Haustier Mohrenkopfpapagei

- ein Bericht von Christoph Schirm -
 

 


Im Dezember 1998 sind unsere ersten beiden Mohrenkopfpapageien bei uns eingezogen. Der Wunsch nach einem Haustier war schon lange vorhanden, nur durch eine kleine Mietwohnung zuvor nicht möglich. Die Entscheidung, dass es Papageien sein sollten, wurden durch die beiden Graupapageien des Freundes meiner Schwester mit beeinflusst. Nun fingen die Überlegungen an: Welche Art soll es sein und woher sollten wir sie bekommen? Zunächst kauften wir die üblichen Bücher über Papageien & Sittiche und waren uns schnell einig, dass ein Papagei für uns nicht zu groß sein sollte, damit eine Käfighaltung mit Freiflug im Wohnzimmer problemlos möglich ist. Der Mohrenkopfpapagei erschien uns hierfür als geeignet und er sieht auch wunderschön aus. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch nicht aktiv im Internet und es blieb nur der Weg in eine Zoohandlung, da uns keiner Züchteradressen nennen konnte oder wollte.

In der Zoohandlung saßen in einem kleinem Abteil zwei Mohren, die laut Verkäufer deutsche Nachzuchten waren und 98 geschlüpft seien. Die beiden Mohren saßen eng aneinander und nach einem Tag Bedenkzeit haben wir sie abgeholt. Wir erwarben gleich noch einen Käfig, der größte im Laden, der auf jeden Fall groß genug sein sollte, wie sich der Verkäufer äußerte.

Die ersten Tage mit Tom und Jerry waren von Scheu und Panik geprägt und sie bewegten sich in unserer Anwesenheit am liebsten gar nicht. Fressen wollten sie ausschließlich die Körnermischung und Obst wurde nicht angerührt.

Nach ein paar Wochen der Eingewöhnung fingen wir an, die Beiden zum Freiflug rauszulassen. Es war jedes Mal stressig und für die zwei gefährlich, da sie teilweise sehr panisch reagierten und kaum freiwillig in den Käfig zurück kamen. Wie wir nachlesen konnten, werden scheue, adulte Mohren kaum noch zahm und wenn kann es Jahre dauern. Wir schafften in der Zwischenzeit einen größeren Käfig an, da ein Freiflug nur am Wochenende möglich war. Meistens kamen sie am Freitag raus und wir brauchten bis Sonntag, um Beide sicher in den Käfig zu bekommen. Zum Fressen kam nur einer nach dem anderen rein und so wurde das Einsperren zu einem richtigem Wettkampf. Ich hatte es geschafft, dass sie mir im Käfig aus der Hand fraßen, aber die Scheu im Freiflug blieb erhalten. Nach einem Jahr flogen auf einmal die Fetzen zwischen Tom und Jerry und wir mussten sie trennen. Wir hatten nun zwei große Käfige und zum Freiflug musste immer einer rausgeschoben werden, da auch 37qm Wohnzimmer für Beide zu klein war.

Nach einer DNA-Analyse war das Verhalten klar: Wir hatten zwei Hähne, die nun geschlechtsreif wurden. Da wir uns aber von keinem der Beiden trennen wollten, haben wir uns auf die Suche nach geeigneten Hennen gemacht. Es sollten Handaufzuchten sein, weil wir hofften – und immer noch hoffen -, dass Tom und Jerry dadurch auch etwas von ihrer Scheu verlieren. Außerdem sollte sich die Verpaarung dadurch einfacher gestalten Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis wir im Abstand von 3 Wochen die handaufgezogenen Mohrenmädchen Mori und Kiwi bekommen haben. Es sollten auch junge Mohren sein, damit die Hähne sie besser akzeptieren. Die Hoffnung, dass wir sie einfach zu den Hähnen setzen konnten, mussten wir schnell aufgeben und nun hatten wir vier Käfige im Wohnzimmer. Der Freiflug klappte paarweise, aber es wurde immer schwieriger mit dem ganzen “Handling“ und wir beschlossen, ein Zimmer als Papageienzimmer mit einer großen Voliere einzurichten. Die Voliere hat die Maße 3x0,9x2 m und kann in der Mitte getrennt werden, was auch nötig wurde, da die Hähne sich nach wie vor sofort bekämpften und selbst ein auf dem Boden sitzender, verletzter Tom weiter angegriffen wurde.

                                  

Tom und Mori sind in der Zwischenzeit erfolgreich verpaart und auch Jerry und Kiwi kommen sich immer näher. Alle vier turnen ausgelassen in der Voliere rum und es ist einfach schön, ihnen hierbei zuzusehen. Mori und Kiwi kommen sporadisch raus, wenn sie mit uns schmusen wollen. Sie zeigen es schon deutlich wann sie dazu Lust haben und wollen dann auch nicht umherfliegen, sondern nur etwas verwöhnt werden. Für uns ist es ein Zeichen, dass bei der Volierengröße ausreichend Platz für die Mohren vorhanden ist, so dass sie ihren Flugdrang stillen können.

Die Mohren sind zwar von ihrer Größe her unscheinbar, haben aber die gleichen Bedürfnisse wie die größeren Arten. Sie bekommen neben einer speziellen Körnermischung täglich verschiedenes Obst und Gemüse und erhalten Grit und Mineralien über das Futter gestreut als Zusatz. Beim Obst sind Weintraube, Apfel und Banane sehr beliebt. Hirse wird nur alle paar Tage gegeben und als besondere Leckerei bekommen sie ganze Pistazien, allerdings nur in sehr geringen Mengen. Ebenfalls gerne wird Keimfutter gefressen und in der Voliere sind im unterem Bereich Zweige von Obstbäumen angebracht, die gerne benagt werden. Der Mohrenkopf ist ein neugieriger Vertreter und es werden alle Spielsachen sofort angenommen und teilweise leidenschaftlich bearbeitet, wobei die Zerstörung hierbei im Vordergrund zu stehen scheint. Mohrenköpfe haben kein Sprachtalent, gelegentlich hört man von einzelnen Vögeln, die wenige Wörter sprechen können, im Allgemeinen ist das aber nicht der Fall. Sie können sehr durchdringende, schrille „Pfiffe“ loslassen, meistens morgens nach dem Aufwachen und am späten Nachmittag. Ansonsten „quietschen“ sie vor sich hin und versuchen, unser Pfeifen oder Umgebungsgeräusche nachzuahmen. Kiwi beherrscht das SMS-Eingangssignal schon hervorragend! Der Mohr ist sowohl als zahmer sowie auch als scheuer Vogel beeindruckend zu beobachten, allerdings können ältere scheue Naturbruten wohl nur unter Volierenbedingungen gehalten werden. Eventuell ist gerade dieses neben einem leider niedrigen Kaufpreis der Hauptgrund dafür, dass die Mohren häufig ihren Halter wechseln. Es ist erschreckend, wie viele Mohren mir alleine schon in diesem Jahr angeboten wurden. Der Mohrenkopfpapagei ist meiner Erfahrung nach nicht unbedingt ein geeigneter Vogel für unerfahrene Halter, leider werden gerade diese in Zoohandlungen genau anders beraten.

Hier nun noch abschließend ein paar Bilder von unserer Bande:

         

      

Christoph Schirm,
März 2001

 

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Fotos und Text: © Christoph Schirm
Adaption für WWW: Christoph Schirm
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk

 

04/2001