Papageien und ihre Namen

Während die persönlichen Namen der in menschenhand gehaltenen Papageien dem persönlichen Geschmack des jeweiligen Halters entsprechen, gibt es bei den allgemeinen Bezeichnungen feste Regeln. Hier ein paar kurze Erläuterungen.


Zunächst unterscheidet man wissenschaftliche und populäre Bezeichnungen. Während bei den wissenschaftlichen Bezeichnungen weltweite Eindeutigkeit angestrebt wird, sind naturgemäss die populären Namen von Land zu Land verschieden. Das hat natürlich sprachliche Gründe, und wie bei menschlichen Namen sind die Bezeichnungen in den meisten Fällen auch nicht einfach übersetzbar.

Beispiel:
Rotbugara Severe Macaw
(schmuckloser Ara)
Ara vert
(Grüner Ara)
Guacamayo de frente castano
(Kastanien-Stirn Ara)
Oftmals kommt es sogar innerhalb eines Landes oder einer "Sprachzone" zu unterschiedlichen Bezeichnungen. Ziel der wissenschaftlichen Namen ist hingegen eine weltweite Vereinheitlichung, die dazu führen soll, das beim Gebrauch eines Namens jeder weiss, welches Tier gemeint ist.

Wie entstehen solche Namen?
Im Normalfall hat der Entdecker der Species/Rasse das Recht, dieser einen Namen zuzuteilen. U.U. ist es aber nicht der Entdecker, sondern derjenige, der das Tier zum ersten mal wissenschaftlich beschreibt. Durch "parallele" Entdeckungen, oder Beschreibungen, bei denen der Verfasser von anderen schon erfolgten Veröffentlichungen nichts wusste, kann es zu Konfusionen kommen.
(Beispiel aus dem 19. Jahrh.: Chrysotis (Amazona) farinosa wurde auch bezeichnet mit Psittacus pulverulentus).
Deshalb muss die wissenschaftliche Beschreibung bei einer "Kontrollinstanz" eingereicht, und von dritter Seite bestätigt werden. Die ICZN ("International Commission on Zoological Nomenclature") ist so eine Kontrollinstanz, die die Regeln für die Benamung aufstellt. Entsprechende Beschreibungen werden hier im "Bulletin of Zoological Nomenclature" veröffentlicht.
z.B.: Dorst, J.P. u.a.
    Memorandum on proposal to validate Cacatua.
    London
    Bulletin of zoological nomenclature
    22.1965,3 S. 156-161
Hier geht es um die Aufstellung der Gattung Cacatua (früher Plyctolophus).

Vereinfachte Grundregel:
Die Namensbezeichnungen einer Art sind zweiteilig: Der erste Teil des Namens dient der Zugehörigkeit der Gattung - also der systematischen Stellung des Tieres, und ist, soweit die Gattung an sich schon existiert, nicht frei wählbar. Amazona z.B. weisst aus, dass die beschriebene Species zu den Amazonen gehört. Damit ist auch klar, dass es sich um einen papageienartigen Vogel handelt.
Die Funktionsweise der Systematik ist hier ausführlicher beschrieben.

Der zweite Namensteil, der die eigentliche Art beschreibt, wird vom Entdecker oder Erstbeschreiber mehr oder weniger willkürlich gewählt. Dabei kommen oftmals lateinische, altgriechische, oder kombinierte Bezeichnungen zum Einsatz, die die Art irgendwie beschreiben. Aratinga acuticaudata (etwa "der spitzschwänzige") ist so ein Beispiel. Hier sieht man auch gut, das wissenschaftliche und populäre Namen nichts miteinander zu tun haben müssen. - Es handelt sich um den Blaukopfsittich.
Andererseits werden aber auch oft "Widmungen" gebraucht. Cyanopsitta spixii z.B. ist dem bekannten Ornithologen Spix gewidmet. Wer mehr über die Bedeutung dieser Bezeichnungen erfahren will, dem empfehle ich das Buch:
    Strunden, Hans
    Die Namen der Papageien und Sittiche : Herkunft u. Bedeutung.
    Walsrode, Horst Müller Verlag 1986
    ISBN 3-923269-21-8

weitere Beispiele finden Sie in folgenden Beiträgen:
  • Berühmte Ornithologen: Otto Finsch
  • Berühmte Ornithologen: John Gould

