzapfen.
Brut:
Brutbeobachtungen konnten (wahrsch. jahreszeitlich bedingt) nicht gemacht werden.
Allg. Verhalten:
Sehr scheu, offenbar aber standorttreu.
Systematik:
Aufgrund der hier vorliegenden Erstbeobachtung und Beschreibung schlagen wir vor:
Psittacula nix (APN, 2000)
Erläuterung:
Gattung: Psittacula
Art: nix (- vom Lat. nix = Schnee)


Die Aufstellung als neue Art erscheint wegen des isolierten Verbreitungsgebietes, der sehr ungewöhnlichen Gefiederfärbung und der von sonstigen Psittacula-Arten abweichenden Ernährung gerechtfertigt.

Todo: Das jahreszeitliche Verhalten, eine ungefähre Individuenzahl/qkm sowie Brutabfolge muss von künftigen Exepditionen verifiziert werden. Wir empfehlen dazu, Kontakte mit der nomadisierenden einheimischen Bevölkerung aufzunehmen.
eine ausführliche Beschreibung werden wir zu offiziellen Festschreibung dieser Papageienart bei der ICZN einreichen.
  Zur Homepage:
Exklusivbericht: H.-J. Pfeffer
1.April 2000
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 1. April 2000