Neue Kontrollinstanz für Papageienhalter?
 Der EVKD

Wie uns kürzlich berichtet wurde, sind im südlichen Mannheimer Raum in letzter Zeit Einsätze eines sogenannten "Europäischen Volieren Kontroll-Dienstes" bekannt geworden. Die Mitarbeiter dieses Dienstes können sich mit Personalausweis-ähnlichen Papieren ausweisen, und machen bestimmte Rechte geltend. Angeblich können sie Volierenanlagen frei betreten, dieses auch mit Amtshilfe der Polizei bzw. eines Amtstierarztes durchsetzen. Ihre Aufgabe besteht darin, die artgerechte Haltung der Papageien und Ziervögel sowohl anhand des bekannten Gutachtens als auch an tierschutzrechlichen Vorgaben zu überprüfen. Ausserdem wird der Volierenbesatz auf seine Legalität überprüft, (Herkunftsnachweis, Kennzeichnungspflicht etc.) und dem Volierenbesitzer eine Frist zur Erfüllung der Auflagen gestellt. Ein betroffener Papageienhalter schilderte auch, dass der EVKD sogar die Baugenehmigung der Volierenanlage sehen wollte ...

Dies ist das "Hoheitszeichen" an dem der EVKD zu erkennen ist. Genauer befragt, gaben die Mitarbeiter folgendes zur Auskunft. Ab dem 01.04.2005 soll eine EU-Richtlinie zur Haltung von Exoten und Ziergeflügel, die 2004 von den zuständigen Vertretern der Länder im Bereich Landwirtschaft und Forsten entwickelt wurde umgesetzt werden. Erstes ausführendes Land ist Deutschland, die anderen Staaten der EU werden nach einer Anlaufzeit von ca. 1 - 2 Jahren nachziehen müssen. Der EVKD ist die Instanz, die die Umsetzung dieser Richtlinie überprüfen soll. Schwerpunkte der Überprüfungen sind zunächst das Bundesland Hessen (kleinere Zuchtbetriebe und private Papageienhalter) und der Stadtstaat Bremen (Grossanlagen zur Papageienhaltung).

Der EVKD hat das Recht, Vögel, deren Legalität zweifelhaft ist, (bes. wegen mangelnder Kennzeichnung, fehlendem Herkunftsnachweis oder Zugehörigkeit zu besonders geschützten Arten) einzuziehen und einer europäischen Zentrale in Luxemburg zuzuführen.

Dieses von der Frau des Papageienhalters heimlich geschossene Foto zeigt die Mitarbeiter des EVKD vor dem Betreten einer Brutvoliere mit einem Gelbbrustara-Pärchen.
Desweiteren hier das Einsatzfahrzeug, zu beachten sind der umlaufende gelbe Streifen, das EVKD-Logo und ein Luxemburger Kennzeichen.
Der betroffene Papageienhalter schilderte die Mitarbeiter als durchaus freundlich. Sie hätten grosse Sachkenntnis in Bezug auf Papageien gezeigt. Zum Glück war bei der Überprüfung alles in Ordnung, sonst, so sagte er, hätten sie Vögel womöglich beschlagnahmt. Das Fahrzeug enthielt jedenfalls entsprechende Transportkisten.

So sehr wir eine solche, von Sachkenntnis getragene zentralisierte Einrichtung auch begrüssen würden, - schon im Sinne unzähliger unsachgemäss gehaltener Papageien - sind wir doch unsicher geworden. In den Veröffentlichungen der Europäischen Komission ist von der Einrichtung einer solchen Dienststelle wie dem EVKD nirgendwo die Rede. Auch unsere Anfragen im Bundesministerium für Landwirtschaft und Forsten verliefen negativ. Wäre da nicht der betroffene Papageienhalter, würden wir das ganze für einen Aprilscherz halten.

Aber ernsthaft: machen Sie sich kundig, wer unter welchen Umständen auch ohne Ihre Genehmigung ihr Grundstück betreten darf, und vor allem: Halten Sie Ihre Vögel mindestens so gut, wie es rechtlich vorgeschrieben ist und achten Sie auf die Auflagen zur Nachweis- und Kennzeichnungspflicht.
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Abb.: H.-J. Pfeffer u. WWW
Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 1.April 2005