Kooperation: Papageien helfen Menschen


Der folgende Beitrag beweist, dass nicht nur die Menschen den in Not geratenen Papageien helfen, sondern, dass es auch umgekehrt gehen kann. Speziell ausgebildete Papageien helfen den Forschern bei der Feldarbeit.


In einem gross angelegten Projekt wurden in den letzten 6 Jahren am Instituto Pantanal del Fictivo (IPF) verschiedene Amazonenarten handaufgezogen. Unter anderem auch solche stark bedrohter Arten. Zweck diese Projektes war es einerseits, durch Auswilderung den Bestand der ursprünglichen Wildpopulation zu erhöhen, und damit gefährdete Arten vor dem Aussterben zu retten, andrerseits aber auch die Prägung auf den Menschen, die durch die Handaufzucht zwangsläufig entsteht, bei wildlebenden Papageien zu untersuchen und zu nutzen.

In einem ersten Versuch wurden 10 auf Menschen geprägte Blaustirnamazonen ausgewildert. Dabei zeigte sich im April 1998, dass einige Individuen nach einiger Zeit immer noch die Nähe des Menschen suchten, andere aber völlig verwilderten. Die zahmen Amazonen liessen sich häufig durch laute Rufe anlocken, besonders dann, wenn die Forscher in ihrer typischen Kleidung und Ausrüstung das Auswilderungsgebiet betraten.

Parallel zu dieser zwar menschgeprägten Gruppe der 10 Blaustirnamazonen wurde eine andere, gemischte Gruppe Amazonenpapageien von klein auf einer speziellen Schulung unterworfen, a) um die Prägung auf Menschen zu verstärken, und b) um ihnen gewisse Fertigkeiten beizubringen. Zu diesen Fertigkeiten gehörte u.a. die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Eingeborenen und Forschern, die Gewöhnung an das Tragen bestimmter umgeschnallter Gegenstände und das Erkennen von bestimmten Situationen, in denen sich Menschen befinden können.

Schnell stellte sich heraus, dass durch die individuellen Unterschiede in der Intelligenz nicht alle Amazonen gleich gelehrig waren. Glücklicherweise gehörten die bedrohtesten Arten, die ja auch am häufigsten von Forschern in den natürlichen Habitats besucht und untersucht werden, zu den gelehrigsten.

Zeitgleich zum Aufzuchtprojekt wurden an der AWU (Aprilian Wildlife University) in den USA spezielle Geräte entwickelt, die die Amazonen nach der Freilassung mit sich führen sollten. Dabei handelte es sich u.a. um einen Mikrotransponder, der auf Knopfdruck ein anpeilbares Signal auf einer bestimmten Frequenz sendet, ein Vakuumpack mit hochkonzentrierten Arzneimitteln, selbsttätig expandierendes Verbandszeug (Raumfahrt!) sowie einer Konzentratdosis hochprozentigen, aromatisierten Alkohols. Dies alles durfte zusammen die Ausmasse von 8x3 cm und ein Gewicht von ca. 20g nicht überschreiten.

Nachdem die Entwicklung dieser Materialien erfolgreich abgeschlossen war, konnte der zweite Teil des Projektes beginnen. Zwei besonders erfolgversprechende Amazonen (Dirty, eine Venezuelamazone und Harry, eine Finschamazone) wurden mit dem von der AWU entwickelten Gerätepackage ausgerüstet, und in der Nähe des IPF freigelassen. Zwei Wochen später begaben sich die Forscher in das Gebiet. Eine Forschungsgruppe trug die übliche Kleidung und Ausrüstung, die andere war als Eingeborene verkleidet.

In einem gut dokumentierten Versuch begannen beide Gruppen nun nach den Amazonen zu rufen. Besonders antrainiert war das Wort "heeelllp", auf das die Finschamazone sofort reagierte, sich zur Forschergruppe begab, um dort ihr Notfallpack anzubieten. Der Transponder konnte aktiviert und vom IPF aus über GPS lokalisiert werden, - die Gruppe war "gerettet". Die "Eingeborenengruppe" jedoch hatte keinen Erfolg. Ihr Feldversuch konnte nicht gewertet werden, denn die Amazone "Dirty" wurde wenig später mit geöffnetem Notfallpack volltrunken aufgefunden. Sie hatte das Alkoholkonzentrat aufgegessen.

Auswertung:
  1. Die erzielten Resultate lassen den Schluss zu, dass es möglich sein könnte, speziell geschulte Papageien als "Erste Hilfe Truppe" für Forscher in den unzugänglichen Gebieten des Dschungels einzusetzen.
  2. Die verwendeten Materialien bedürfen noch der Weiterentwicklung, besonders in Bezug auf "Papageiensicherheit".
  3. Venezuelaamazonen sind Alkoholiker.

Abb. mit frdl. Genehmigung © WPT.
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Exclusivbericht: H.-J. Pfeffer
1. April 2001
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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