Papageien - fossile Haustiere?


Die untenstehende Tabelle gibt einen groben Überblick über die Entwicklung des Lebens seit dem Erdmittelalter (Mesozoikum). Sie zeigt deutlich, dass Vögel viele Millionen Jahre lang mit den Dinosauriern gelebt haben. Auch geht daraus hervor, dass der Archaäopterix durchaus nicht der Urvogel ist, für den er gehalten wurde, sondern eine Art Nebenlinie zu den Vögeln darstellt, ähnlich wie der Neandertaler zum modernen Menschen. Doch das nur nebenbei.

Mio. JahreErdzeitalterEreignisse
240



200
Mesozoikum Trias 225 Mio. Jahre: die ersten Dinosaurier
200 Mio. Jahre: die ersten Säugetiere
200



145
Jura 175 Mio. Jahre: Urkontinent Pangäa bricht auseinander
156 Mio. Jahre: die ersten "echten Vögel"
150 Mio. Jahre: Archaeopterix
145



65
Kreidezeit Entwicklung der Blütenpflanzen
Hohe Zeit der Dinosaurier
65 Mio. Jahre: Massensterben der Dinos u. anderer Arten
65



2
Tertiär   50 Mio. Jahre: Papageienvögel sind entwickelt
2



0
Quartär   1 Mio. Jahre Entwicklung des Menschen
heutiges, menschgemachtes Massensterben der Arten


Aus den bisherigen Funden der Paläontologen wissen wir, dass die ältesten Fossilien von papageienartigen Vögeln ca. 50 Millionen Jahre alt sind. Betrachtet man aber den schon ausgeprägten Entwicklungsstand, so muss man davon ausgehen, dass die Papageienvögel sich schon viel viel früher von der restlichen Vogelwelt abgesondert haben. Ihre heutige weite Verbreitung ist nicht mit ihrer Flugfähigkeit, sondern mit der Kontinentaldrift des auseinandergebrochenen südlichen Teils von Pangaä - dem Gondwanaland zu erklären. Und das bedeutet eine Entwicklungsgeschichte von über 100 Mio. Jahren!

Das "Konzept" des Papageienvogels scheint in all der Zeit so erfolgreich gewesen zu sein, dass es sich bis heute fortentwickeln konnte. Sie haben sogar das grosse Massensterben der Arten vor 65 Mio. Jahren überlebt. Allerdings gibt es erst in neuester Zeit Belege dafür, dass Papageien wirklich Zeitgenossen der Dinosaurier waren. Bei den Funden in der hinteren Mogelei hat sich ausserdem etwas Erstaunliches herausgestellt.

Im April letzten Jahres wurden in Ying Yang die Überreste eines kleineren Dinosauriers gefunden. Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um das bisher besterhaltenste Exemplar eines Oviraptors aus der Gruppe der aus Kanada und der Mongolei bekannten Caenagnathidae. Interessant an dem Fund ist nicht nur der Erhaltungszustand, der das Tier ähnlich wie ein 1972 gefundenes Exemplar des Velociraptors fast wie in natürlicher Bewegung zeigt, sondern auch, das grosse Teile der Umgebung, darunter auch Pflanzenreste und anderes rund um das Exemplar erhalten geblieben sind.

Die Fundstelle, Grabungsplätze sind in etwa in der Mitte zu erkennen.

Bei der sorgfältigen Präparation der Fundstelle stiess der chin. Paläontologe Fan Ta Si auf ein weiteres, eigentlich viel sensationelleres Skelett, - einen Papagei! Dieses Skelett konnte bereits in fast allen Einzelheiten rekonstruiert werden. (s. kleines Foto)

Besonders interessant ist, dass sich der Vogel etwa in Brusthöhe vor dem Oviraptor befand. Der extrem gute Erhaltungszustand lässt darauf schliessen, dass dieser Papagei nicht zu den Beutetieren des Oviraptors gehört haben kann. Schliesslich heisst Oviraptor ja auch soviel wie "Eierdieb" - allerdings bevorzugte er wohl mehr die grossen Gelege der Saurier. Die kleinen Baumhöhlen brütender Papageien sind ihm sicher als Beuteplätze entgangen.

Offensichtlich handelt es sich hier also um eine Lebensgemeinschaft von Oviraptor und Papagei!! Dabei gibt es eine Menge Interpretationsmöglichkeiten: Von rezenten Papageien wissen wir, dass sie die Inhalte von Eiern durchaus nicht verschmähen. Begleiteten also die Papageien der oberen Kreidezeit den Oviraptor, um von den Resten seiner Mahlzeit zu profitieren?? - Diese Annahme ist ebenso irreführend, wie der Name des Oviraptors. Heute geht man davon aus, dass die Funde, die den Oviraptor auf Sauriergelegen zeigen, nicht das Szenario des Eierräubers zeigen, sondern den Oviraptor bei der Brutpflege. Aber zurück zu unserem Fundstück:

Eine weitere, noch genauere Untersuchung der Fundstätte brachte zusätzliche Erkenntnisse. Nicht weit entfernt von Skelett des Oviraptors, etwa in Verlängerung der Vordergliedmassen wurde ein schwacher rechteckiger Abdruck, etwas grösser als DIN A5, gefunden, der sich zunächst allen Erklärungen entzog. Professor Fan Ta Si kam jedoch nach sorgfältiger Analyse weiterer Fundstücke auf eine realistische Interpretation, die er uns in einer zeichnerischen Rekonstruktion zukommen liess. Diese Rekonstruktion können Sie in einem Extrafenster betrachten, klicken Sie hier

Quellennachweis:
- kann aus Platzgründen nicht gegeben werden,
er reicht zurück bis in die Oberkreide
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Exclusivbericht: H.-J. Pfeffer
1. April 2001
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 1. April 2001