    Bisher haben wir nur von der "Art" gesprochen, die im Prinzip nur ein abstrakter Begriff ist. Was aber, wenn es sich um einen bestimmten Vogel handelt? Der wiss. Name eines Vogels ist zwei- oder dreiteilig. Zweiteilig ist er nur in dem Fall, wenn es sich um eine Vogelart handelt, die nicht weiter unterteilt werden kann. In diesem Fall entspricht der Name der Art genau dem Vogelnamen. (n.b. bezeichnet man solche Arten als "monotypisch")
    Kann man aber die Art weiter in Unterarten, salopp "Rassen" gesagt, unterteilen, wird der einzelne Vogel mit einem dreiteiligen Namen eindeutig gekennzeichnet. Analog der o.a. Abstufung kennzeichnet der dritte Namensteil nun die Unterart.
    Beispiel Amazona aestiva xanthopteryx - dabei handelt es sich um die Unterart der Blaustirnamazone, die im Flügelbug und an der Schulter auch gelbe Federn trägt. -
    Um das ganze noch etwas komplizierter zu machen, gibt es den Sonderfall der Nominatform Dabei handelt es sich um die Unterart, deren Name namensgebend für die Art war. Auch dreiteilig, jedoch sind 2. und 3. Namensteil gleich.
    Beispiel Amazona aestiva aestiva - die Blaustirnamazone mit rein rotem Flügelbug und rein roter Schulter.
    Zum überwiegenden Teil ist logischerweise die Nominatform die zuerst entdeckte Unterart.
    Wir merken uns: Besteht die Art nur aus einem Vogeltypus, so ist der Artname identisch mit dem Vogelnamen. Besteht die Art aus mehreren Vogeltypen (eben Unterarten) so ist die Artbezeichnung nur ein Oberbegriff.

    An sich ist diese Namensvergabe klar, sie hat nur zwei Nachteile: Einmal dauert es ziemlich lange, bis so ein Name festgeschrieben ist, und andrerseits existieren verschiedene "Kontrollinstanzen" u.U. auch auf nationaler Ebene. Der Rotschwanzkakadu ist ein Beispiel dafür: In Australien ist seine wissenschaftliche Bezeichnung Calyptorhynchus banksi (= Banks gewidmet); bei uns Calyptorhynchus magnificus (= "der Grosse").

    Eine neue Liste mit den z. Zt. gültigen Veröffentlichungen, in denen systematische Namens- und Artbeschreibungen zu finden sind, soll im Jahre 2.000 erscheinen. Die jetzige (mit ein paar Nachträgen, was Papageien betrifft) stammt aus dem Jahre 1987.

    Zusätzlich zu diesen Regeln, die auf den berühmten Wissenschaftler Carl von Linné (Systema naturae, 1735) zurückgehen, wird zu den Arten/Unterarten meist auch noch der Name des Erstbeschreibers sowie das Veröffentlichungsdatum hinzugesetzt. Somit kann man auch in entsprechenden Listen die Originalbeschreibung des Vogels wiederfinden.
    Beispiel Melopsittacus undulatus (Shaw, 1805) - der allseitsbekannte Wellensittich, monotyoische Art. Die gültige Originalbeschreibung findet sich demnach bei Shaw, 1805 in: The naturalists' miscellany: or Coloured figures of natural objects; drawn and described immediately from nature. 24 vols. 1790-1813
    Eine gute Quelle zum Nachschlagen der Arten findet man hier in einem Extrafenster: zoonomen.net
    Nachtrag:
    Bei uns zuhause wohnt ein Psittacus erithacus timneh (Fraser, 1844), oder auch Timneh-Graupapagei. Soweit die wissenschaftliche Bezeichnung. Sein individueller Name ist Charly. Weitere Namen sind "Boss", "Kackstelze", "Kleiner" usw. - Ach ja, manchmal auch "Sir Charles Grey". Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Namen können sich diese Bezeichnungen von Minute zu Minute ändern ...

  • Dez. 1999 © Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
    Beitrag: H.-J. Pfeffer